You are here

Share page with AddThis

Preishausse bei Agrarmärkten erhält Dämpfer

Markt und Meinungen
23.07.2012

Wettermärkte halten Kurse in Schach/ Finanzmärkte lösen Preisrutsch aus

Die Wetternachrichten aus den USA sind nicht geeignet, optimistisch auf die bevorstehende Erntemenge zu blicken. Aus dem erwarteten Überschuss bei der Maisproduktion droht erneut ein Defizit zu werden. Die schon jetzt enge Sojabilanz tut das ihrige. Auch für die bevorstehende Woche rechnen Meteorologen, bei anhaltend hohen Temperaturen in den USA, mit keiner Entspannung.

Da wundert es nicht, dass die Notierungen Ende letzter Woche in Chicago (CBOT), besonders beim Mais, historische Rekordwerte markiert haben. An der Pariser Matif setzte sich der Aufwärtstrend ebenso unvermindert fort. Während die Weizennotierungen die Spitze von 300 €/t, die im Krisenjahr 2007/08 erklommen wurde, noch nicht erreichte, schoss Raps mit einem November-Schlusskurs von über 520 €/t über die Spitzenwerte der Vergangenheit hinaus.

Diese Woche beginnt mit einer  Verschnaufpause. Zum einen drücken die Finanzmärkte auf die Börsennotierungen. Zum anderen hatten die Kurse charttechnische Widerstände erreicht, an denen sie, trotz weiter sinkender Ertragsaussichten, erst einmal gescheitert sind.

Wird nun eine längst fällige Trendwende eingeleitet und droht die Blase zu platzen? Marktbeteiligte glauben kurzfristig nicht an einen nachhaltigen Preiseinsturz.

Anders als im Krisenjahr 2007/08 werden die stabilen Preise  2012 eindeutig durch die weltweit knappen Bilanzen gestützt. Und wie Auswertungen belegen, haben diesmal nicht die Spekulanten die Preishausse ausgelöst, sondern sie ist eindeutig von kommerziellen Marktteilnehmern, sprich den Verarbeitern, an der Börse in Chicago (CBOT) genährt worden. Bis dato hatten rein spekulative Anleger eher auf das falsche Pferd gesetzt. Erst seit der letzten Woche wird dieses Bild zurecht gerückt, was durch den Ausbau langfristiger Positionen (Netto-Long-Positionen) deutlich wird.

Es gibt aber auch Wehrmutstropfen. Allmählich erreichen die Maispreise in den USA Größenordnungen, auf welche die Ethanolindustrie, die bekanntlich bis zu 30 Prozent der US-Maisnachfrage bestimmt, mit Verbrauchsrückgängen reagiert. Auch die Ölmühlenindustrie kommt an die Rentabilitätsschwelle. Mittlerweile berichten Fachleute von hohen Beständen, weil der Ölabsatz stockt. Das dürfte in Zukunft auch für Schrot zutreffen, weil Schweinehalter bei anhaltend hohen Futterkosten mit Abbau der Bestände reagieren.

Nicht zu vergessen bleibt das labile wirtschaftliche Umfeld. Ob Griechenland weitere Gelder bekommt, oder der „Finanzstöpsel“ gezogen wird, bleibt unberechenbar. Die Folgen ebenso. Die Ölpreise sind schon länger vom anhaltenden Hochkochen der EU-Schuldenkrise ausgebremst worden. Zu Beginn dieser Woche scheinen auch die Agrarcommodities diesem Trend wieder zu folgen.

Schließlich dürfte die Ernte in Europa, die jetzt angelaufen ist, ihre Spuren hinterlassen. Während Osteuropa und Russland mit Ertragseinbußen zu kämpfen haben, zeichnen sich in Westeuropa passable Ergebnisse ab. Das könnte am hiesigen Kassamarkt für kurzfristige Preisdämpfer sorgen.

Für Vermarkter bleibt diese Saison schwierig einzuschätzen. Offen bleibt vor allem, wann Verbraucher auf die hohen Preise reagieren und wie die Wirtschaft mittelfristig wieder in die Preisbildung hineinregiert.
Erzeuger sollten es deshalb nicht auf die Spitze treiben und ihre Verkäufe bei  durchaus „ansehnlichen“ Erlösen für diese und  mit „sicheren Verträgen“ für 2013 realisieren. Schwieriger wird es hingegen für den Erfassungshandel. Der muss jetzt teuer einkaufen. Wie viel Marge dann nach oben bleibt, ist bei den derzeit hohen Preisen ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Brigitte Braun-Michels