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Kräftige Verluste am Ölsaatenmarkt

Markt und Meinungen
19.11.2012

Zu Wochenbeginn zeichnet sich Konsolidierung ab / Ernte in Südamerika abwarten.

Die Kursverluste, die in der letzen Woche von der Sojabohne angeführt wurden, haben auch die Mais- und Weizenpreise an der US-Börse (CBOT) ins Straucheln gebracht. Seit der höchsten Notierung für die Bohne im September dieses Jahres, bei einem Niveau von knapp 18 US-Dollar je Scheffel, sind die Kurse auf weniger als 14 US-Dollar je Scheffel gesunken. Die Rapsnotierungen, die sich an der Sojabohne eins zu eins orientieren, folgten dem Trend. Die Matifkurse lagen im Herbst zeitweise über 500 €/t und haben mittlerweile mehr als 40 €/t verloren. Hält der Abwärtstrend an?

Bei den Ölsaaten ist die Sojabohne für den „Abschwung“ verantwortlich. Um es kurz zu machen, haben sich die trockenheitsbedingten Ernteausfälle in den USA, welche die Bohne auf historisch hohe Preisniveaus getrieben haben, zwar nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Dennoch sind die Ernteverluste niedriger ausgefallen als noch im Sommer vermutet. Und so, wie im Vorfeld eine Preis fördernde Nachricht der nächsten gefolgt ist, verläuft der Trend jetzt umgekehrt. Jüngst hat China eine Sojabohnenlieferung von rd. 600 000 t gekündigt, die noch vor einigen Wochen zu teuren Preisniveaus erstanden wurde. Sollte China seine Bohnenimporte aus den USA einschränken, würde das die Bilanz entlasten und weitere Preiskorrekturen wären vorprogrammiert. Schon jetzt vermuten Insider jedoch, dass China aus taktischen Gründen die Ware storniert hat, um diese später wieder billiger einzukaufen.

Wie die Sojabohnenernte in Südamerika ausfällt, bleibt abzuwarten. Marktferne südamerikanische Regionen dürften Ende Dezember mit dem Drusch beginnen. Die Ernte in den marktrelevanten Anbaugebieten startet im März. Bis dahin müssen die Bohnenreserven ausreichen. Ob und in welcher Höhe brasilianische und argentinische Bauern den Sojabohnenanbau dann ausdehnen, hängt von der Preisrelation zwischen Bohne und Mais ab.

Vorerst bleibt die Ölsaatenbilanz knapp und es gibt keine ernst zu nehmenden Anzeichen für Exporteinbrüche der Bohne aus den USA. Dass die Kurse sich zu Beginn dieser Woche wieder fangen, spricht für eine Unterbrechung der Abwärtstrends und bestätigt die nach wie vor knappe Versorgungslage.

Auch die Rapsfutures an der Pariser Matif haben am Freitag letzter Woche kräftige Verluste von über 6 €/t einstecken müssen. Zu Wochenbeginn geht es wieder aufwärts. Einer neuen Prognose der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) zufolge, wird die Rapsanbaufläche in Deutschland mit rd. 1,42 Mio. ha gut 9 Prozent über dem Erntejahr 2012 liegen. Bevor Marktbeteiligte auf eine Marktentlastung hoffen dürfen, müssen die Pflanzen den Winter überstehen.

Vorerst ist der Rapshandel am Kassamarkt zur Ruhe gekommen. Verarbeiter haben sich aus der Ernte gut versorgt und sichern spätere Termine an der Matif ab. Erzeuger haben ihre Ware mit „ansehnlichen Gewinnen“ vermarktet und warten jetzt ohnehin die weitere Pflanzen- und Preisentwicklung ab. Lediglich den Handel, der zu teuren Preisniveaus eingekauft hat und jetzt auf Long-Positionen sitzt, könnte die aktuelle Marktsituation verunsichern. Das trifft vor allem dann zu, wenn die teuer gekaufte Ware nicht an der Börse abgesichert wurde.

Trotz der Konsolidierung, die am Ölsaatenmarkt in den letzten Wochen eingeläutet wurde, besteht kein Grund zur Panik. Vorerst scheinen die Kurse auf stabilen Unterstützungsniveaus angekommen zu sein. Nur unberechenbare Nachrichten, die derzeit nicht abzusehen sind, könnten den Markt weiter nach unten drücken. Erzeuger, die sich jetzt auf Winterruhe einstellen, haben vorerst die richtige Entscheidung getroffen.

 

Brigitte Braun-Michels