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Gerstenernte startet mit mittleren Erträgen und Qualitäten

Markt und Meinungen
15.07.2013

Preise werden von guten Wettermärkten gedämpft / Vorerst keine Erholung für Weizen, Raps und Co in Sicht

Die internationalen Agrarbörsen bleiben in der Zange der Wettermärkte. In Chicago (CBOT) haben letzte Woche Vorhersagen von trockener Witterung im amerikanischen Maisgürtel für eine Kursstabilisierung gesorgt. Außerdem hat eine "Großbestellung" aus China auf die Sprünge geholfen. In dieser Woche gibt es wieder Entwarnung und die Vorzeichen wechseln in den roten Bereich. Das trifft auch für die Pariser Matif (Nyse, Euronext) zu. Weizen hatte sich zum Wochenende wieder bis an die 200 €/t Grenze katapultiert und „stürzt“ zu Wochenbeginn erneut ab. Die Rapskurse bleiben standhaft unter Druck.

Verantwortlich für diese Entwicklung bleiben die weltweit anhaltend guten Ertragsaussichten. In seiner aktuellen Schätzung, Ende letzter Woche, hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) die globale Weizenproduktion erneut höher gesetzt. Dem liegen größere Ernteerwartungen in Australien, den USA und Europa zugrunde. Die EU-Weizenernte wird jetzt auf knapp 139 Mio. t beziffert (Vormonat 137 Mio. t). Die weltweiten Endbestände sinken jedoch, weil aus dem Reich der Mitte ein höherer Futterbedarf erwartet wird. Die weltweiten Maisbestände werden vom US-Ministerium leicht nach unten korrigiert (rund 151 Mio. t). Auch die weltweite Maisproduktion wird mit knapp 960 Mio. t reduziert. In den USA bleiben die Endbestände, bei leichten Verschiebungen der Ernte und des Verbrauchs, mit etwa 50 Mio. t etwa auf Höhe der Vormonatsschätzung. Die EU-Maisernte wird mit dem Beitritt Kroatiens auf 65,6 Mio. t angehoben. Die EU-Endbestände werden auf 5,4 Mio. t beziffert. Die amerikanische Sojabohnenproduktion, die maßgeblichen Einfluss auf die Preisbildung der Ölsaaten hat, wurde ebenso leicht erhöht. Auch die US-Endbestände können sich weiter stabilisieren. Die globale Rate der Bestände zum Verbrauch liegt für die aktuelle Saison 2013/14 bei 27,40 Prozent (Vormonat 27,28 Prozent). Für Europa drückt zudem die weitere Stabilisierung der erwarteten Rapsernte auf die Preise. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet in dieser Saison bei Durchschnittserträgen von rund 3,9 dt/ha und einer Anbaufläche von 1,4 Mio. ha mit einer gesamtdeutschen Ernte von 5,6 Mio. t. Das wäre eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 16 Prozent. Das Hamburger Analystenhaus Oil World rechnet sogar mit gut 5,8 Mio. t gesamtdeutscher Rapsernte. Nachdem die Rapspreise in der letzten Woche an der Pariser Matif wieder an die 400 €/t Marke „gewachsen“ sind, gibt es zu Beginn dieser Woche wieder einen gewaltigen Dämpfer (386,5 €/t). Vorerst dürfte dieser instabile Trend anhalten.

Am deutschen Kassamarkt sind die Handelsbeteiligen mit dem Beginn der Wintergerstenernte beschäftigt. Bisher zeigen Partien aus Frühdruschgebieten viel Zwiewuchs, mittlere Hektolitergewichte und durchschnittliche Erträge. In Mitteldeutschland war für gute Standorte ein Ertrag von 6 t/ha zu hören. Im Verlauf der Ernte, die in dieser Woche bundesweit richtig anläuft, wird mit stabileren Erträgen und Qualitäten gerechnet. Die Preise bewegen sich auf erniedrigtem Niveau seitwärts. Die neue Ernte wird in Mittel- und Süddeutschland zwischen 150 und 155 €/t ab Station besprochen. Franko Hamburg liegen die Gerstennotierungen für September bei 179 €/t. Brotweizen franko Hamburg wird für September mit 205 €/t notiert. Bei den erniedrigten Preisen bleibt die Abgabebereitschaft der Erzeuger sehr verhalten. Makler gehen mittlerweile davon aus, dass die hohen Ernten eingepreist und keine großen Einbußen mehr zu erwarten sind. Allerdings dürfte die Luft nach oben für eine Preiserholung vorerst dünn bleiben.

Brigitte Braun-Michels