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Kaum Bewegung an der Pariser Matif

Markt und Meinungen
04.11.2015

Märkten fehlen die Neuigkeiten / Exporte bleiben hinter Vorjahr zurück

An den Börsen für Getreide und Ölsaaten mangelt es an Nachrichten. Die Kurse bleiben deshalb, mit geringen Schwankungen, auf ähnlichem, erniedrigten Niveau. Auch der Internationale Getreiderat (IGC) konnte in der letzten Woche nicht mit Neuigkeiten punkten. Die Erzeugung von Getreide hat der IGC leicht, auf 1999 Mio. t erhöht. Bei etwas ausgeweitetem Verbrauch sinken die Endbestände mit 454 Mio. t gering unter das Niveau der Schätzung des Vormonats. Unterm Strich bleiben die Vorräte sowohl bei Weizen, wie auch beim Mais reichlich und daraus erwachsen keine Marktimpulse, im Gegenteil. Die weltweiten Sojabohnenbestände werden unverändert auf 49 Mio. t beziffert. 

Am Markt richtet sich das Augenmerk auf die Ernte 2016. Bisher gibt es aber auch hier keine weltbewegenden Neuigkeiten. Der US-Weizen wird durch Feuchtigkeitsmangel in wichtigen Anbauregionen und gute Exportzahlen gestützt. Analysten gehen davon aus, dass mögliche Ertragsdepressionen nicht ausreichen, um den Markt zu stabilisieren. Zu Beginn dieser Woche startet Chicago (CBOT) dementsprechend mit roten Zahlen.

Bei erniedrigten Preisen bleiben die landwirtschaftlichen Erzeuger in der gesamten EU mit Verkäufen von eingelagertem Getreide zurückhaltend. Internationale Handelshäuser berichten, dass für Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 Prozent das Baltikum sowie Polen weltweit die günstigsten Anbieter sind. Weizen mit 11,5 Prozent Protein kommt ebenso aus dem Baltikum, Polen, aber auch Frankreich und der Ukraine auf den Weltmarkt. Importeure sind derzeit Ägypten, der Irak und Saudi-Arabien. Es wird davon ausgegangen, dass die Geschäfte sich vor Weihnachten weiter abflauen und Exporte aus der EU im laufenden Wirtschaftsjahr hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Grund sind gute eigene Ernten in den klassischen Importländern. 

Die Maisernte in der EU befindet sich im letzten Drittel und hat die unterdurchschnittlichen Erträge bestätigt. Vorerst scheinen sich Mischer eingedeckt zu haben. Sofern die Ware vor Ort nicht zur Verfügung gestanden hat, ist Importware aus dem Schwarzmeerraum und Südamerika zum Zuge gekommen. 

Auch die Braugerstenpreise haben etwas nachgegeben. Die Malzindustrie hat gut eingekauft und übt sich jetzt in Zurückhaltung. Ware für die kommende Saison erhält Prämien von 15 bis 20 €/t. Wer über entsprechenden Lagerraum verfügt, denkt jetzt laut darüber nach, die Ware bis zur nächsten Saison zu überlagern. 

Bei den Ölsaaten zeichnet sich, auch für die kommende Ernte, in Nordamerika eine erneute Spitzenernte ab. Allerdings ist der Weg bis dahin noch sehr weit. Unsicherheit besteht kurzfristig für Südamerika über das El-Nino Phänomen. Folgen wären überdurchschnittliche Niederschläge zur Erntezeit auf der Südhalbkugel. Die könnten sich ab Januar 2016 zeigen. 

Die Rapskurse in Paris sind in der letzten Woche vom freundlichen Sojabohnenmarkt und stabileren Rohölnotierungen „bestärkt worden“. Der ab heute gültige Februar-Kontrakt geht mit knapp 380 €/t ins Rennen. Franko (angeliefert) Ölmühle werden Aufschläge von 9 bis 12 €/t auf den Februartermin gezahlt. 

In Paris (Euronext, Matif) haben sich die Weizennotierungen in der letzten Woche kaum bewegt und liegen um 180 €/t. Die neue Ernte 2016 wird 10 €/t teurer bewertet. Im Rheinland und Westfalen liegt franco Mühle B-Weizen exakt auf Matif-Niveau. Für die Termine Jan.- März werden 6 €/t mehr entrichtet. A-Weizen erhält Aufschläge von 5 €/t. E-Weizen franko Thüringen hat sich zur Vorwoche leicht abgemildert mit 197 €/t franko. Ab mitteldeutscher Station befinden sich die Preisideen rund 20 €/t unter den Hamburger Notierungen. In Süddeutschland haben die Preise ein ähnliches Niveau. 

In dieser Flautensituation bleiben Landwirte, vermutlich zurecht, bei: Abwarten und Tee trinken!

Brigitte Braun-Michels