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Herbst und Kurse ziehen am gleichen Strang

Markt und Meinungen
21.10.2015

Marktaussichten bei großen weltweiten Ernten getrübt/ Wetterunbillen bleiben aus/ Wintersaaten in der EU bisher gut entwickelt
Die Märkte für die Agrarcommodities schließen sich dem getrübten Herbstwetter an. Auf beiden Seiten des großen Teichs, in Chicago und Paris, zeigen die Kurse zu Beginn der Woche die Farbe rot. In Paris (Euronext) rutschen die Maisnotierungen unter das Niveau von 160 €/t, obwohl die EU-Maisernte erwartungsgemäß schlecht ausfällt.

Grund für die schwachen Preise am Getreidemarkt sind bessere Wetterverhältnisse. Lang erhoffter Regen in den USA lässt die Weizenpflanzen gedeihen und auch in der Ukraine entspannen sich die Trockenheitsängste für die Aussaatflächen. Beim EU-Weizen hat das europäische Analysehaus Strategie Grains die diesjährige Rekordweizenernte bestätigt. Der Ernteertrag wurde im Vergleich zu letzten Schätzung um 5,5 Mio. t auf 177,5 Mio. t angehoben. Das sind 400 000 t mehr, als im vergangenen Jahr in der EU an Weichweizen geerntet wurde. Die EU-Lagerendbestände wachsen auf 18,4 Mio. t (VJ 13,5 Mio. t).

Zur Saison 2016 soll die Weizenaussaatfläche im Umfang dem laufenden Jahr entsprechen. Wenn das Wetter mitspielt, steht eine erneute große Ernte ins Haus. Winter- und Sommergerste sollen EU-weit an Fläche gewinnen. Bis dato haben sich die Winteraussaaten gut entwickelt, so das Analysehaus.

Ägypten ist als Weizeneinkäufer weiterhin am Internationalen Markt unterwegs.240 000 t Weizen wurden letzte Woche in Russland und zum kleineren Teil in Rumänien eingekauft. Frankreich kommt preislich nicht zum Zuge.

Am Maismarkt könnte im Wirtschaftjahr 2015/16 die Nachfrage nach Grobgetreide (Mais macht hier den größten Anteil aus) das Angebot erstmals wieder übersteigen. Infolgedessen schrumpfen die weltweiten Endbestände auf 223 Mio. t. In der EU wird die Körnermaisernte aktuell auf rd. 59 Mio. t beziffert. Das sind rd. 15 Mio. t weniger, als im letzten Jahr. Besonders stark sollen die Ernteeinbrüche in Frankreich, aber auch in Rumänien und Ungarn ausfallen. Auch in Deutschland wird die Ernte geringer beziffert. Fehlende Niederschläge in der Hauptwachstumsperiode haben vor allem in Süddeutschland, eine der wichtigsten deutschen Anbauregionen, den Maispflanzen zu schaffen gemacht. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sinken die durchschnittlichen Körnermaiserträge in Deutschland um etwa 30 dt/ha auf 77,8 dt/ha.

Weltweit betrachtet bleibt die Versorgungslage am Maismarkt sehr gut. Das spiegelt sich an der wenig euphorischen Preisentwicklung wieder.

Auch am Ölsaatenmarkt fehlt der Schwung. Der Sojabohnenmarkt wurde am Wochenende von Gewinnmitnahmen „verzehrt“. Der europäische Rapsmarkt reagiert unentschlossen auf die Vorgaben der Bohne. Das Niveau von 380 €/t in Paris (Euronext) wurde mit 377 €/t zu Beginn dieser Woche nach unten durchbrochen. Der Handel ist auf diesem Niveau nahezu lahm gelegt.

In Paris (Euronext/Matif) notiert B-Weizen zu Beginn der Woche um 175 €/t. A-Weizen wird franko (angeliefert) Hamburg auf 182 €/t beziffert. Mühlen im Rheinland und Westfalen zeigen kurzfristig kaum Bedarf. Für Jan./März liegt das Niveau franko Westfalen bei A-Weizen um 188 €/t. B-Weizen ist 10 €/t billiger franko Mühle.

Der Kassamarkt liegt bei der aktuellen Marktentwicklung lahm. Landwirte haben ihr Getreide eingelagert und warten darauf, dass Wettermärkte oder eine unvorhergesehene Politikentscheidung den Kursen Aufwind geben. Sollte erster Schneefall im Oktober in Deutschland Hinweise auf einen strengen herannahenden Winter auf der Nordhalbkugel geben, könnte die Entscheidung sich als richtig erweisen. Vorerst bleiben solche Hoffnungen reine Spekulation.

Brigitte Braun-Michels