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Gerstendrusch steht vor der Tür

Markt und Meinungen
09.07.2013

Preise am europäischen Markt gedämpft / Rechnung ist auch für Altbestände nicht aufgegangen

Obwohl die Vorgaben von Übersee (CBOT) zu Wochenbeginn positiv sind, bleibt die Kursentwicklung an der Pariser Matif (Nyse, Euronext) gedämpft. Von 270 €/t, mit dem B-Weizen noch im Dezember 2012 in Paris notiert wurde, sind zu Beginn dieser Woche unter 195 €/t übrig geblieben. Die Stimmung an den europäischen Getreidemärkten wird durch die insgesamt gute Ernteerwartungen gedrückt.

Erste Ergebnisse zeichnen sich bereits ab. In der Ukraine und in Russland geht die Sommergetreideernte zügig voran. Die Erträge liegen mit rund 23 Dezitonnen je Hektar fast ein Drittel über dem Vorjahr. In Russland übersteigt die Getreideernte mit 37 Dezitonnen bisher das Vorjahr um rund zehn Dezitonnen pro Hektar. Für die bevorstehende Ernte wird deshalb mit zunehmender Konkurrenz auf dem Exportmarkt aus der Schwarzmeerregion für die Europäer gerechnet. Die EU-Kommission beziffert in einer aktuellen Studie die Exporte mit 16,9 Mio. t für 2013/14 etwa 2 Mio. t unter dem Vorjahr. Wie sich die Nachfrage des größten Weizenimporteurs Ägypten angesichts der politischen Unruhen entwickelt, bleibt ohnehin abzuwarten.

Vom Verlauf der Preiskurven (Charttechnik) gibt es auch keine positiven Signale. "Der Markt fühlt sich insgesamt weich an", beschreiben Analysten die Situation. Die Bilanzen, vor allem bei Mais, zeigen sich zwar weiterhin knapp, werden aber aus der akuten "Versorgungsnot" herausgehievt. Ohne Preis stärkende Impulse, die momentan nicht absehbar sind, bleiben die Preise an den Börsen gedeckelt, geben Marktbeobachter zu bedenken.

In Deutschland hat in den Frühdruschgebieten die Gerstenernte begonnen. Bisher wird mit keiner Spitzen-, aber einer guten Durchschnittsernte gerechnet. Zum Ende dieser Woche dürfte es mit der Gerste richtig los gehen. Beim Weizen wird aufgrund der anhaltenden Niederschläge der letzten Wochen mit beeinträchtigten Qualitäten gerechnet.

Franko Hamburg (HH) wird Gerste für die neue Ernte auf 180 €/t beziffert. Frei Landwirt liegen die Angebote um 160 €/t. A-Weizen franko HH liegt um 200 €/t und frei Erzeuger im Norden bei 180 €/t. In Süddeutschland werden Gerstenkurse um 160 €/t frei Lager ex Ernte diskutiert. A-Weizen wird zwischen 175 bis 180 €/t frei Lager ex Ernte besprochen. In Mitteldeutschland wird Gerste ab Hof um 150 €/t beboten. Letzte Geschäfte mit Gerste sind vor drei bis vier Wochen bei 170 €/t getätigt worden. Jetzt kommt es kaum noch zu Abschlüssen, weil die Ideen der Verkäufer und Käufer zunehmend auseinander klaffen. Erzeuger, die daran zurückdenken, dass Gerste im Vorkontrakt Ende letzten Jahres noch 200 €/t im Verkauf erzielt hat, steigen jetzt die Tränen in die Augen.

Insgesamt ist die Höhe der Vorkontrakte zu dieser Saison niedriger ausgefallen als zur Ernte 2012. Handelsbeteiligte führen das auf die sinkenden Preise, die sich seit Weihnachten eingestellt haben und die unsichere Witterungssituation zurück. Auch die Rechnung der Erzeuger zur möglichen Preisentwicklung der Restbestände aus der Ernte 2012 ist nicht aufgegangen. Bilanztechnisch hätten die Konsumenten eigentlich auf "dem letzten Versorgungsloch" pfeifen müssen. Hier hat sich eine alte Marktweisheit bestätigt, dass "teure Ware nie alle wird"!

Kurzfristig ist mit keiner Erholung der Getreidepreise zu rechnen. Im Gegenteil, wenn sich die avisierten Ernten bestätigen und danach sieht es derzeit aus, bleibt weiterer Spielraum nach unten. Erzeuger, die ihre Liquidität sichergestellt haben, dürften jetzt die Lagerstätten bis zum Rand füllen.

Brigitte Braun-Michels