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Kassamarkt steht vor der Ernte still

Markt und Meinungen
23.06.2015

Preise schwanken mit Wettermarkt / Leitmärkte für Getreide und Ölsaaten bleiben komfortabel versorgt

Die Preisentwicklung der Agrarcommodities hängt weiter am „Wettertropf“. Während die Vorgaben aus den USA die Preise drücken, helfen in Europa Sorgen um Auswirkungen der Trockenheit, um die Preise zu stützen.

Am Leitmarkt für Getreide, dem US-Maismarkt, standen zum Ende der letzten Woche die Vorzeichen schlecht. Niederschläge im mittleren Westen der USA und milde Temperaturen schaffen für die heranwachsenden Kulturen optimale Bedingungen. Institutionelle Anleger haben infolge hoher Produktionsmengenerwartungen an der Börse in Chicago (CBOT) ihre Netto-Short-Positionen weiter ausgebaut, was für eine negative Einschätzung der weiteren Marktpreisentwicklung spricht. Zu Beginn dieser Woche holt Chicago mit grünen Vorzeichen „Luft“.

Für Europa sorgt der Analysedienst Strategie Grains für unvorteilhafte Nachrichten. Die EU-Weizenexporte sollen zum Erntejahr 2015/16 mit rd. 27,5 Mio. t um 1,1 Mio. t niedriger ausfallen, als in dieser Saison. Grund sind vor allem vermutete Exportsteigerungen aus der Schwarzmeerregion. Das ukrainische Agrarministerium beziffert zur kommenden Saison die Getreideernte auf rd. 60 Mio. t, was nur leicht unter dem Rekordergebnis dieser Saison liegt. Gleichzeitig haben sich die Lagerbestände an Getreide in der Ukraine auf 11 Mio. t entwickelt. Zur nächsten Saison dürften somit wieder ausreichende Exportkapazitäten aus dem Schwarzmeerraum zur Verfügung stehen. Unklar bleibt, wie sich die neue russische Exportsteuer auswirkt und ob die EU exportmäßig eventuell profitieren kann. 

In Deutschland, Polen, Spanien und Italien hat die Trockenheit der letzten Wochen dafür gesorgt, dass sich die europäischen Börsenpreise (Matif, Euronext) stabilisiert haben. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat in seiner jüngsten Prognose die hiesige Weizenernte mit 25,77 Mio. t rd. 7 Prozent niedriger, als in der letzten Saison beziffert. Unklar bleibt, was der Regen in Deutschland und Polen noch retten kann. In den südlichen Regionen Frankreichs war es ebenfalls zu trocken. Insgesamt dürfte es aber bei einer guten französischen Weizenernte bleiben. Inwieweit Dänemarks Getreideernte von der zu feuchten Witterung beeinträchtigt wird, ist ebenso ein zugebundener Sack. Erste Anhaltspunkte für zu erwartende Ertragsniveaus dürfte die in etwa zwei Wochen startende deutsche Gerstenernte geben. 

Am Ölsaatenmarkt bleibt der sehr gut versorgte Markt für Sojabohnen Preishemmer Nummer eins. Trotz kleiner Wetterdellen rechnet das amerikanische Ministerium zur kommenden Saison erneut mit einer rekordhohen Ernte. Für Brasilien hat das Analysehaus Oilworld den Sojabohnenertrag zur kommenden Saison auf 95,3 Mio. t geschätzt. Das Ergebnis liegt nur knapp unter dem Rekord dieser Saison. 

In Paris (Euronext) haben die Rapsnotierungen Ende vergangener Woche kurzfristigen Auftrieb erhalten. Grund sind Befürchtungen des kanadischen Agrarministeriums, dass die Canolarapsernte 2015 niedriger ausfällt und die Exporte aus Kanada sinken, was die ohnehin enge Rapsbilanz empfindlich treffen würde. Zu Beginn dieser Woche notiert Raps in Paris um 380 €/t. Franko (angeliefert) Ölmühle liegen die Prämien ex Ernte bei 2 bis 3 €/t. Für die Termine Oktober/Dezember werden franko Ölmühle 393 bis 394 €/t angezeigt, mit Prämien von 9 bis 10 €/t. 

Der Deutsch Kassamarkt für Getreide ist kurz vor Erntebeginn totenstill. Am Hamburger Hafen werden Altkontrakte abgewickelt. Inländische Mühle kaufen Reste zu. Während Erzeuger abwarten, dass Wetterunbillen die Getreidepreise weiter stabilisieren, geht die aufnehmende Hand von einer guten Getreideernte und eher sinkenden Preisniveaus aus. Handelsbeteiligte vermuten die Preise nach unten ausgereizt. Es besteht aber auch wenig Mut, auf steigende Preise zu setzen. Franko Hamburg wird A-Weizen für September 2015 auf 195 €/t beziffert. B-Weizen ist rd. 10 €/t billiger. 
Im Süden wird Futtergerste ab Hof und ex Ernte um 140 €/t beboten. Braugerste liegt um 185 €/t ex Ernte. A-Weizen wird ex Ernte in Süddeutschland auf 165 €/t ab Hof und B-Weizen 5 €/t billiger veranschlagt.
Sollte die Ernte in Deutschland schwach anlaufen und die Preise sich stabilisieren, könnten Landwirte das als erstes Verkaufssignal werten!

Brigitte Braun-Michels