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Höhere Preise für Kontrakte genutzt

Markt und Meinungen
08.07.2015

Verminderte Ernteprognosen haben den Börsenpreisen in die Tasche gespielt

In der letzten Woche blieben die Wettermärkte Markt bestimmend und haben die Kurse der Agrarcommodities an der internationalen Börse in Chicago (CBOT) auf Höchstwerte katapultiert. Die Pariser (Matif) Euronext hat sich eins zu eins mitziehen lassen. Diese Woche zeichnet sich eine „wettertechnische“ Verschnaufpause ab.

Regen in den USA hat aufgrund der verzögerten Aussaat dafür gesorgt, dass der Maispreis in Chicago in der letzten Woche ein Jahreshoch markieren konnte. Zum Wochenende ist es wieder trockener geworden, was die Euphorie der Anleger besänftigt hat. Hinzu kommt ein erstarkter US-Dollar, der die Exporte verteuert.

Die Schätzung des US-Ministeriums über verminderte Lagerbestände hatte die Marktteilnehmer zuvor bereits darin bestärkt, in Agrarcommodities zu investieren.

Die Weizenkurse haben sich, trotz höherer Bestandseinschätzung, vom Mais mitziehen lassen. In Europa wird der anhaltenden Hitze und Trockenheit Rechnung getragen und nur mit einer „mittelprächtigen“ Weizenernte gerechnet. Auch Russland könnte in dem wichtigen Anbaugebiet um die „Wolga“ trockenheitsbedingte Ertragseinbußen verzeichnen, meinen Analysten vor Ort. Das gleiche gilt für Kanada. Marktteilnehmer in Argentinien vermuten, bei anhaltender Trockenheit, eine verminderte Anbaufläche für das Erntejahr 2015/16. An der Pariser Börse halten sich die Weizennotierungen über 200 €/t für September 2015.

Die Sojabohnenfutures sind in der letzten Woche aufstrebend den Wetterkapriolen gefolgt. Das Analysehaus Informa hat die US-Sojabohnenernte nach unten korrigiert, weil durch den Regen das Zeitfenster für die Aussaat vermindert worden ist. Beim Raps sieht das Szenario, bei verminderter EU-Anbaufläche und durch Trockenheit vermutlich gebeutelten Erträgen, ähnlich aus. In der letzten Woche wanderten die Notierungen an der Pariser Börse schnur stracks auf die Marke von 400 €/t zu. Bei rund 398 €/t war jedoch das Ende der Fahnenstange erreicht. Zu Beginn dieser Woche startet Paris mit Kursen leicht unter der Marke von 390 €/t. Makler halten beim Raps, trotz der technischen Erholung, den Aufwärtstrend für intakt.

In Deutschland hat die Gerstenernte begonnen. Erste Druschergebnisse deuten darauf hin, dass die Erträge unter den Höchstwerten des vergangenen Jahres liegen und leicht unterdurchschnittlich ausfallen. Die Qualitäten bewegen sich mit Hektolitergewichten zwischen 60 bis 65 kg im mittleren Bereich. Franko (angeliefert) Hamburg wird Gerste für September um 180 €/t bewertet. B-Weizen liegt mit knapp 202 €/t auf Matifniveau. A-Weizen ist rund 8 €/t teurer. In Mitteldeutschland wird für Gerste franko Mittellandkanal (MKL) 165 -170 €/t bezahlt. A13 Weizen liegt ex Ernte um 190 -195 €/t, A14-Weizen bei 200 €/t franko MLK. Im Süden wird A-Weizen um 180 bis 185 €/t ex Ernte ab Station bewertet. B-Weizen ist 5 €/t billiger. Für Gerste erhalten süddeutsche Erzeuger 165 €/t ab Station (Hof).

Die Rapspreise bewegen sich ex Ernte franko Ölmühle über 390 €/t mit Prämien von rund 3 €/t. Franko Mitteldeutschland wurde Raps letzte Woche um 384 €/t bewertet.

Marktbeteiligte berichten, dass Erzeuger, vor allem im Süden, wo die Kontraktbereitschaft bisher verhalten war und die Bestände vielversprechend aussehen, Weizen und Raps in der letzten Woche über Prämienkontrakte zur Ernte gebunden wurden. Ob die Preisstabilität von Dauer ist, beurteilen Makler sehr unterschiedlich. Sollte sich insgesamt eine durchschnittliche Ernte abzeichnen, bleiben die weltweiten Läger gut mit Getreide und Ölsaaten gefüllt. Vor diesem Hintergrund haben süddeutsche Erzeuger richtig gehandelt, indem sie das Preishoch der letzten Woche für weitere Prämienkontrakte so kurz vor der Ernte genutzt haben.

Brigitte Braun-Michels