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Mais steht reichlich zur Verfügung

Markt und Meinungen
05.11.2013

Internationaler Markt bleibt sehr gut versorgt / Lecks in Westeuropa gleichen Osteuropäer spielend aus

Die Maisernte in Europa kommt nur mit Verzögerungen voran. Das hat bis Mitte Oktober die Preise an der Pariser Börse stabilisiert. Vom internationalen Markt gibt es gegenteilige Tendenzen.

An der Börse in Chicago (CBOT) hält der Abwärtstrend bei den Maisnotierungen an. Die Kurse bewegen sich bei Preisen um 4,25 USDollar je Scheffel auf einem Drei-Jahrestief. Genährt wird der Abwärtstrend von den neuen Zahlen des Internationalen Getreiderates (IGC). Die Weltgetreideernte fällt jetzt rund 10 Mio. t höher aus als bisher angenommen (1,95 Mrd. t ohne Reis). Die Maiserzeugung steigt um 5 Mio. t auf 948 Mio. t. Die weltweiten Maisvorräte sollen, laut IGC, bis Mitte 2014 auf 152 Mio. t steigen. Und das bei einer Steigerung des weltweiten Verbrauchs um 6 Prozent. In den Exportländern sollen die Maisvorräte sogar das höchste Niveau seit 26 Jahren erreichen. Im "Krisenjahr" 2012/13 waren die weltweiten Vorräte auf 126 Mio. t geschrumpft.

In der EU haben sich die Maisnotierungen bis Mitte Oktober auf ein Niveau knapp unter 180 €/t (Nyse, Euronext) stabilisiert. Grund: Die deutlich verzögerte Maisernte, vor allem aus der Schwarzmeerregion. Auch logistische Engpässe in den Exportländern haben, so berichtet der Handel, die Preise gestützt. Mit "richtigem Einsetzen" der Ernte im Schwarzmeerraum und Osteuropa ging es auch an der Pariser Börse weiter abwärts. Allein in den vergangenen fünf Tagen haben die Kurse mehr als 10 €/t nachgelassen.

Für die weitere Preisentwicklung sehen Börsianer kurzfristig weiterhin schwarz. Der globale Maisüberschuss ist für die gesamten Märkte prägend. Kurzfristig orientierte Anleger haben ihre Netto-Short-Positionen an der CBOT in Chicago ausgebaut und bringen damit ihre negative Preiserwartung zum Ausdruck.

In Westeuropa ist Mais nach wie vor knapp verfügbar, weil in Frankreich und Deutschland die Ernte nur verzögert starten konnte. Auch aus Polen fließt nur wenig Ware. In Deutschland wird Körnermais in dieser Saison ohnehin nur in geringem Maß zur Verfügung stehen. Nachdem die Preise seit Anfang dieses Jahres immer mehr unter Druck geraten sind, haben die Landwirte zur Ernte reagiert. Immerhin musste im Januar 2013 für eine Tonne Mais an der Matif noch über 200 €/t hingeblättert werden. Aktuell sind die Kurse für vordere Termine unter 170 €/t (163,50 Nov.13) gerutscht.

Hierzulande ist Mais vielfach nicht ausgereift, sondern gleich für den Futtertrog oder Biogasanlagen siliert worden. Fertiger Körnermais wird zudem von den Landwirten in der Hoffnung auf bessere Preise eingelagert. Vor diesem Hintergrund halten sich die Preise vor Ort noch relativ stabil. In Bayern und Mitteldeutschland wird für Körnermais ab Station 180 bis 185 €/t gezahlt. Futterweizen wird um 190 €/t ab Station besprochen. An Ware fehlt er der Mischfutterindustrie dennoch nicht. Für 186 €/t ist osteuropäischer Mais ab Hafen verfügbar. Auch aus dem Schwarzmeerraum fließt kontinuierlich Ware an die hiesige Michfutterindustrie.

Für eine Stabilisierung der Preise sprechen diese Vorgaben nicht. Auch in Europa wird unterm Strich ausreichend Mais geerntet, um Löcher in weniger gut versorgten Regionen zu stopfen. Vorerst bleibt für Preisoptimisten wenig Licht im Tunnel sichtbar.

Brigitte Braun-Michels