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Konjunkturschwäche drückt auch die Agrarpreise

Markt und Meinungen
04.06.2012

In dieser Saison sind gewaltige Kursschwankungen nicht auszuschließen

Die Stimmung der Investoren, die auf Rohstoffe setzen, ist schlecht. Seit Anfang des Jahres hat beispielsweise der Rohstoffindex GSCI, der die Entwicklung von insgesamt 24 Rohstoffen wieder gibt, um 8 Prozent nachgelassen. Dazu gehört auch Rohöl. Die Sorte WTI verbuchte in der letzten Woche den stärksten Preisrückgang seit 2008.

Das „schwarze Gold“ ist Konjunkturbarometer Nummer eins. Letztere strauchelt nicht nur im Euroraum. Weil jetzt Spanien immer mehr in den Fokus gerät, befürchten europäische Analysten, dass ein Auseinanderdriften der Volkswirtschaften nicht mehr zu verhindern ist. Auch bei den Amerikanern weisen negative Arbeitsmarktdaten auf deutliche Konjunkturdefizite hin. In Kombination mit einem Anstieg der US-Rohöllagerbestände und einem immer festeren USDollar, dürften die Rohölpreise vorläufig unter Druck bleiben.

Rohöl ist, wegen der Bioenergieschiene, ein wichtiger Leitmarkt für die Agrarrohstoffe. Das haben die Notierungen der Agrarcommodities unter Beweis gestellt, die Ende letzter Woche von der schlechten Stimmung mit in den Bann gezogen wurden. Zu Wochenbeginn deutet sich zumindest in Chicago (CBOT) eine Verschnaufpause an. Ob diese von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Bei den Pariser Kursen (Nyse Euronext) setzt sich die „Durststrecke“ zu Wochenbeginn fort.

Analysten, die eins und eins zusammen zählen, schwant nichts Gutes. Die Folgen der Finanzmarktkrise sind noch tief im Gedächtnis verankert. Im Zuge dieser Krise ist es damals auch bei den Agrarrohstoffen zu einem dramatischen Preisverfall gekommen. Sollte in absehbarer Zukunft wieder eine „Blase platzen“, ist ein ähnliches Szenario bei Weizen und Co vorprogrammiert.

Wie ausdauernd ein möglicher Preisverfall bei den Agrarrohstoffen ist, bleibt abzuwarten. Während die Krise von 2007/08 von zwei weltweit sehr gute Ernten im Jahr 2008 und 2009 begleitet wurde, zeichnet sich in dieser Saison versorgungstechnisch (fundamental) ein anders Szenario ab. Laut Internationalem Getreiderat (IGC) werden die weltweiten Weizenbestände zur kommenden Saison um 11 Prozent abgebaut. Dafür kommt es zu einem Aufbau der weltweiten Maisbestände (plus 12 Prozent). Der ist aber angesichts riesiger Verbrauchszuwächse schnell aufgezehrt. Bei den Ölsaaten rechnet das Hamburger Analysehaus Oil World mit einem weltweiten Absinken der Ölsaatenlagerbestände auf ein Drei-Jahrestief. Innerhalb der EU sind die Bestände ohnehin knapp. Getreide aus der alten Ernte ist nahezu verbraucht und Raps nicht mehr verfügbar. Um die Defizite auszugleichen, bedarf ist einer sehr guten europäischen Ernte. Die zeichnet sich bisher nicht ab.

Auf die Produzenten können in dieser Saison gewaltige Preisschwankungen zukommen. Nur wer über ausreichend Liquidität verfügt, sollte die Vermarktung bei guten Preisen auf die lange Bank schieben.

Brigitte Braun-Michels