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Klagen auf hohem Niveau

Markt und Meinungen
17.12.2012

An der Börse notierte Weizenpreise haben Luft geholt / Fester Trend könnte bis März/April anhalten

Während die Sojabohnen zu Wochenbeginn von guten Verarbeitungszahlen in den USA und kritischen Wetterdaten aus Südamerika profitieren, dümpeln die Getreidemärkte vor sich hin.

Seit der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen aus dem amerikanischen Landwirtschaftministerium (USDA-Bericht) in der vergangenen Woche, haben die Weizenpreise beschlossen, die Kursrichtung zu wechseln. Dem Bericht zufolge wurde nämlich die weltweite Weizenproduktion um rund 3,7 Mio. t angehoben, weil in Australien und China die Ernten höher ausfallen. Die Endbestände wachsen leicht auf etwa 177 Mio. t. Außerdem ließ die US-Exportnachfrage nach Weizen zu wünschen übrig. Charttechnisch betrachtet hat US-Weizen den Trendkanal verlassen und bewegt sich nur noch knapp über der kritischen Marke von 8 USD/bu.

Auch an der Pariser Matif (Nyse Euronext) haben die Notierungen an Wert verloren. Während im November B-Weizen an der Matif mit bis zu 290 €/t gehandelt wurde, drohten die Kurse in der letzten Woche mit 255 €/t aus dem seit Sommer anhaltenden Seitwärtstrend auszubrechen. Zu Beginn dieser Woche zeichnet sich wieder eine Stabilisierung auf dem Niveau um 260 €/t ab.

In Paris dürften die Kurse einem stabilen Trend folgen. Die Weizenexporte aus der EU haben europäische Ware schon jetzt so verknappt, dass Weizen bis zum Anschluss an die neue Ernte knapp bleibt. Auch in Chicago (CBOT) ist abzusehen, dass der Exportmarkt mit schwächeren Preisen wieder anspringt und damit die Preise erneut ansteigen lässt.

Experten der niederländischen Rabobank bestätigen den Trend und rechnen laut einer aktuellen Studie damit, dass die Weizenkurse in Übersee im ersten Quartal 2013 auf bis zu 9 USDollar/bu steigen (rd. 256 €/t). An der europäischen Börse (Nyse, Euronext) wird im Frühjahr ein Niveau von bis zu 290 €/t für möglich gehalten. Das wird von Maklern, die auf europäischem Parkett handeln, ähnlich eingeschätzt. Bis März/April gehen sie davon aus, dass die Verarbeiter, sprich Mühlen und Mischer, ihre Anschlussversorgung an die Ernte 2013 sicher stellen müssen.

Für das zweite bis vierte Quartal gehen die niederländischen Banker jedoch von einem Farbwechsel der Kurse, grün nach rot, aus. Das Preisniveau an der Matif könnte nach der Kalkulation auf bis zu 200 €/t sinken. Als einer der Hauptgründe wird die durch die hohen Preise ausgelöste Anbauausdehnung für Getreide angeführt.

Handelsbeteiligte am deutschen Kassamarkt rechnen vorerst auch mit anhaltend stabilen Preisniveaus. Bisher blieb der Markt vor Ort von den Schwankungen an der Börse relativ unberührt. Abwärtsbewegungen wurden zum großen Teil von höheren Prämien aufgefangen. Die durch die Prämien verteuerte Ware lässt sich jedoch mittlerweile am internationalen Exportmarkt immer schwieriger platzieren, geben Marktbeteiligte zu bedenken. Auf der anderen Seite bleibt Weizen vor Weihnachten ohnehin schwer verfügbar, weil Abgeber sich bis zum neuen Jahr zurückgezogen haben. Verarbeiter versuchen das niedrige Preisniveau auszusitzen. Geschätzt wird, dass im Süden Deutschlands noch bis zu 40 Prozent alterntigen Weizens auf den Höfen liegt. Für Mittel- und Norddeutschland wird mit höchstens 20 Prozent Lagerware an Weizen aus der alten Ernte gerechnet. Bisher haben Erzeuger mit ihrer Lagerstrategie kein Geld verloren.

Spätestens ab Januar gilt es aber wieder, bei der Vermarktung am Ball zu bleiben. Berichte über die südamerikanische Ernte und Winterfolgen werden dann dafür sorgen, dass die Kurse in Bewegung bleiben. Wer sich über die Flaute der aktuellen Preise beschwert, klagt auf hohem Niveau und wer damit rechnet, dass die Weizenkurse an der Matif noch die Marke von 300 €/t erreichen, könnte sich die Finger verbrennen.

 

Brigitte Braun-Michels