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Ist die Preistalsohle durchschritten?

Markt und Meinungen
03.11.2014

IGC korrigiert weltweite Getreideproduktion erneut nach oben/ Preise steigen seit September 2014

Ende letzter Woche hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine neue Monatsschätzung für Getreide und Ölsaaten veröffentlicht. Eigentlich hätten nach den heraufgesetzten weltweiten Beständen die Kurse an den Börsen weiter auf Talfahrt gehen sollen. Das Gegenteil war der Fall.

Die weltweite Gesamtgetreideproduktion hat der IGC erneut angehoben. Beim Weizen steigt die Erntemenge 2014/15 auf ein Rekordniveau von 718 Mio. t. Verbrauch und weltweiter Handel mit Weizen steigen ebenso. Aus diesem Grund sinken die Überbestände an Weizen im Vergleich zur Schätzung des Vormonats leicht um 2 Mio. t auf 193 Mio. t.

Die Aussaat für Weizen zur kommenden Saison 2015/16 wird nach Schätzung des IGC um 1 Prozent ausgedehnt. Wie sich das auf die gesamte Erntemenge in der nächsten Saison auswirkt, bleibt abzuwarten. Nach Schätzungen russischer Agenturen (Agrocultura) wurde auch die Weizenfläche in der Schwarzmeerregion ausgedehnt. Das trockene Wetter hat jedoch rund 20 Prozent des Winterweizens in den Wachstumsbedingungen beeinträchtigt. Außerdem setzen jetzt sehr kalte Temperaturen den Pflanzen zu. Die Gesamtweizenproduktion 2015 wird für Russland auf 50 Mio. t beziffert. Im Frühjahr könnte ein Teil der Winterverluste durch Sommergetreideaussaat aufgeholt werden. Die Erträge beim Sommergetreide sind allerdings geringer als beim Winterweizen. In der Ukraine sind die Wachstumsbedingungen bisher sehr gut. Hier werden geringere Erträge erwartet, weil die Landwirte Pflanzenschutz und Düngung reduziert haben. Durch die Ukrainekrise sind die Kosten explodiert.

Die globale Maisproduktion soll laut IGC um insgesamt 6 Mio. t auf 980 Mio. t steigen. Der Angebotsüberschuss sinkt leicht im Vergleich zum Vormonat um 1 Mio. t auf 193 Mio. t. Insgesamt liegen die weltweiten Maisbestände damit auf einem 27-Jahreshoch. Für die kommende Saison werden ähnlich gute „Verhältnisse“ erwartet. In China und Südamerika werden leichte Anbaurückgänge prognostiziert. Der Verbrauch dürfte bei der globalen Ausdehnung der Fleischproduktion steigen.

Die globale Sojabohnenproduktion lässt Federn und wird vom IGC auf 307 Mio. t (Minus 3 Mio. t. zum Vormonat) herunterkorrigiert. Sie bleibt damit über der Produktion des Vorjahres und auf Rekordniveau. Die Endbestände stabilisieren sich auf 40 Mio. t.

Die Rapserzeugung wird von der großen EU-Ernte getragen, die Rückgänge in Australien und Kanada kompensiert. Insgesamt bleiben die Rapsendbestände in der EU mit 0,4 Mio. t sehr niedrig. Zur kommenden Saison ist die EU-Rapsanbaufläche um 4 Prozent vermindert worden.

Trotz der Zahlen des Getreiderates, die eine deutlich gute Versorgung des Weltmarktes bei Getreide und Ölsaaten widerspiegeln, laufen die Notierungen an der Börse, mit kleinen Unterbrechungen, seit Ende September wieder in Richtung Norden. An der Matif (Euronext) in Paris hat sich Weizen von seinem Tiefpunkt, der Ende September diesen Jahres noch mit rund 150 €/t markiert wurde, auf jetzt 172 €/t heraufkatapultiert. In Paris wurden allein in den letzten fünf Handelstagen 5 €/t wettgemacht.

Auch beim Raps wurde Ende September in Paris der Tiefpunkt notiert (rund 315 €/t). Mittlerweile marschieren die Kurse wieder auf 350 €/t zu.

Der neuerliche Anstieg der Weizennotierungen wird mit Wettermärkten, Sorgen um die russische Weizenernte sowie geringeren Ernteerwartungen in Australien beschrieben. Schließlich hat der gesamte Sojakomplex in der letzten Woche zugelegt, der sich dieses Mal als Leitmarkt für die Agrarcommodities erwiesen hat. In den USA halten landwirtschaftliche Erzeuger mit ihrer Verkaufszurückhaltung dem Erntedruck stand. Außerdem prognostizieren Analysten, wie Oil World, steigende Sojaölpreise bis ins Frühjahr 2015.

Dass dieser Aufwärtstrend sich lückenlos fortsetzt, wird von Marktbeteiligten durch die Bank bezweifelt. Dazu sind die weltweiten Bestände zu komfortabel und können nur durch eine stark verminderte Ernte 2015 wieder aus dem Lot gebracht werden. Die Devise für landwirtschaftliche Erzeuger bleibt klar: Aufschwünge bei den Preisen nicht aussitzen, sondern mitnehmen.

Brigitte Braun-Michels