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Investiere jetzt, zahle später!

Markt und Meinungen
18.02.2013

Von Keynes abgeleitete Geldpolitik hat Überschuldung gefördert / Ohne rigoroses Sparen ist die nächste Krise sicher

Die Agrarmärkte zeigen sich zu Beginn dieser Woche durch die Bank im Seitwärtstrend. Die amerikanische Börse (CBOT) bleibt wegen eines Feiertages geschlossen. Am Kassamarkt hält ein ruhiger Handel an. Die Unsicherheit über den weiteren Marktverlauf führt dazu, dass sowohl Verarbeiter wie auch Erzeuger bei der weiteren Vermarktung der alten und neuen Ernte die „Füße still halten“.

Wettermärkte geben bisher keinen Anlass zu großer Beunruhigung. Auswirkungen der Trockenheit für den Winterweizen in den USA und Argentinien bleiben abzuwarten und Auswinterungsschäden zeichnen sich bisher in Westeuropa, wie beispielsweise der Schwarzmeerregion, nicht ab.

Auch an den Finanzmärkten herrscht scheinbar „Ruhe“. Vorerst bleibt es bei der expansiven Finanzpolitik. Der Staat und die Geldpolitik soll alles richten: Die Finanzmärkte regulieren, die Arbeitslosigkeit reduzieren und das Volkseinkommen stabilisieren. Vorerst geht es also weiter mit Niedrigstzinsen und unbegrenzter Liquidität. Geht das auf Dauer gut?

Zurückgeführt wird die Theorie des Segens staatlicher Konjunkturprogramme auf den amerikanischen Ökonomen John Maynard Keynes, der vor 67 Jahren gestorben ist. Nach Keynes Ideen hatte der Staat eine ausgleichende Marktfunktion: Fehlendes Wachstum sollte durch ausreichende Konjunkturprogramme angekurbelt werden. Wenn der Markt dann wieder allein floriert, ist der Staat gefordert, sich zurückzunehmen und angefallene Schulden zurückzuzahlen. Frei nach dem schwäbischen Motto: Spare in guten Zeiten, dann hast Du etwas für die schlechten!

Genau da liegt der Haken. Politiker haben in der Vergangenheit gern den Teil der Lehren übernommen, der sich mit Ausgabenprogrammen beschäftigt. Der Teil des Sparens wurde aber leider ausgeblendet. Die Staatsschulden der wichtigsten Industriestaaten (G7) haben sich von 64 Milliarden Anfang der 70ziger Jahre (19 Prozent des Bruttoinlandsproduktes BIP) auf mehr als zwei Billionen Euro (80 Prozent des BIP) erhöht. Deutschland hat im Jahr 2010 rd. 23 Mrd. Euro für Konjunkturpakete ausgegeben. Das Bruttoinlandsprodukt wurde aber nur um elf Mrd. Euro gesteigert. 2011 wurden mit 14,6 Mrd. Steuergeld 10,5 Mrd. zusätzliche Wirtschaftsleistung erzeugt.

Die Entwicklung in den USA hat zudem gezeigt, dass billiges Geld nicht nur Inflation fördert, sondern auch falsche Investitionsanreize schafft. Der Slogan „Spend now, pay later“ (Investiere jetzt, bezahle später) hat die größte Kreditblase aller Zeiten ins Leben gerufen. Die Folge war schließlich die Finanzkrise. Dass Länder durch die staatlich propagierte Investitionspolitik ala Spanien, Portugal, Griechenland und auch die USA zu viel konsumieren, wurde ebenso bei der Anwendung der Keynesianischen Theorie nicht bedacht.

Die Nachfrage schafft sich ihr Angebot. Das ist eine der Kernaussagen von Keynes. Das Produktionsniveau einer Volkswirtschaft wird nach dieser Theorie von der Nachfrageseite bestimmt. Heute hat sich gezeigt, dass eine solch gesteuerte Nachfragepolitik allenfalls für kurzfristige Krisenphasen geeignet ist, wie der Chef des Ifo-Institutes, Hans Werner Sinn, in einem Interview mit dem Handelsblatt betont. Es ist jetzt spätestens die Zeit des Sparens angesagt. Darin sind sich weitsichtige Ökonomen längst einig. Das setzt ein Ende der expansiven Geldpolitik der Notenbanken und der Niedrigzinsen voraus. Ansonsten bleiben neue Preisblasen und die Inflation mit allen bekannten Konsequenzen, auch für die Agrarpreise, nicht aus.

Brigitte Braun-Michels