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Landwirte geben kaum Getreide ab

Markt und Meinungen
11.08.2014

Niedrige Preise führen zu hohen Lagermengen/ Aufgelder für Qualitätsweizen/ Verarbeiter suchen nach ausländischer Ware

Ende letzter Woche haben die Weizenpreise in Chicago (CBOT) politischen Aufwind bekommen. Der Beschuss eines russischen Militärkonvois in der Ukraine hat erneut die Angst geschürt, dass Getreidelieferungen aus dem Schwarzmeerraum in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Der Aufwind hatte sich aber schnell wieder verflüchtigt.

Zu Wochenbeginn bleiben in Chicago nur die Vorzeichen bei Mais leicht grün. In Paris (Euronext) festigen sich lediglich die Rapskurse leicht über der Nulllinie.

Entscheidend für die schwachen Kurse bleiben die insgesamt guten Ernteergebnisse. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat die weltweite Weizenrekordernte in der letzten Woche erneut nach oben revidiert. Das Plus von 11 Mio. t Weizen wird insbesondere von Russland, der Ukraine und den USA genährt. Auch in Europa bestätigen sich die hohen Ernteerwartungen. Besonders Frankreich tischt mit höheren Erträgen auf. Bei Ölsaaten steigen die weltweiten Endbestände auf die Rekordhöhe von 99,5 Mio. t. Das sind 23% mehr als im Vorjahr.

Der Deutsche Raiffeisenverband hat die Ernteschätzung auch hierzulande erneut nach oben angepasst. Die gesamtdeutsche Getreideernte wird jetzt auf 50, 1 Mio. t beziffert (VJ 47,8 Mio. t). Der Fünfjahresschnitt liegt bei 45,6 Mio. t. Winterweizen wird auf 26 Mio. t beziffert (plus 5,4 % zum VJ). Wintergerste übertrifft mit insgesamt 9,2 Mio. t das vergangene Jahr um 10 Prozent. Winterroggen bleibt bei einer Erntemenge knapp unter 4 Mio. t. Die Anbaufläche ist um insgesamt 20 Prozent zurückgegangen. Auch die Maisernte soll, trotz geringerer Anbaufläche, mit knapp 5 Mio. t das Vorjahr um 13,7 Prozent übertreffen.

Nach wie vor ist die Weizenernte in Deutschland nicht beendet. In Mecklenburg-Vorpommern stehen, Schätzungen zufolge, noch 10 % Weizen auf dem Halm. In Mitteldeutschland werden rund 20 %vermutet, über ganz Bayern 15 bis 20 %, ebenso wie im Westen der Republik. Bisher halten sich Qualitätseinbußen in Grenzen, berichtet der Handel. Das einzige Problem sind niedrigere Proteinwerte, die auf die sehr hohen Durchschnittserträge, oftmals über 10 t/ha, zurückgeführt werden.

Am Kassamarkt wird das Auf und Ab der Börsennotierungen nicht nachvollzogen. Die Preise bleiben im Erntetal und Geschäfte halten sich in Grenzen. Alles, was irgendwie in heimischen Lägern unterzubringen war, haben Erzeuger erst mal weggepackt und harren nun besserer Preise. Bisher bleiben diese aus. Franko Hamburg liegt Brot-Weizen bei 180 €/t für September. Für A-Weizen mit über 12 % Protein gibt es Aufgelder von 5 €/t. E-Weizen, der derzeit nicht verfügbar ist, wird mit einem Plus von 10 €/t zu A-Weizen bewertet. In Mitteldeutschland wird Futterweizen um 147 €/t franko (angeliefert) besprochen. In Bayern liegt Futterweizen bei 140 €/t franko, A-Weizen (13 % Protein) bei 160 €/t und mit 12 % bei 150 €/t.

Auch mit Aufgeldern für Qualitätsweizen lassen sich landwirtschaftliche Erzeuger nicht in Verkaufslaune bringen. Ob die Strategie des Zurückhaltens von Ware aufgeht, bleibt abzuwarten. Sollte sich herausstellen, dass genug Qualitätsweizen vorhanden ist und dieser auch über die Grenzen an hiesige Verarbeiter fließt, könnte sich der Preisvorteil schnell wieder verflüchtigen. Oftmals ist es sinnvoller, den Markt, wenn er denn ruft und Aufgelder zahlt, zumindest in Teilen zu bedienen.

Brigitte Braun-Michels