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Kassamarkt nimmt Preisaufschläge nicht mit

Markt und Meinungen
01.04.2015

Negativprämien senken Börsenerlöse / Spekulation über Restweizenmenge aus 2014
Zu Beginn der Handelswoche steigen die Agrarbörsen mit grünen Vorzeichen ein. In Chicago (CBOT) schießt vor allen Dingen Weizen in die Höhe. Zum Wochenende hat der schwächere Euro/Dollarkurs in Paris (Matif/Euronext) für Aufwind gesorgt. Weltweite Ernteschätzungen für die Saison 2015/16 hat der Internationale Getreiderat (IGC) Ende letzter Woche veröffentlicht. In Europa liefert der Europäische Getreidehandelsverband (Coceral) neues Zahlenmaterial.

Auf weltweitem Parkett rechnet der IGC zur kommenden Saison damit, dass sowohl die globale Getreideproduktion mit 709 Mio. t (VJ 719 Mio. t), wie auch die Maisproduktion mit 941 Mio. t (VJ 990 Mio. t ) zurück geht. Aufgrund dieser Zahlen, liegt das Angebot in der kommenden Saison unter der Nachfrage und die Bestände werden nach drei Jahren des Aufbaus erstmals wieder abgebaut. Analysten gehen davon aus, das insbesondere beim Mais durch den Bestandsabbau auf 171 Mio. t (VJ 191 Mio. t) Preisimpulse vorprogrammiert sind. Bei den Sojabohnen gibt es im Vergleich zum Vorjahr so gut wie keine Veränderung. Die Produktion liegt mit 314 Mio. t nur eine Mio. t unter dieser Saison und die Bestände liegen, den Schätzungen zufolge, bei 44 Mio. t (VJ 45 Mio. t).

Laut europäischem Handelsverband (Coceral) wird die EU-Weizenernte zur kommenden Saison mit knapp 141 Mio. t rund 10 Mio. t unter der diesjährigen Ernte liegen. Wintergerste und das Braugerstenaufkommen bleiben, so die Schätzungen, nahezu auf Vorjahresniveau. Die Maisproduktion soll für die EU 32 um 9 Mio. t auf 73,4 Mio. t sinken. Beim Winterweizen werden verminderte Anbauflächen und niedrigere Erträge für die geringere Produktionsfläche verantwortlich gemacht. Vor allen Dingen in Deutschland, Großbritannien und Polen soll die Ernte geringer ausfallen. Frankreich bildet mit einer größeren Ernte die Ausnahme. Beim Mais bleibt die tatsächliche Anbaufläche noch abzuwarten. Für Raps sind, bei verminderter Anbaufläche, Produktionsrückgänge in Europa vorprogrammiert.

Ob die Weizenpreise in Europa nachhaltig von den Anbaurückgängen gestützt werden, bleibt abzuwarten. Ab Sommer könnte wieder Konkurrenz aus Russland den Markt mit zusätzlicher Ware drücken. Die Exportsteuer für russischen Weizen soll zum 30. Juni wegfallen.

Am Kassamarkt werden die „stabilen Börsenpreise“ von Negativ-Prämien verfrühstückt. Verarbeiter, Mühlen und Mischer, geben an, versorgt zu sein und bleiben mit Ihrer Nachfrage mehr als zurückhaltend. Ware für den Export leidet unter logistischen Problemen. Das hohe Aufkommen von Weizen hat zum Beispiel am Hamburger Hafen dafür gesorgt, dass Schiffe in der Warteschleife liegen, bis neue Verlademöglichkeiten frei werden. Internationale Händler können teilweise ihre Kontrakte nicht fristgerecht erfüllen. Ob dies weitere Konsequenzen in Form von Umschichtungen der Verträge hat, bleibt anzuwarten. Franko Hamburg und Oberrhein wird A13 Weizen um 200 €/t besprochen. In Mitteldeutschland (Thüringen) liegen die Offerten zwischen 170 und 175 €/t. Da der Absatz nur über den Export läuft und regionale Verarbeiter fehlen, sind inländisch kräftige Abzüge zu verzeichnen. B-Weizen ist 10 bis 15 €/t billiger als A-Weizen. Zu besten Vermarktungszeiten im Dezember haben Erzeuger noch 10 €/t mehr für ihr Getreide erzielt. Nicht alle Betriebe haben diese Hausse genutzt, sich vom größten Teil ihrer Ware zu trennen. Im Norden wird vermutet, dass noch 15 Prozent des Weizens aus der Ernte 2014 unvermarktet ist. In Mitteldeutschland und im Süden spekulieren Marktbeteiligte mit 20 bis 25 Prozent Lagerweizen. Im Rheinland wird ebenso von rd. 20 Prozent gesprochen.

Ob der Weizen bis zum Ende der Saison ausreicht, ist derzeit ein zugebundener Sack.

Brigitte Braun-Michels