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Getreiderat erhöht die weltweite Ernte erneut

Markt und Meinungen
29.09.2013

Markt reagiert kurzfristig mit Preisrückgang/ Talsohle vermutlich erreicht

In der letzten Woche haben die Schätzungen des Internationalen Getreiderates (IGC) die Märkte in ihrem negativen Unterton gestützt. Die Flaute sollte aber nur kurzfristig anhalten.

Für das Erntejahr 2015/16 hat der IGC die weltweite Getreideernte auf knapp 2 Mrd. t beziffert und damit die Schätzungen der Vormonate um 8 Mio. t übertroffen. Die globalen Getreidevorräte erreichen mit 456 Mio. t den höchsten Stand seit 29 Jahren. Die Steigerung ist in erster Linie auf die erhöhte Weizenproduktion zurück zu führen. Besonders die Produktion in der europäischen Union (EU) schlägt mit 155,5 Mio. t (VJ 156,2 Mio. t) zu Buche. Auch China erntet 1,5 Mio. t und Russland 1 Mio. t mehr, als zuvor geschätzt.

Beim Mais wird die Produktion leicht vermindert auf 976 Mio. t. Gleichzeitig sinkt der weltweite Verbrauch um 2 Mio. t auf 970 Mio. t und die Lagerbestände beziffern sich weltweit auf 199 Mio. t. Das ist zwar eine leichte Erhöhung zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr werden die Bestände aber um 3 Mio. t abgebaut.

Die Sojabohnenproduktion vermindert sich leicht auf 317 Mio. t. Die weltweiten Bestände wachsen im Vergleich zum Vorjahr um 2 Mio. t auf insgesamt 49 Mio. t. Diese Zahlen sind jedoch ungeachtet aller Wettereinflüsse zu verstehen.

Die Sojabohnenaussaat in Südamerika hat begonnen. Brasilien will den Flächenanteil ausdehnen.

Die Börsen haben auf die gestiegene Versorgungsbilanz nur kurz mit Preiseinbußen reagiert. Es scheint so zu sein, dass weltweit hohe Ernten zur Saison 2015/16 bereits eingepreist sind. In Chicago (CBOT) und Paris (Matif/Euronext) haben sich noch am Freitag die Vorzeichen von rot nach grün gedreht. Zu Beginn dieser Woche halten grüne Zahlen an. Ob dieser Trend von Dauer oder nur eine kurzfristige technische Gegenbewegung ist, bleibt abzuwarten.

Am deutschen Kassamarkt sehen Landhändler durch die Bank kurzfristig wenig Aufwärtspotential. Der Exportmarkt wird „noch“ aus der günstigeren Schwarzmeerregion bedient und könnte frühestens ab November wieder anspringen. Inländische Mühlen und Mischer sind zum Teil über Vorverträge versorgt und versuchen möglichst günstig einzukaufen. Auf die gestiegenen Notierungen an der Pariser Matif haben die Mühlen zu Beginn dieser Woche mit Absenken ihrer Aufgelder reagiert.

In Hamburg (HH) liegt B-Weizen auf Matifniveau. A-Weizen erhält mit 184 €/t franko (angeliefert) HH Aufgelder zum B-Weizen von 6 €/t. Franko Rheinland und Westfalen wird B-Weizen für Oktober zwischen 180 und 182 €/t beboten. A-Weizen liegt um 187 bis 189 €/t. In Dresden/Halle wird A-Weizen um 155 bis 160 €/t ab Station beboten. In Bayern bewegen sich die Preise für Qualitätsweizen auf ähnlichem Niveau. Aufgelder für Qualitätsweizen schmelzen am Kassamarkt zunehmend ab, weil Eiweiß- und Klebergehalte in dieser Saison insgesamt gut ausgefallen sind. Futterweizen nähert sich mit 145 bis 150 €/t immer mehr an das B-Weizenniveau an.

Die Rapsnotierungen erholen sich in Paris auf das Niveau von rd. 370 €/t . Franko Ölmühle werden in Durchschnitt Aufgelder um 10 €/t gezahlt.

Der Markt könnte kurzfristig durch die verminderte EU-Maisernte, die vor der Tür steht, beflügelt werden. Vor allzu großer Euphorie warnen Handelsbeteiligte aber auch hier, weil die weltweite Versorgungslage durchaus komfortabel ist und genügend Futterweizen alternativ in die Futtertröge fließen kann. Am Ölsaatenmarkt werden die Anbaubedingungen in Südamerika und die Reaktion des Marktes auf die insgesamt knappe Versorgungslage beim Raps preisbestimmend sein.

Vorerst hält sich die Euphorie einer möglichen Preisaufwärtsentwicklung von Weizen und Co berechtigter Weise in Grenzen.

Brigitte Braun-Michels