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Getreidepreise scheinen versorgungstechnisch gesichert

Markt und Meinungen
18.03.2016

Auch nach der Griechenlandwahl bleibt Konjunktur angeknackst/ Weizen- und Maisversorgung ist weltweit knapp

Nachdem die Kurse für Weizen, Mais und Raps zum Wochenende durch die Bank Verluste hinnehmen mussten, zeichnet sich zu Wochenbeginn eine „technische Gegenbewegung“ ab. Analysten weisen darauf hin, dass Fonds in den letzten Wochen ihre Long-Positionen  stark abgebaut haben und der Markt jetzt sozusagen „reif“ für eine Wende ist.

Von außen hat der Ausgang der Wahlen in Griechenland geholfen, dass sich das Klima an den Finanz- und in Folge  den Rohstoffmärkten aufgehellt hat. Weil sich bei unseren südeuropäischen Nachbarn eine parlamentarische Mehrheit der Reform- und Sparwilligen abzeichnet, findet der befürchtete Untergang des Euro erst mal nicht statt. Damit sind die grundlegenden Probleme Griechenlands aber längst nicht gelöst. Experten vermuten, dass der Euro, durch die insgesamt angeknackste Konjunktur in Europa,  langfristig niedrig bleibt und Konjunktursorgen die Nachfrage schmälern. Das wirkt sich auch auf die Rohstoffpreise aus und ist eine Seite der Medaille.

Die Andere: Von der Versorgungslage bleiben die Märkte in dieser Saison alles andere als komfortabel ausgestattet. Beim Weizen ist die Rate der Bestände zum Verbrauch mit 27 Prozent auf das niedrigste Niveau seit vier Jahren geschrumpft. Die Lagerbestände reichen weltweit für weniger als 100 Tage. Bei Mais werden die  Bestände seit drei Jahren erstmals wieder aufgebaut. Diese reichen aber selbst jetzt nur für etwa 62 Tage. Auch damit ist „kein Blumentopf zu gewinnen“.  Zudem darf das Wetter keine großen Kapriolen mehr machen.

Besonders brisant ist die Situation in der EU mit einer Rate der Bestände zu Verbrauch von 10 Prozent beim Weizen und 7 Prozent beim Mais. Auswinterungsschäden haben in Frankreich  rund 6 Prozent Umbruchflächen zur Folge gehabt. In Polen musste über 20 Prozent der Winterweizenfläche umgebrochen worden. Ersatzweise wurde in erster Linie Sommerweizen ausgebracht. Letzterer kommt im besten Fall aber nur auf 70 Prozent des Ertragsniveaus vom Winterweizen.  In Teilen der Ukraine, Polen und Österreich, wo die Gerstenernte jetzt angefangen hat, ist zusätzlich das Wasser in der entscheidenden Entwicklungsphase ausgeblieben.

In Deutschland sind etwa 10 Prozent der Wintergetreideflächen umgebrochen worden. Der Sommerweizenanbau wurde hier im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 200 Prozent ausgedehnt. Der Sommergerstenanbau hat um 30 Prozent zugelegt. Unter 80 Bodenpunkten befürchten Pflanzenbauexperten zudem verminderte Erträge, weil das Wasserdefizit im Mai nicht kompensiert werden konnte.

Die Versorgungsdaten deuten darauf hin, dass die Preise in dieser Saison nur begrenztes Abwärtspotential haben. Jedoch dürfen Auswirkungen der Konjunkturschwäche nicht unterschätzt werden. Aus den USA sind erste Meldungen von großen Maisverarbeitern (Ethanolwerken) zu hören, die liquiditätsbedingt ihre Tore schließen mussten.  Wenn die Nachfrage hier in großen Stil ausbleibt, dürften die Getreidepreise einen kräftigen Dämpfer erhalten.

Erzeuger sollten, wenn sie sich diese Zusammenhänge vor Augen halten, den Markt sehr intensiv beobachten. Weizen ist in dieser Saison bei 230 €/t an der Pariser Mativ regelmäßig gescheitert. Wenn die Kurse jetzt bei 210 €/t notieren, wird klar, dass der Preisboden zwar gesichert, die Phantasien nach oben aber auch begrenzt scheinen.

Brigitte Braun-Michels