You are here

Share page with AddThis

Preisauftrieb für Getreidevermarktung genutzt

Markt und Meinungen
11.11.2014

Wochenstart verläuft bei gesunkenen Preisen ruhig/ Rapsmenge zur kommenden Saison geringer

Nachdem die Weizennotierungen bis Anfang November an der Pariser Euronext (Matif) auf über 170 €/t (plus 20 €) geklettert sind, scheint sich jetzt wieder eine Beruhigung einzustellen. Der Rapspreis lässt sich nur begrenzt von den Sojabohnen zum Preisanstieg motivieren.

Das aktuelle Schwächeln der Weizennotierungen wird als Gegenreaktion interpretiert. Handelsbeteiligte meinen, die Aufwärtsentwicklung sei rein technisch zu erklären gewesen. "Investoren hatten noch viele Short-Positionen und haben diese in den Januar gerollt", erklären sie den Preisanstieg. Der Aufwärtstrend seit Oktober dieses Jahres hatte aber auch fundamentale Gründe: Das kontinuierliche Exportgeschäft mit EU-Weizen. Immerhin kann europäischer Weizen preislich und qualitativ mit russischem Weizen konkurrieren. Deutscher Weizen kommt besonders zum Zuge, weil in Frankreich gute Qualitäten knapp sind. Viel Luft nach oben geben Makler den Getreidepreisen aber nicht. Die Preisrange der Notierungen an der Euronext wird zwischen 165 bis 180 €/t beziffert.

Hintergrund für die verhaltene Prognose über die Preise bleiben die beiden guten letzten Erntejahre. Die Welternährungsorganisation (FAO) hat die weltweite Getreideernte zwar auf 2,552 Mrd. t reduziert. Grund ist eine niedrigere Maisernte in China. Unterm Strich bleiben die weltweiten Vorräte mit insgesamt 624,7 t auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Für die kommende Saison rechnet der Agraranalysedienst Lanworth mit einem Rückgang der EU-Weizenernte um 3 Prozent auf 149 Mio. t, weil die Anbaufläche in der EU um 2 Prozent reduziert wurde.

Auch die Rapsfläche soll um 2 Prozent zurückgehen. Der internationale Getreiderat rechnet damit, dass die Rapsanbaufläche zur kommenden Saison um 4 Prozent reduziert wurde. Als Grund für den Anbaurückgang werden vermutete Ausfälle durch das Verbot von Saatgutbeizung und die Veränderung der GAP-Regelungen zum Anbau von Raps genannt. Die Erträge zur kommenden Saison bleiben abzuwarten. In einigen EU-Anbaugebieten wird von Trockenheit berichtet. Das Verbot von Neonikotinoiden zur Beizung hat zu einer verstärkten Schädigung mit Rapserdfloh geführt. Die Winterfestigkeit wird durch diese Faktoren beeinträchtigt. Bei niedrigen Temperaturen könnten sich zu den verminderten Anbauflächen höhere Auswinterungsraten gesellen. Zu Beginn dieser Woche notiert Raps an der Pariser Euronext knapp unter 340 €/t für Februar 2015. Die Prämien der Ölmühlen betragen rund 5 €/t.

Für B-Weizen geben Käufer franko (angeliefert) Hamburg 183 €/t aus. Verkaufsoptionen liegen nur knapp darüber, jedoch kommen keine großen Geschäfte zustande. Bis zum Jahresende sind auch die Verarbeiter nicht mehr an großem Neugeschäft interessiert. A-Weizen ist in Hamburg für 193 €/t franko zu platzieren. Für E-Weizen gibt es im Norden mangels Masse keinen Markt.

In Mitteldeutschland liegen die Verhandlungspreise für Futterweizen franko Mittellandkanal (fko MLK) bei 155 €/t. B-Weizen ist in der letzten Woche um 172 €/t fko MLK gehandelt worden, A-13 Weizen um 175 €/t. Für Angebote beim Körnermais von 140 bis 145 €/t fko gibt es keine Abgeber. Auch im Süden bleibt der Handel mit Getreide jetzt wieder verhaltener. Der Auftrieb an der Börse und gehobene Preisniveaus am Kassamarkt haben in der letzten Woche das Geschäft noch beflügelt. Körnermais ab Hof liegt um 145 bis 150 €/t. Futterweizen wird zwischen 135 bis 142 €/t ab Hof besprochen. B-Weizen liegt um 155 €/t und A-Weizen bei 165 €/t ab süddeutschem Hof. E-Weizen ist bei Mühlen und in Italien gefragt. Die Streubreite der Abschlüsse rangiert zwischen 190 bis 205 €/t ab Hof.

Landwirtschaftliche Erzeuger haben richtigerweise den Preisauftrieb der letzten Woche genutzt, um sich erneut von Teilpartien zu trennen. Der Handel geht davon aus, dass noch 50 Prozent des Getreides auf den Höfen lagert. Sollten extreme Wetterereignisse ausbleiben, wird die Vermarktung im Frühjahr eine bittere Pille.

Brigitte Braun-Michels