You are here

Share page with AddThis

Getreidepreise nur kurzfristig aufgeflackert

Markt und Meinungen
18.03.2016

Preissprung von 15 €/t wird wieder abgebaut/ Kurse schwanken über der Talsohle

Nachdem die Mais- und Sojabohnenernte in den USA zur Hälfte eingebracht ist, haben die Notierungen an den Börsen in den USA (CBOT) und Paris (Euronext) aus Mangel an neuen preisdrückenden Nachrichten eine Kursrallye hingelegt. Seit Freitag "beruhigen sich die Gemüter" wieder.

In der letzten Woche hat Weizen in Paris innerhalb von drei Tagen einen Sprung nach oben, von 159 €/t auf 170 €/t, gemacht. Kursgewinne im Mais- und Sojakomplex sowie festere Vorgaben beim Kansas City- und Minneapolis-Weizen waren Preistreiber bei den US-Notierungen. Ein erster Kälteschub in Russland, der das Keimwachstum des Weizens behindern könnte, verschärfte das Ganze. Das Analysehaus SovEcon beschreibt den schlechten Zustand der russischen Getreidebestände, die mit wenig Feuchtigkeit, also schlechten Aufwuchsbedingungen in den Winter gehen. Die gesamte russische Getreideernte soll mit 90 Mio. t etwa 15 Mio. t unter der Erntemenge dieser Saison liegen. Beim Weizen wird damit gerechnet, dass im Jahr 2015 etwa 50 Mio. t eingebracht werden können (diese Saison 58 Mio. t).

Seit Freitag wird der Preisauftrieb bei den Getreidenotierungen wieder begrenzt. Rein technisch kam es zu einer Gegenreaktion auf den starken Auftrieb der Vortage. Schwache Verkäufe von US-Weizen haben den Preisrutsch verschärft. Die Exportzahlen sind vor allem bei teurem Qualitätsweizen mit hohen Proteingehalten in den Keller gerutscht. Dass der US-Ernterückstand derzeit wieder aufholt, rückt den Fokus wieder auf weltweit hohe Erntemengen. Hinzu kommt eine Meldung aus China, nach der man verstärkt gegen illegale Importe vorgehen will, um ein Überangebot in heimischen Lägern zu verhindern.

In Paris bleiben die US-Tiefschläge nicht unbeachtet. Insgesamt haben sich in Europa anhaltend gute Exporte am internationalen Markt seit September als Stabilisator erwiesen. In der aktuellen Saison belaufen sich die EU-Weizenausfuhren auf rund 9 Mio. t. Im gleichen Vorjahreszeitraum lag das Exportvolumen bei 8,4 Mio. t.

Der Preisdämpfer einer hohen Körnermaisernte bleibt auf dem deutschen Markt aus. Die Maisernte befindet sich im letzten Drittel. Hohe Feuchtigkeitsgehalte und daraus resultierende Trocknungskosten für Körnermais führen dazu, dass Mais gleich gehäckselt wird und im Futtertrog landet oder an Biogasanlagen veräußert wird. Regional ist das Angebot an Körnern sogar knapp, auch weil Importware für die Mischer ausbleibt. Derzeit werden rund 165-166 €/t franko (angeliefert) Südoldenburg oder Westfalen für Körnermais gezahlt. Die Mischer/Futtermühlen heben ihre Preise mitunter an.

E-Weizen ab Thüringen ist um 200 €/t gehandelt worden. A-Weizen wird franko (angeliefert) Hamburg um 190-192 €/t besprochen. Im Süden (franko Würzburg) ist Weizen 15 €/t billiger. B-Weizen franko Hamburg notiert zu Wochenbeginn um 165 €/t. Die Rapskurse haben kein Eigenleben und bleiben im Preiskorsett an den Getreide- und Sojakomplex angelehnt. Franko Ölmühle liegen die Rapspreise mit Prämie um 327-335 €/t.

Wie die Preisentwicklung in der letzten Woche gezeigt hat, sind Preissprünge nach oben jederzeit möglich. Am Kassamarkt werden diese nur mühselig umgesetzt. Dennoch lohnt es sich für landwirtschaftliche Erzeuger, den Markt kontinuierlich zu beobachten, um Aufgelder mitzunehmen. Für eine kontinuierliche Preisbefestigung zeichnen sich keine handfesten Argumente ab.

Brigitte Braun-Michels