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Getreiderat schätzt Ernten noch höher

Markt und Meinungen
01.09.2014

Ukrainekonflikt tritt in den Hintergrund/ Preise nach unten ausgereizt

Am Wochenende hat der Internationale Getreiderat (IGC) die weltweiten Ernten und Bestände für 2014/15 erneut nach oben korrigiert. Dem Auftrieb, den die Notierungen durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erhalten haben, wurde damit ein jähes Ende gesetzt. Immerhin haben diese Länder 20 Prozent der globalen Exporte inne. Jetzt gelten wieder „Mengenfakten“: Sowohl die Getreide-, wie auch die weltweite Ölsaatenernte fallen höher aus, als in den vergangenen Monaten „prophezeit“.
Sensationelle Ernteaussichten führen dazu, dass die Preise mittlerweile auf jahrelange Tiefststände gerutscht sind.

Die Gesamtgetreideernte, also Weizen und Grob-/Futtergetreide, liegen laut IGC jetzt bei 1976 Mio. t. Obwohl der Verbrauch leicht gesteigert wurde, wachsen die weltweiten Überhänge auf 426 Mio. t (Vormonat 419 Mio. t). Für die kontinuierlich gestiegenen Werte beim Weizen sind gute Ernten in China, der EU und Russland verantwortlich. Lediglich die Qualitätsdiskussion oder der anhaltende Konflikt im Schwarzmeerraum könnten den Weizenkursen Auftrieb bringen. Jedoch zeigt sich, dass die positiven Signale kurzfristiger Natur sind. Analysten rechnen nicht damit, dass die Ukraine als Exporteur nachhaltig ausfällt. Außerdem scheint der Mangel an guten Weizenqualitäten sich, global betrachtet, in Grenzen zu halten.

Beim Mais haben sich die Überhänge aus dem knapp versorgten Weltmarkt von 2011/12 hat sich um 70 Mio. t auf insgesamt 190 Mio. t heraufkatapultiert. Die nördliche Hemisphäre profitierte bis jetzt von optimalen Witterungsbedingungen. Das führt zu ständig wachsenden Ertragserwartungen. Die Versorgungssituation bei Weizen (195 Mio. t) und Mais ist von den Überhängen her mittlerweile fast identisch.
Die europäische Maisernte wird auf 68 Mio. t beziffert. Der Verbrauch liegt bei 76 Mio. t. Hier könnten Lieferausfälle aus der Ukraine den Markt empfindlich treffen. Denn Gentechnisch veränderter Mais aus den USA ist in der EU nicht zugelassen.

Die weltweite Sojabohnenernte bleibt auf dem hohen Produktionsniveau von 304 Mio. t und Überhängen von 38 Mio. t. Bei anhaltend hohem Importbedarf, vor allem aus dem asiatischen Raum, ist der Sojamarkt nach wie vor auf hohe weltweite Ernten angewiesen.

Zu Beginn dieser Woche bleiben die Börsen in den USA (CBOT) wegen eines Feiertages geschlossen. In Paris (Euronext) sind die Vorzeichen wieder rot. Weizen kann sich über der Marke von 170 €/t halten. Die Maisnotierungen stabilisieren sich um 150 €/t zur Ernte (Nov. 14). Die Rapskurse verteidigen die Marke über 320 €/t (Sep. 14).

Am Kassamarkt hält die lustlose Stimmung an. Nach wie vor stehen Reste aus der Getreideernte in Deutschland auf dem Halm, weil die Regenfälle anhalten. Wie hoch der Qualitätsverlust der deutschen Ernte unterm Strich ausfällt, bleibt abzuwarten. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass die Verarbeiter auch mit schlechteren Werten „umgehen können“. Dennoch dürften gute Qualitäten in dieser Saison sichere Aufpreise erhalten.

Rohstoffanalysten der Commerzbank geben zu bedenken, dass die Preise an den Börsen, beeinflusst durch beste Ernteerwartungen weltweit, zu stark nachgegeben haben. Das spricht dafür, dass die Preisluft nach unten ausgereizt scheint und eine Stabilisierung der Notierungen wahrscheinlich ist.
Franko Hamburg liegt Weizen (A 13) bei 188 €/t Sept. 14, franko Rheinland bei 177 €/t. E-Weizen (14,5) wird ab Thüringen um 205 €/t bewertet. Futterweizen liegt in den Veredlungsregionen franko Südoldenburg bei 164 €/t Sep. und franko Holland bei 159 €/t. Raps wird franko Ölmühle im September um 320 €/t beboten.
Vorerst bleiben Aufwärtstrends nicht in Sicht.

Brigitte Braun-Michels