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Gute Qualitäten jetzt vermarkten

Markt und Meinungen
26.08.2014

Wetter- und Politikeinfluss reicht nicht über das Wochenende hinaus/ Qualitäten beim Weizen unter Durchschnitt

Die Weizenpreise an den Börsen sind zum Wochenende von Wetter und Politik gestützt worden. In den USA setzen heftige Regenfälle den Weizenbeständen zu und in der Ukraine sorgen anhaltende Spannungen mit Russland für Unsicherheiten in Bezug auf den Getreidehandel. Die Verschnaufpause sollte nur kurz anhalten. An der Pariser Matif (Euronext) verteidigen die Kurse die Marke über 170 €/t beim Weizen. Mais wird rund 20 €/t billiger gehandelt. Die gute Versorgungslage auf den internationalen Märkten bleibt der Preishebel.

Neben einer deutlichen Produktionssteigerung in der EU scheinen auch die Winterweizenernten in der Ukraine und in Russland, die so gut wie abgeschlossen sind, rekordverdächtige Höhen zu erreichen. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium beziffert die russische Ernte mit 59 Mio. t insgesamt rund 7 Mio. t über dem Vorjahr. Die Ukraine wird mit 22 Mio. t auf gleichem Niveau wie 2013 beziffert. In Anbetracht der vorteilhaften Witterung könnte auch hier das Vorjahr übertroffen werden.

Die Gesamtweizenernte in der EU liegt, nach Einschätzung von Analysten des Getreidehandelshauses Töpfer, mit knapp 152 Mio. t über bisherigen Schätzungen und auf Höhe des Rekordjahres 2008. Auch in Australien und Argentinien, die zu den wichtigsten Weizenexporteuren der Südhalbkugel zählen, wird mit guten Getreideernten gerechnet.
Das dürfte sich auf den Export auswirken. Das USDA rechnet mit steigendem Exportvolumen aus Russland, besonders aber aus Argentinien und Australien. Hier sollen statt 2 Mio. t im vergangenen Jahr in dieser Saison 6,5 Mio. t exportiert werden. Dafür sollen die Exporte aus der EU 28 mit rund 25 Mio. t um 6,5 Mio. t vermindert werden.

Für EU-Weizen scheint weiterer Preisdruck vorprogrammiert. Einziger Wehrmutstropfen für die Preisbildung sind Regenfälle während der Ernte in Frankreich, Polen, Ungarn und Deutschland, die Qualitätseinbußen zur Folge haben. In den deutschen Höhengebieten sind rund 20 Prozent des Weizens dem Regen zum Opfer gefallen. Mit Qualitätsweizen kann auf diesem Standorten nicht mehr gerechnet werden. Wie hoch der Verlust an Qualitätsweizen in Deutschland insgesamt ist, kann derzeit nicht beziffert werden. Schon jetzt wird deutlich, dass in Deutschland, Polen und Ungarn die Proteinwerte unterdurchschnittlich ausgefallen sind. Aus Frankreich wird von niedrigen Fallzahlen berichtet.

Für den Export werden Proteinwerte von mindestens 12,5 Prozent und Fallzahlen über 220 Sekunden verlangt. Es bleibt abzuwarten, ob der Anteil der Ware, die diese Kriterien erfüllt, ausreichend ist, und ob Mühlen sowie die Stärkeindustrie bereit sind, Kompromisse zu machen. Analysten der Firma Töpfer gehen davon aus, dass sich die verarbeitende Industrie bei Mangel an Ware flexibel zeigt.

Richtige positive Signale für die Preisbildung beim Weizen fehlen weiterhin. Erzeuger halten an ihrer Strategie fest, die Ware erst einmal zu horten. Verarbeiter sitzen die Situation noch aus. Wer am längeren Hebel sitzt und wie groß dieser am Ende ausfällt, bleibt abzuwarten. Sollte auch die internationale Maisernte, der Leitmarkt im Getreidesektor, den hohen Ertragserwartungen entsprechen, dürften die Preise weiter unter Druck bleiben.

Erzeuger, die sich jetzt zurücknehmen und damit rechnen, dass dem Markt nach Ablauf der Ernte Preisimpulse sicher sind, könnte auf’s falsche Pferd setzen. Es bleibt dabei: Wer gute Qualitäten mit entsprechenden Aufschlägen vermarkten kann, sollte seine Chance nicht verpassen.

 
Brigitte Braun-Michels