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Preise am Kassamarkt gedämpft

03.04.2015

Börsen werden mit Minusprämien ignoriert/Wettermärkte abwarten

Am Kassamarkt in Deutschland bleiben die Preise, trotz fester Vorgaben aus Paris (Euronext), gedämpft. Handelsbeteiligte gaben im Rahmen der Mitteldeutschen Börse, die Anfang dieser Woche in Leipzig stattgefunden hat, zu bedenken, dass inländische Nachfrage kaum vorhanden ist. Es herrscht ein unterschiedliches Meinungsbild darüber, wie hoch der Anschlussbedarf der Mühlen und Mischer bis zur Ernte 2015 noch ist und wie viel Ware tatsächlich noch unverkauft bei den Erzeugern lagert. Im Norden und Mitteldeutschland haben Exportnachfrage und gute Preise im Dezember viel Ware gezogen, wird vermutet.

Dass trotz stetiger Exportnachfrage die Prämien für Weizen in den letzten Wochen gesunken sind, liegt nicht nur an fehlender inländischer Nachfrage der Verarbeiter. Logistische Probleme an den Hafenstandorten sorgen zudem dafür, dass bereits kontrahierter Weizen nicht abgerufen wird. Bei den Mühlen spekulieren Optimisten damit, dass mit dem Abschluss neuer Mehlkontrakte Anschlussbedarf aufkommt. 

Durch die stabilen Matifnotierungen ist EU-Weizen zwar gegenüber US-Ware konkurrenzfähig. Aus dem Schwarzmeerraum ist die Ware aber währungsbedingt im Vorteil. Ab der neuen Saison (August/September) könnte von dort wieder Ware für den Export zur Verfügung stehen. Es bleibt abzuwarten, wie stark der zu trockene Winter die russische Ernte beeinflusst und wie sich verminderter Dünger- und Pflanzenschutzeinsatz, der Währungsbedingt reduziert wurde, auf die Erntemenge in der Ukraine auswirken. 

Die „Preisstabilität“ der alten Ernte wird sich hierzulande in den nächsten Wochen daran ausrichten, wie viel Anschlussbedarf Mischer und Mühlen noch zeigen. Die Erntepreise 2015 für Getreide hängen vom Wetter ab. Bisher gibt es von Übersee Impulse, weil US-Weizen unter Trockenheit leidet. In Europa dürfte das Frühjahr die Erntemenge bestimmen. Weil Winterfolgen ausgeblieben sind, zeichnen sich bislang keine großen Ernteeinbußen ab.

Franko (angeliefert) Hamburg wird B-Weizen um 190 €/t notiert, A-13-Weizen ist 10 €/t teuerer und E-Weizen kostet um 230 €/t. Gerste wird zwischen 165 bis 168 €/t fko Hamburg bzw. Rostock besprochen. In Mitteldeutschland ist die Ware rund 20 €/t billiger. Franko (fko) Würzburg wird Brotweizen mit 180 bis 182 €/t bewertet, fko Rheinland mit 190 bis 191 €/t. Die Neue Ernte erhält „höchstens“ 2 bis 3 €/t Zuschlag.

Für Erzeuger bleibt es schwierig, sich derzeit eine Preismeinung für den Restverkauf aus der Ernte 2014, wie auch für die Ernte 2015 zu bilden. Das zeigt sich auch an sehr verhaltenen Kontrakten zur neuen Ernte. Wer im Dezember/Januar „auf Zack war“ hat die Ernte 2014 rd. 10 €/t teurer verkauft, als es heute möglich ist. Ob diese Differenz wieder aufgeholt wird, bleibt abzuwarten, spekulieren Händler.

Es bleibt bei der Empfehlung, den Getreideverkauf strategisch zu planen. Sollten sich am Markt mit Kaufinteresse der Verarbeiter wieder Impulse zeigen, ist das ein deutliches Verkaufssignal. Der Wettermarkt bleibt indessen unberechenbar. Wird das Frühjahr für die Kulturen positiv, sind auch noch schlechtere Preise möglich.
Das sollten Erzeuger sich immer bewusst machen. „Wer zum Bestpreis verkaufen will,“ so lehrt der Markt, „liegt zu 90 Prozent daneben.“

Brigitte Braun-Michels