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Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheu’r und Fass

Markt und Meinungen
04.06.2013

Fällt die Sonne weiter aus, sind Qualitätseinbußen absehbar / Börsen starten gut gelaunt in die Woche

Zum Wochenbeginn starten die US-Futures bei Weizen, Mais und der Bohne mit Zugewinnen. Zum Teil dürfte das eine Gegenreaktion auf die kräftigen Verluste der letzten Woche sein. Der Bericht, dass US-Weizen mit nicht genehmigter gentechnischer Veränderung am Markt kursiert, hatte den Getreidekursen kurzfristige Tiefschläge beschert. Seit Wochen drücken gute Ernteerwartungen auf die Getreidekurse. Dieser Einfluss macht sich am Dienstag schon wieder mit roten Vorzeichen bemerkbar.

Auch der Internationale Getreiderat (IGC) hat Ende letzter Woche seine Prognosen nach oben gesetzt. Beim Weizen steigt aufgrund von Anbauausweitungen die weltweite Produktion um vier Prozent auf 682 Mio. t. Gleichzeitig wird der Verbrauch heraufgesetzt, sodass die Bestände nur leicht auf 180 Mio. t zunehmen (VJ 178 Mio. t).

Gewaltige Zuwächse bleiben beim Mais an der Tagesordnung. Die Produktion wird von 856 Mio. t (2012/13) auf 945 Mio. t (2013/14) heraufgesetzt. Weil der Futter- und Industrieverbrauch steigen, wachsen die Bestände "nur" auf 149 Mio. t. Damit sind die Überhänge jedoch deutlich komfortabler als in den Vorjahren. Besonders drastisch verdoppeln sich die Bestände nach der Erntemisere des Vorjahres beim weltweit größten Exporteur, den USA. Der IGC liegt mit seiner Produktionsschätzung allerdings noch unter der Annahme des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA). Erinnern wir uns: Die Produktion lag in der Maischätzung weltweit bei knapp 937 Mio. t und die Endbestände für 2013/14 bei Mais wurden auf rund 156 Mio. t geschätzt. Auch für die EU wurde im US-Bericht die Maisproduktion auf 64 Mio. t nach oben gesetzt. Die Endbestände wachsen hier nur leicht auf knapp fünf Mio. t (VJ 4,5 Mio. t).

In Deutschland bestätigt sich dieser Trend nicht. Wie das Deutsche Maiskomitee (DMK) mitteilt, haben hiesige Erzeuger für die Ernte 2013 mit 2,03 Mio. ha etwa 0,2 Prozent weniger Silomais angebaut. Die Körnermaisfläche ist auf 501 400 ha zurückgegangen (minus 4,7 Prozent zum Vorjahr). Beim Mais ist der Anbaurückgang ähnlich wie bei der Sommerbraugerste zu erklären. 2012 hat der Anbau der Sommerkulturen wegen starker Auswinterungsschäden zugenommen. In dieser Saison wurde der Wintergetreideanbau, bei optimalen Bedingungen im Herbst, ausgedehnt. Die größten Maiserzeuger bleiben in Deutschland die Veredlungsregionen Niedersachsen (knapp 500 000 ha) und Bayern (etwa 432 000 ha).

Am Kassamarkt herrscht nahezu Totenstille. Die ausgiebigen Regenfälle, die zum Teil in Deutschland noch anhalten, sorgen durch die Bank für Unsicherheit. Sollte sich die feuchte Witterung fortsetzen, sind Ertragseinbußen beim Mais, der im Mai nahezu ohne Sonne „heranwachsen“ musste, absehbar. In Bayern stehen viele Maisflächen schon seit Tagen unter Wasser. Hier werden empfindliche Ertragseinbußen befürchtet.

Beim Winterweizen wird "Masse statt Klasse" befürchtet. Im Süden wird Mais Ernte 2012 um 210 €/t ab Hof gehandelt. Franko Südoldenburg und Holland bleiben die Preise für die alte Ernte bei 235 €/t relativ stabil, mit geringen Umsätzen. Die neue Ernte bewegt sich im Süden bei 170 €/t. Futterweizen liegt mit Kursen um 175 €/t ab süddeutscher Station etwa auf gleichem Niveau.

Chartanalysten gehen anhand des Preisverlaufs bei Weizen und Mais von einer Bodenbildung aus. Dass sich die Kurse nach negativen Preisverläufen schnell wieder erholen, bestätigt diese Vermutung. Als Zünglein an der Waage zeigt sich in den nächsten Wochen das Wetter. Wird es in Europa überdurchschnittlich nass und bestätigen sich überschätzte Erträge für Mais in den USA müssen die sehr positiven Erwartungen revidiert werden. Unabhängig von den unsicheren Produktionsschätzungen bleibt die Geldpolitik für die Entwicklung der Rohstoffpreise unberechenbar. Dass Erzeuger derzeit "die Füße still halten" ist zumindest dann "erlaubt", wenn die Preisabsicherung der Ernte 2013 zu Teilen erfolgt ist.

Brigitte Braun-Michels