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Ist der Preisboden für Getreide und Co erreicht?

Markt und Meinungen
02.05.2016

Optimisten vermuten Konsolidierung/ Rohölmarkt liefert Stabilisierung

Nachdem die Preise für Getreide und Ölsaaten in den letzten Wochen im Trend weiter nach unten gerutscht sind, zeichnet sich zu Beginn dieser Woche eine Konsolidierung ab. Analysten diskutieren trefflich über die mögliche Dauer. 

Der Weizenpreis an der CBOT in Chicago ist auf ein 2 Wochenhoch gestiegen. Die Maispreise haben sich ebenso erholt. Den US-Weizennotierungen hilft vor allem der Wettermarkt. In den bedeutenden südlichen Winterweizenanbauregionen der USA ist es sehr trocken. Außerdem sind technische Shortabdeckungen der Händler für die Kursstabilisierung verantwortlich.

In Paris werden die Aufstiegstendenzen eins zu eins nachvollzogen. Nachdem Weizen an der Matif (Euronext) in einer Woche rund 10 €/t verloren hatte, sind die Notierungen zu Wochenbeginn um knapp 3 €/t auf 143 €/t angestiegen. Exportseitig bleibt die EU mit bisher 18,4 Mio. t hinter dem Vorjahr zurück (21 Mio. t). Der letzte Weizentender von rd. 870 000 t Richtung Saudi-Arabien wird vermutlich zu großen Teilen von deutscher Ware bedient. 

Am Ölsaatenmarkt wird der „aufstrebende“ Leitmarkt Rohöl hauptsächlich für die grünen Vorzeichen verantwortlich gemacht. In den USA beflügeln positive Konjunkturdaten, steigende Aktienmärkte und rückläufige Ölbohrungen den Preis. Rohöl der Sorte Brent ist auf ein Dreimonatshoch von fast 40 USDollar je Barrel gestiegen. Analysten gehen zudem davon aus, dass der robuste US-Arbeitsmarkt weiterhin die Nachfrage anheizt. Gleichzeitig sinkt das Angebot. Für US-Frackingunternehmen wird die Ölgewinnung erst ab 50 USDollar je Barrel interessant. Deshalb geben immer mehr Frankingunternehmen auf. Parallel könnte sich für die nächste Opec-Sitzung ein Begrenzen der Ölförderung abzeichnen. Diese Szenarien sprechen für eine weitere Ölpreisstabilisierung. 

Neben den festeren Rohöl- und Pflanzenölmärkten ist das Marktumfeld für die Sojabohne förderlich. In Brasilien könnten Niederschläge den weiteren Ernteverlauf verzögern und damit die Marktware reduzieren. Davon profitiert der US-Exportmarkt. Ohne eigene Impulse laufen die Rapssaatnotierungen den Vorgaben von Rohöl und Bohne hinterher. Die Marke von 350 €/t ist für den Mai-Termin nach oben wieder durchbrochen worden, Ende offen.

Am Kassamarkt ist Flaute angesagt. Ölmühlen, wie Mehlmühlen und Kraftfutterunternehmen klagen über geringe Margen und leben von der Hand in den Mund. Erzeuger, die darauf gehofft haben, dass strenge Winterfolgen die Preise stimulieren, sind bisher enttäuscht worden. Die Pflanzenbestände scheinen EU weit, ohne große Einschränkungen, den Winter passiert zu haben. 

Franko (angeliefert) Hamburg wird A13-Weizen mit 154 €/t beziffert. B-Weizen ist 4 €/t billiger. Franko Würzburg werden die A-Weizenpreise für April/Juni mit 146 €/t benannt. Ex Ernte 2016 bieten Mühlen an der Rheinschiene für B-Weizen 152 €/t franko.

Händler gehen davon aus, dass Getreide aus der Ernte 2015 sowohl bei den Landwirten, wie im Handel ausreichend verfügbar ist. Es wird spekuliert, dass Ware in die kommende Ernteperiode überlagert wird. In Frankreich ist von 6 bis 8 Mio. t Weizen aus 2015 die Rede, der mit ins Erntejahr 2016 geführt werden soll. 

Der Preisboden ist sowohl beim Getreide, wie auch bei den Ölsaaten erreicht, vermuten einige Analysten. Hält die Ölpreisstabilisierung an, dürfte das zumindest für die Ölsaaten, sprich auch Raps zutreffen. Getreide bleibt vorerst von guten Vorräten und stabilen Mengenerwartungen zur Ernte 2016 „erschlagen“.

Brigitte Braun-Michels