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Getreidenotierungen bleiben bei roten Vorzeichen

Markt und Meinungen
25.02.2013

Neue Ernte mit Höchsterträgen vermutet / Anschlussversorgung innerhalb EU könnte knapp werden

An den Börsen für Mais und Weizen hält der schwache Unterton an. Grund sind in erster Linie die guten Ernteerwartungen für die kommende Saison. In Chicago (CBOT) sorgen die Schneefälle im mittleren Westen der USA dafür, dass die Trockenheitsfolgen beim Winterweizen zumindest abgemildert werden. Die Schneeschmelze im Frühjahr dürfte den Boden wieder gut mit Feuchtigkeit versorgen. Damit wird ein Teil der Trockenheitsschäden aufgefangen. Der Internationale Getreiderat (IGC) geht für 2013/14 weltweit von einem Produktionsanstieg von 4 Prozent beim Weizen aus. Der wird aber zum größtem Teil durch wachsenden Verbrauch wieder verfrühstückt. Mit rund 7 US-Dollar je Scheffel fällt in Chicago die Weizennotierung auf ein 8-Monatstief.

Beim Mais hat der IGC für die laufende Saison die weltweite Produktion wegen guter Ernten in Südamerika um 5 Mio. t auf 850 Mio. t heraufgesetzt. Bei anhaltend hohem Konsum bleiben die Endbestände auf einem niedrigen Niveau von 114 Mio. t. Für die neue Ernte wird mit einer weltweiten Ausdehnung der Maisanbaufläche gerechnet (plus 0,6 %). Vor allem in den USA dürfte sich die Produktion bei „normaler Ernte“ um ein Vielfaches erhöhen. Damit könnten auch die Endbestände nach drei Jahren des Abbaus wieder anwachsen.

Die wöchentliche Auswertung der Positionen der Anleger an der Börse in Chicago (COT-Daten) zeigt, dass sowohl beim Weizen wie auch beim Mais die Netto-Long-Positionen abgebaut und dafür die Netto-Short-Positionen ausgebaut wurden. Das wird als Indikator für eine schwache Markteinschätzung der Investoren angesehen.

An der Pariser Matif ist Weizen für die alte Ernte auf das Niveau von rund 240 €/t abgesunken. Die neue Ernte wird 30 €/t schwächer bewertet. Der Preisrückgang an der europäischen Börse ist zwar mäßiger ausgefallen als an der US-Börse – dennoch reicht der Preisrückgang, den Handel nahezu zum Erliegen zu bringen. Jetzt hoffen nämlich Verarbeiter auf weitere Preiszugeständnisse, während Erzeuger von einer erneuten Preiserholung ausgehen.

Dagegen spricht, dass es bisher von Seiten der Witterung keine absehbaren Einbußen zur neuen Ernte gibt. Sollten sich die Wetterdaten weiter so souverän entwickeln, fehlen die Preisimpulse. Erschwerend kommt hinzu, dass die Weizenpreise in den USA im Vergleich zu EU-Weizen wesentlich mehr Federn lassen mussten. Das macht US-Weizen am internationalen Markt wettbewerbsfähiger. Nicht umsonst sind die letzten Tender Richtung Irak, Iran und Ägypten allesamt den USA zugeschlagen worden. Dem EU-Weizen ist damit der große Absatzmarkt der letzten Wochen weggebrochen.

Dafür spricht, dass EU-Weizen in dieser Ernte sehr knapp ist und spätestens mit neuer Nachfrage der Mühlen und Mischer, die ab März/April erwartet wird, der Markt wieder belebt werden dürfte. Da die Schwarzmeerregion so gut wie ausverkauft ist und Importe aus Übersee von hohen Frachtkosten belastet werden, könnte der Markt wieder Impulse erhalten. Auch für den weiteren Witterungsverlauf sind längst nicht alle Messen gesungen. Sollte der Winter ohne Auswinterungsschäden vorüber ziehen, steht als nächstes die Frühjahrestrockenheit an, die gute Ertragserwartungen schnell zunichte machen kann.

Händler am Kassamarkt beschreiben einhellig die ruhige Situation. Durch die gesunkenen Preise liegen Geld- und Briefkurse rund 10 €/t auseinander. Zu Wochenbeginn kostet E-Weizen franko Hamburg (Prämie von rund 10 €/t.) 251 €/t. Auf dem gleichen Niveau wird Weizen franko Mitteldeutschland beboten. Für Qualitätsweizen gibt es kleine Aufschläge (7€/t). Für die neue Ernte liegen die Preisideen etwa 40 bis 50 €/t unter den Preisen der alten Ernte. Aufgrund der knappen Versorgungslage in diesem Jahr könnte es für die alte Ernte durchaus noch Preisimpulse geben. Sollte die Witterung für die Saaten weiter so günstig bleiben, sind für die Ernte 2013 allerdings weitere Preiszugeständnisse absehbar.

Brigitte Braun-Michels