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Preisprognosen bleiben gedämpft

Markt und Meinungen
24.06.2013

Europäischer Getreidehandelsverband korrigiert EU-Ernte nach oben / Wettermärkte könnten neue Impulse bringen

Die Preise für Getreide und Co. setzen zu Wochenbeginn, nach einem kleinen Zwischenhoch, ihre Talfahrt fort. Sowohl an der internationalen Börse in Chicago (CBOT) wie auch an der europäischen Matif (Nyse Euronext) sind die Vorzeichen zum Wochenstart negativ.

An der Pariser Matif sind die Weizennotierungen seit Mai 2013 um rund 50 €/t gesunken und haben zu Wochenbeginn die strategisch wichtige Marke von 200 €/t knapp unterschritten. Mais richtet sich auf dem Niveau zwischen 220 und 225 €/t ein. Hier sind die Notierungen seit Dezember 2012 um etwa 40 €/t gefallen. Auch Raps gesellt sich in das negative Marktumfeld. Die Kurse für die neue Ernte wandern stramm auf die kritische Marke von 400 €/t herunter. Im Mai dieses Jahres wurden noch 490 €/t touchiert.

Die Investmentbank Goldman Sachs geht aufgrund eines weltweit deutlich höheren Mais- und Sojaangebotes davon aus, dass die Preise an den internationalen Börsen in den kommenden Monaten weiter nachgeben werden. Die Analysten von Goldman Sachs erwarten nicht nur höhere Ernten, sondern auch einen niedrigeren Verbrauch. Danach dürften sich auch die Lagerbestände wieder erholen.

Obwohl Getreide und Raps aus der alten Ernte in Europa, statistisch betrachtet knapp ist, setzten sich auch hier die schwachen Vorgaben der Ernte 2013 durch. Neue Prognosen des europäischen Getreidehandelsverbandes (Coceral) erwarten in der EU eine Weichweizenernte von knapp 131 Mio. t (inklusive Kroatien). Das sind 4,2 Prozent mehr als in der vergangenen Saison. Beim Mais wird in Europa mit gut 66 Mio. t eine um neun Prozent höhere Ernte als 2012 erwartet. Auch die Rapsproduktion legt zu. Unter Einbeziehung von Kroatien erwartet der Verband eine europäische Gesamternte von knapp 20 Mio. t (plus 2,3 Prozent zum VJ). Auch der europäische Bauernverband Copa-Cogeca hat die EU-Ernteschätzung für 2013 erneuert, liegt aber tendenziell unter den Werten von Coceral. Wo die Wahrheit ist, wird sich mit dem weiteren Wetterverlauf und tatsächlichen Erntemengen entscheiden.

Am Kassamarkt bleibt der Handel sehr ruhig. Die Vorstellungen der Käufer und Verkäufer klaffen bei sinkenden Preisniveaus zunehmend auseinander. B-Weizen wird für den September 2013 franko Hamburg um 203 €/t besprochen. A-Weizen liegt um 211 €/t franko. A-Weizen alter Ernte wird franko rheinischer Mühlen zwischen 220 und 225 €/t gehandelt. Forderungen von 230 €/t lassen sich nicht durchsetzen. Süddeutsche Mühlenstandorte bewerten A-Weizen für Juni um 213 €/t franko.

Preisoptimismus versprühen derzeit weder Analysten noch Händler vor Ort. Ohne negative Wettermärkte ist für die Kurse eine weitere Talfahrt vorprogrammiert. Erste Stimmen prognostizieren beim Getreide die untere Marke an der Matif von 180 €/t. Auch für die Rapsnotierungen dürfte es dann schwierig werden, 400 €/t weiterhin zu verteidigen.

Brigitte Braun-Michels