You are here

Share page with AddThis

Hat der Weizenpreis das Tal erreicht?

Markt und Meinungen
12.08.2014

Ernte in Europa fast beendet / Mittelfristig kein Licht am Ende des Tunnels

Der Getreidemarkt bleibt unter Druck. Ende letzter Woche haben Gewinnmitnahmen am Weizenmarkt und Kursverluste beim Mais sowie der bevorstehende USDA-Report den Notierungen an der Börse in Chicago (CBOT) zugesetzt. Die Pariser Matif ist dem eins zu eins gefolgt.

Diese Woche ist erst einmal eine Verschnaufpause angesagt. Gründe sind die Unsicherheiten um den Konflikt in der Ukraine. Das russische Embargo gegen Einfuhren bestimmter Lebensmittel könnte im Gegenzug dazu führen, dass die Getreideexporte aus Russland ebenso reglementiert werden. Außerdem gibt es Gerüchte um nachlassende Qualitätsparameter bei der EU-Getreideernte infolge der Regenfälle. Durch die Bank sind am Montag die Vorzeichen in Chicago erstmals wieder grün. Eine anhaltend hohe Exportnachfrage kommt besonders den Sojabohnennotierungen zugute. In Paris schließen sich zunächst nur die Rapsnotierungen den grünen Vorzeichen an. Ob die positive Phase länger anhält, bleibt abzuwarten.

Schon vor der Ernte haben sich sehr gute Ergebnisse angekündigt. Diese werden bisher mehr als bestätigt. Die Weltweizenernte wird ständig nach oben angepasst. Mit 705,2 Mio. t zeigt die Statistik des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) die zweithöchste jemals gemessene Erntemenge auf. Das Analysehaus Informa Economics geht mit 717 Mio. t von noch höheren weltweiten Produktionsmengen aus.

Auch für den Maismarkt werden Rekord-Erntemengen erwartet, die das Vorjahr übertreffen. In den nächsten Tagen dürfte der prognostizierte Regen die sehr positiven Ernteaussichten weiter befeuern. Mais notiert infolgedessen an der Börse in Chicago (CBOT) auf einem Vierjahrestief.

Auch in Europa jagt eine Erfolgserntemeldung die nächste. Das französische Analystenhaus Agritel schätzt die französische Weichweizenernte auf 38,16 Mio. t. Das wäre die zweithöchste Erntemenge nach dem Rekord von 1997 mit 38,25 Mio. t. In Frankreich ist die Ernte so gut wie abgeschlossen.

In Deutschland haben sich die sehr guten Ernteerwartungen ebenso bestätigt. Die Rapsernte übertrifft mit insgesamt 6,2 Mio. t das Vorjahr um 0,4 Mio. t. In Frankreich sollen 5,3 Mio. t geerntet werden (VJ 4,4 Mio. t). Die deutsche Weizenernte ist durch Niederschläge immer wieder unterbrochen worden. In Westdeutschland sind noch 10 Prozent, im Osten und Norden noch rund 30 Prozent der Weizenähren auf dem Halm. Bisher halten sich die Qualitätsprobleme in Grenzen. Die Fallzahlen sind überwiegend in Ordnung. Vereinzelt treten Probleme beim Hektolitergewicht auf. Für die zu erntenden Restpartien könnte sich die Lage allerdings, bei anhaltenden Regenfällen und Lager, verschlechtern.
Aufgrund der hohen Erträge, die auf guten Standorten – so Marktbeteiligte – 100 dt/ha teilweise deutlich übertreffen, sind die Proteingehalte erniedrigt. Ein Mangel an Qualitätsweizen wird dennoch nicht erwartet.

Vorerst fällt es schwer, dem Markt positive Preissignale abzugewinnen. Marktbeobachter sind sich einig, dass jegliche Phantasie für bessere Preise fehlt. Diskutiert wird vielmehr, wie weit sich die Abwärtsspirale noch drehen könnte. Während ein Teil der Analysten davon ausgeht, dass der Boden für die Pariser Weizennotierungen in der Range um 170 €/t erreicht wurde, halten andere „Experten“ weitere Dämpfer für möglich. Pessimisten sehen sogar die Marke von 160 €/t in Paris als gefährdet an.

In Mitteldeutschland liegen die Offerten für Futterweizen diese Woche bei 130 €/t ab Hof. Erzeuger haben auf die Erntepreisentwicklung mit totaler Verkaufszurückhaltung und hohen Lagermengen reagiert. Wenn diese Mengen im Herbst und Winter auf den Markt kommen, dürften weiterhin Aufschwungsignale fehlen. Neue Impulse werden erst wieder zu Beginn 2015 erwartet. Erzeuger, die ihre Liquidität im Auge behalten, sollten kleine Aufpreise, wie aktuell durch die Qualitätsdiskussion bedingt, für Teilverkäufe nutzen!

Brigitte Braun-Michels