You are here

Share page with AddThis

Preisphantasien bei Raps für 2014 begrenzt

Markt und Meinungen
23.12.2013

Bei schwankenden Märkten bleibt Risikosplitting Mittel der Wahl

Der Ölsaatenmarkt war in diesem Jahr gewaltigen Preissprüngen ausgesetzt. Wir haben mit Ralf Häntzschel, Makler für Ölsaaten bei der Quinders Getreide und Futtermittel Agentur Neuss, das Jahr 2013 Revue passieren lassen und mögliche Tendenzen für 2014 abgeleitet.

Seit Mai 2013 befinden sich die Rapsnotierungen im Sinkflug nach unten. Derzeit liegen die Notierungen in Paris bei rund 370 €/t. Ist diese Entwicklung gerechtfertigt?

Ralf Häntzschel: Sie haben Recht, im Jahr 2013 hat der Rapsmarkt riesige Preissprünge gemacht. Vom Frühjahr bis heute verloren die Notierungen an der Pariser Matif über 100 €/t. Bis Anfang Mai diesen Jahres waren vor allem die engen Bilanzen Preistreiber. Marktbeteiligte in Europa hatten Angst, dass aufgrund der knappen Rapsversorgung die Verarbeitung bis an die neue Ernte 2013 nicht sichergestellt werden kann. Die Kurse für die „neue“ Ernte 2013 notierten zwar deutlich niedriger als die alterntigen Rapsfutures, blieben aber in deren Sog auch hoch bewertet. Vor Beginn der EU-Rapsernte 2013 und den erwarteten guten Erträgen stellte sich dann schlagartig eine Ernüchterung bei den Preisen ein. „Flankiert“ wurde der Preiseinbruch von positiven Einschätzungen zur US-Sojabohnenernte, die sich zum großen Teil bestätigen sollten.

Und was passierte am Ölmarkt ...?

Ralf Häntzschel: Die Preise am Ölmarkt wurden von hohen Palmöllagerbeständen gedeckelt. Die Politik hat mit der Begrenzung der Biokraftstoffquote, derzeit werden zwischen 5 bis 6 Prozent Beimischung diskutiert, das ihrige getan. Bis zur Einführung von Importzöllen haben Biodieselbilligimporte aus Argentinien und Indonesien den Markt zusätzlich belastet. Bei diesen Vorzeichen war ein Preisknick programmiert, der sich länger halten sollte, wie wir bis heute feststellen.

Wie schätzen sie das „Entwicklungspotenzial“ des Leitmarktes Sojabohne für 2014 ein?

Ralf Häntzschel: Der Sojabohnenmarkt profitiert von anhaltend guter Nachfrage, vor allem aus China. Dort explodiert der Fleischmarkt regelrecht und für die Verfütterung bleibt der Bedarf an Eiweißträgern, wie der Bohne, hoch. Das bedeutet, wir müssen weltweit gut ernten, um die Grundlage für die Ernährung dauerhaft sicher zu stellen. Auf der anderen Seite sind durch die gute Ernte in den USA und die erwartete hohe Ernte in Südamerika wieder wachsende Endbestände zu verzeichnen. Die Sojabohnenfutures schwankten je nach Liefertermin zuletzt zwischen 11,50 und 13,50 USD/bushel. Mit Beginn der Ernte in Südamerika im Frühjahr 2014 gehe ich davon aus, dass wir die Grenze nach unten testen werden. Aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage glaube ich aber nicht, dass 11 USD/bushel deutlich unterschritten werden. Sollte das Wetter der guten Ernte auf der Südhalbkugel einen Strich durch die Rechnung machen, könnte der Preis allerdings auch die Marke von 14 USD/bushel testen. Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen für witterungsbedingte Einbußen. Im Gegenteil, die Wachstumsbedingungen in Südamerika sind ausgesprochen gut.

Wie gut sind die Ölmühlen für 2014 versorgt und wo könnte sich noch Bedarf abzeichnen?

Ralf Häntzschel: Nach meiner Einschätzung ist der größte Teil der Ölmühlen für Januar bis März 2014 gut versorgt. Lediglich sehr große Verarbeiter dürften in diesem Zeitraum noch Bedarfslücken aufweisen. Für die Anschlusstermine April 2014 bis Juni 2014 besteht insgesamt noch ein größerer Handlungsbedarf.

Aus welchen Quellen wird der europäische Ölmarkt versorgt und inwieweit kann dieser den Rapsnotierungen helfen?

Ralf Häntzschel: Der Ölmarkt wird zu etwa 55 Prozent aus Rapsöl, zu rund 25 Prozent aus Palmöl und etwa zu etwa 20 Prozent aus Soja- und Kokosöl gespeist. Allzu große (freundliche) Impulse sind vom Ölmarkt momentan nicht zu erwarten, die aktuelle Biokraftstoffpolitik lässt einfach zu viele Fragen offen.

Wie reagieren die Erzeuger auf die Preisentwicklung am Rapsmarkt und wie schätzen Sie die Situation für 2014 ein?

Ralf Häntzschel: Der Markt ist seit zwei Wochen in Weihnachtsstille eingekehrt. Abgeber von Ware hatten zudem dass Problem, dass die Logistik voll ausgelastet ist. Landwirte, die das Preishoch im Frühjahr nicht genutzt haben, sind seit der Ernte mit dem Verkauf ihrer Ware insgesamt etwas zurückhaltender geworden. Nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt, wartet manch einer immer noch darauf, dass die Preise sich wieder über 400 €/t stabilisieren. Ich persönlich glaube das nicht. Weltweit gute Raps- und Sojabohnenernten sorgen vermutlich dafür, dass wir uns am Rapsmarkt bis zum Frühjahr in einer Matifrange von 340 bis 380 €/t bewegen. Wenn Südamerika die Erwartungen einer guten Sojabohnenernte erfüllt, halte ich auch Kurse von unter 340 €/t für durchaus möglich. Da für die Erzeuger die Sojabohnenpreise nach wie vor attraktiv sind, gehe ich zudem von einer stabilen, eventuell auch noch weiter ausgedehnten Bohnenaussaatfläche aus, was den Preisen erst mal wenig Luft nach oben geben dürfte. In den nächsten Monaten entscheiden vor allem die südamerikanischen und europäischen Wettermärkte über die weitere Kursentwicklung.

Wie würden Sie sich als Erzeuger in der jetzigen Situation verhalten?

Ralf Häntzschel: Wenn ich als Landwirt zwischen 350 bis 370 €/t für meinen Raps zur Ernte 2014 als Preis absichern könnte, hätte ich mich zumindest von einem Teil der Ware getrennt. Mögliche Gewinne mitzunehmen, hat noch keinem geschadet. Bei schwankenden Märkten bleibt das Risikosplitting das Mittel der Wahl. Zudem fehlen mir derzeit die Argumente, die eine Preisrallye nach oben für 2014 rechtfertigen würden.

Herr Häntzschel, vielen Dank für das Gespräch.

Brigitte Braun-Michels