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Ist die Weizenhausse nachhaltig?

Markt und Meinungen
21.10.2013

Wettermärkte in Südamerika geben Börsen Aufschwung / EU–Weizen hat durch schwachen US-Dollar Wettbewerbsnachteile

Am Wochenende sind die Weizennotierungen sowohl in Chicago (CBOT) wie auch in Paris (Nyse, Euronext) weiter angestiegen. Treibende Kraft für den Aufwärtstrend ist der Weizen und ein schwacher US-Dollar.

Für die Aufschläge bei den Weizenfutures in Chicago sind Meldungen über Fröste in argentinischen Weizenanbaugebieten verantwortlich. Argentinien gehört mit einer Produktion von rund 12 Mio. t Weizen zu den kleinen Weizenproduzenten weltweit. Zum Vergleich: Die EU produzieren 140 Mio. t und die USA knapp 60 Mio. t Weizen pro Jahr. Nachdem die USA jedoch in dieser Saison Weizen schon kräftig Richtung Brasilien geliefert hat, dürften die avisierten Ausfälle beim Nachbarn Argentinien den US-Exporten weiteren Aufschwung geben. Der schwache US-Dollar stützt die US-Futures zusätzlich.

Obwohl die EU-Weizenpreise vom schwachen US-Dollar in ihrer Wettbewerbsfähigkeit am internationalen Markt benachteiligt werden, folgen die Kurse an der Pariser Matif den Vorgaben aus Übersee Eins zu Eins. Seit letzter Woche haben die Weizennotierungen in Paris für den November die Marke von 200 €/t wieder sicher übersprungen.

Die Nachhaltigkeit dieses Trends bleibt abzuwarten. Die weltweit größten Weizenexporteure (USA: 30 Mio. t, EU: 23 Mio. t, Ukraine: 10 Mio. t) haben in dieser Saison gute Ernten eingefahren und dürften die Verluste entspannt ausgleichen. Außerdem bleibt es bei der hohen Maisernte in den USA, die Lecks im Futterbereich beim Weizen ausgleicht.

Auf der anderen Seite ist der Konsum beim Futtergetreide weltweit anhaltend hoch und eine gute Ernte ist nicht in der Lage, die auf Dauer angespannte Versorgungslage beim Mais auszugleichen. Experten halten es deshalb für möglich, dass die Getreidenotierungen ihr Erntetief allmählich durchschritten haben und sich nun stabilisieren. Weizen könnte mit 200 €/t an der Pariser Matif einen guten Mittelwert gefunden haben.

Der Kassamarkt lässt sich von den Börsenkursen zwar anstecken, die Euphorie hält sich aber in Grenzen. Am regionalen Markt sind derzeit vor allen die Mischer aktiv, während Mühlen sich zurückhalten. Franko Hamburg wird B-Weizen zu Wochenbeginn zwischen 207 bis 208 €/t besprochen. A-Weizen erhält allenfalls Aufschläge von 1 €/t. An den Mühlenstandorten (Oberrhein und Rheinland) bewegen sich die B-Weizennotierungen um 190 €/t franko (Okt. bis Dez. 13). In Mitteldeutschland wird B-Weizen um 186 €/t besprochen. Mitunter haben Erzeuger die leichte Hausse genutzt, um sich von Ware zu trennen. Meist bleibt es aber nur beim "Sprechen", weil Verarbeiter den Aufschwung an der Börse am Kassamarkt nicht Eins zu Eins weiterzugeben bereit sind.

In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob Weizen in der Lage ist, das Niveau über 200 €/t an der Pariser Matif nachhaltig zu stabilisieren. Noch halten Handelsbeteiligte es für möglich, dass die kleine Aufwärtsflamme wieder erlöschen kann. Die meisten waren ohnehin von der aktuellen Kehrtwende überrascht. Die Preisentwicklung der nächsten Wochen wird von endgültigen Ergebnis der Maisernte in den USA, dem Winterverlauf und regional dem Bedarf der Mühlen, der spätestens im Frühjahr wieder einsetzen sollte, abhängen. Teilweise haben Erzeuger auf die Preisstabilisierung reagiert und sich sowohl von Ware aus der alten Ernte getrennt, wie auch erst Teilkontrakte für die kommende Ernte abgeschlossen. Noch können sich die Preise in beide Richtungen entwickeln und der Handel traut dem Börsengeplänkel nicht wirklich. Erzeuger, die sich immer wieder mit Teilen ihrer Ernte absichern, sobald sie Gewinne erzielen, bleiben auf der sicheren Seite.

Brigitte Braun-Michels