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Gute Ernten in Südamerika lassen Börsenpreise rutschen

Markt und Meinungen
12.02.2013

Brasilien wird weltweit größter Maisexporteur / Vor Ort bleiben die Kapriolen aus Übersee vorerst unbeachtet

Die neue Ernte- und Verbrauchsschätzung aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA-Schätzung) vom Freitag hat dem Markt unterschiedliche Impulse gegeben.

Die US-amerikanischen Weizenendbestände lagen mit knapp 19 Mio. t unterhalb der Markterwartungen, was dem Markt Unterstützung gab. Dies wurde jedoch schnell zunichte gemacht, denn die weltweite Maisproduktion wurde erhöht. Beide Märkte korrelieren durch die Verwendung im Futtersektor sehr eng miteinander. Im neuen US-Bericht wurden sowohl die US-Endbestände beim Mais wie auch die weltweite Versorgung nach oben gesetzt. Mit 118 Mio. t liegen die weltweiten Maisvorräte 2 Mio. t höher als bislang erwartet. Ausschlaggebend dafür sind die großen Ernten in Südamerika, die die Verluste der US-Erzeugung mehr als ausgleichen. Mit einem geschätzten Exportvolumen von 24,5 Mio. t löst Brasilien sogar erstmals die USA (24 Mio. t) als weltweit größten Maisexporteur ab. Argentiniens Exporte liegen mit geschätzten 19,5 Mio. t an weltweit dritter Stelle. Sollte im nächsten Jahr wieder eine „normale“ US-Maisernte eingefahren werden, dürften die USA erneut vorne liegen und damit Preis bestimmend für weltweit gehandelten Mais bleiben.

Vor allen bei den Sojabohnen gab es Korrekturen. Während die US-Bohnen-Endbestände nach unten korrigiert wurden, gab es für Südamerika gewaltige Aufschläge. Mit 38,4 Mio. t Exportvolumen läuft Brasilien in diesem Jahr auch bei den Bohnen den Exporten der Amerikaner (36,6 Mio. t) den Rang ab. Bei weltweit nahezu unverändertem Verbrauch wachsen die globalen Sojabohnenendbestände auf 3,3 Mio. t leicht an.

Obwohl unterm Strich die Bilanzen beim Mais wie auch bei der Sojabohne im fünfjährigen Vergleich unterdurchschnittlich ausfallen, lösten die hohen Erzeugungszahlen in Südamerika am Markt Abwärtskorrekturen bei den Notierungen aus. In Chicago bröckelten die Maispreise seit Beginn des Jahres mangels neuer Nachrichten und Diskussionen um den Ethanolverbrauch ohnehin kontinuierlich. Bei der Bohne hingegen hatte sich seit Jahresbeginn eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung der Preise gezeigt. Die wurde mit dem USDA-Bericht jäh abgebrochen. Zu Wochenbeginn bewegen sich die Notierungen beim Getreide wieder auf die Nulllinie zu, die für die Sojabohne bleiben im Abwärtskanal.

An der Pariser Matif scheinen die Bewegungen der Kurse an den US-Märkten nahezu unbeachtet zu bleiben. Weizen wird für die alte Ernte auf dem Niveau zwischen 240 und 245 €/t gestützt. Franko Hamburg notiert B-Weizen mit Aufschlägen zu Wochenbeginn bei 260 €/t. Mais notiert franko Südoldenburg um 250 €/t. Insgesamt ist der Handel sehr verhalten. Raps wird franko Ölmühle auf dem Niveau von 486 bis 488 €/t besprochen.

Es hat den Anschein, dass die Kurse auf deutschem Parkett gut gestützt bleiben. Doch Vorsicht, wenn es weiterhin an Preis stützenden Nachrichten mangelt und der Markt wenig belebt wird, könnte sich eine kontinuierliche Abwärtsbewegung einschleichen. Vorerst ist noch alles offen. Wettermärkte wie Kahlfröste, die bis in den März nicht ausgeschlossen sind, sind immer dafür gut, den Preisen neue Impulse zu geben. Fallen diese und weitere „Katastrophen“ aus, könnte sich bewahrheiten, dass es manchmal besser ist, den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach zu haben.

Brigitte Braun-Michels