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Preise zeigen grüne Tendenz

Markt und Meinungen
02.05.2016

Wetter und Politik stützen den Markt/ Ernteschätzungen für 2016 bleiben sehr gut

Die Börsen sind zu Beginn dieser Woche für Agrarcommodities freundlich gestimmt. In den USA helfen Wettermärkte und in Europa stützen Weizenexporte den Markt. Ein Wehrmutstropfen kommt von wieder fallenden Rohölpreisen.

Die Börsianer an der US-Leitbörse haben in der Vergangenheit große Nettoshortpositionen aufgebaut und damit Ihrer negativen Markteinschätzung Ausdruck verliehen. Mittlerweile scheint aber der Boden erreicht zu sein, ist von Analysten durch die Bank zu hören. In solchen Situationen reichen kleine Nachrichten, um Preise zu „drehen“. Dank des Wettermarktes sind die Weizennotierungen an der CBOT in Chicago in der letzten Woche auf ein Monatshoch angestiegen und halten an diesem Trend fest. In den US-Plains im Süden der USA ist es zu trocken und im US-Delta hat es so stark geregnet, dass mit Überflutungen gerechnet wird. Beides könnte die Erntemenge beeinträchtigen. 

An der Pariser Börse Euronext (Matif) werden solche Nachrichten gerne als Impulsgeber aufgenommen. Auch die Exportstatistik wirkt positiv. Letzte Woche hat die EU Exportlizenzen von 990 000 t Weichweizen erstellt. Das ist der drittgrößte Wochenwert in diesem Erntejahr. Untern Strich bleiben die Exporte bisher dennoch 16 Prozent unter dem Rekordexportjahr 2014/15 zurück. 

Die Ernteprognosen für 2016 sind erneut positiv. Der EU-Dachverband der Getreidehändler (Coceral) beziffert die EU-Weichweizenernte 2016 auf rd. 145 Mio. t. Das wären etwa 10 Mio. t weniger als 2015. In Deutschland soll die Weichweizenernte mit 26 Mio. t nur 0,4 Mio. t unter dem Vorjahr liegen. Die französische Weizenernte wird mit knapp 39 Mio. t ebenfalls nur leicht unter dem ertragsstarken Vorjahr liegen (40 Mio. t).

Auch am Ölsaatenmarkt hat das Wetter geholfen. Die Bohnenaussaatfläche in den USA könnte durch die Regenfälle vermindert werden. In Brasilien sorgen Währungsschwankungen zudem für höhere Absatzraten. Schließlich ist auch der Leitmarkt, das Rohöl, für grüne Vorzeichen mit verantwortlich. Bekanntlich ist der Rohölmarkt stark politisch gesteuert. Eigentlich wollten die weltweit wichtigen Ölförderländer am 20. März darüber beraten, die Fördermenge zu bremsen und damit den Rohölpreis zu stärken. Dem will sich der gerade als Ölförderland zurückgekehrte Iran nicht anschließen. Damit ist das Vorhaben zunächst ad acta gelegt und der Ölpreis wieder im Sinkflug begriffen. 

In Paris wird der Aufwärtstrend vom Freitag nicht fortgesetzt. Die Kurse bleiben an der Matif auf dem Niveau von rund 354 €/t für Mai 2016.

Am Kassamarkt hat der Aufwärtstrend der Ölbörsen für Neuabschlüsse zu Ernte 2016 gesorgt. Dass die Ölmühle Mainz geschlossen und vermutlich abgerissen wird, hat dazu geführt, dass die Kassamarktprämien leicht zurückgenommen wurden. Franko Mainz werden zu Wochenbeginn 361 €/t geboten, franko Neuss 357 €/t für März 2016. Die neue Ernte wird franko Ölmühle zwischen 345 und 350 €/t beziffert.

Der Kassamarkt für Getreide ist im Norden durch laufende Exportgeschäfte leicht beflügelt. Im Süden zeigen Verarbeiter beim aktuellen Preisniveau Kaufinteresse. Die Gerstenbestände scheinen weitgehend geräumt, während Weizen sowohl im Handel, wie auch bei den Erzeugern noch im Lager gehortet wird. Weizen wird franko (angeliefert) Hamburg um 157 €/t besprochen. Gerste wird für Mai um 140 €/t gehandelt. Braugerste ist 20 €/t teurer, als Futtergerste. Ab süddeutscher Station liegt A-Weizen bei 135 €/t und ist damit nur 2 €/t teurer als B-Weizen.

Landwirtschaftliche Erzeuger, die über Liquidität verfügen, hoffen weiter auf Wettermärkte, sprich Trockenheit im Frühjahr, um bessere Preise zu realisieren. Der Handel gibt Mengen frei und schafft Liquidität sowie Lagerplatz für Dünger. Bisher fehlen Anzeichen für große Ernteeinbußen in 2016.

Brigitte Braun-Michels