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Futtermittelindustrie treibt Getreidepreise

Markt und Meinungen
16.04.2012

Regionaler Markt setzt sich von der Börsenentwicklung ab/ Stabiler Trend bis zur Ernte vermutet

Die Preisbildung an den Agrarmärkten ist verzwickt. Schwächelnde Finanzmärkte gelten als Konjunkturbarometer  und wirken sich direkt auf die Preisentwicklung am Rohstoffmarkt aus. Das haben die roten Zahlen an den Marktplätzen in Chicago (CBOT) und Paris (Nyse Euronext), über alle Agrarcommodities hinweg, in der letzten Woche deutlich gemacht.

Für die Märkte vor Ort, die sich normalerweise deutlich an den Börsenvorgaben orientieren, spielt das derzeit keine Rolle. Angeliefert (franko) Südoldenburg wird für Futterweizen 20 bis 25 €/t mehr bezahlt, als an der Pariser Börse notiert.

Für den internationalen Handel ist deutsche Ware längst zu teuer.  Der Preistreiber, die Futtermittelindustrie, ist damit ausgemacht. Die Einschätzung, dass die Märkte wieder „runter kommen“ hat dafür gesorgt, dass die Tiernahrungshersteller über die gesamte Saison hinweg von der „Hand in den Mund“ gelebt haben. Dieser Trend hält bis jetzt an und sorgt dafür, dass Ware, bevor Sie am nördlichen Hafenstandort Hamburg ankommt, Richtung Veredlungsstandorte abgebogen ist.

Genährt wird der Markt von der Sorge um die Höhe der Getreideversorgung 2012. Innerhalb Europas sind die Getreideschläge von nicht konkret messbaren  Auswinterungsschäden und Frühjahrestrockenheit gebeutelt. In Deutschland wird spekuliert, ob Sommergetreidesaatgut bei geschätzten 8 bis 12 % Ausfall der „Winterflächen“, überhaupt ausreichend zur Verfügung stand.  Bei anhaltender Trockenheit könnte sich der Anbau sowieso erledigt haben.

Offen bleibt auch, wie viel Getreide noch aus der Ernte 2011 zur Verfügung steht. Nachdem Futtergerste und Futterweizen nahezu verbraucht scheinen, fließt nun Qualitätsweizen auf dem Preisniveau  von Futterweizen in den Tiertrog. Im Handel wird vermutet, dass Landwirte mit Ware aus der alten Ernte die Gunst der Stunde nutzen und mit Restpartien spekulieren. Zudem könnten einige Erzeuger auch ein Sicherheitspflaster brauchen, wenn sie Kontrakte zur Ernte 2012 nicht einhalten können und die Ware überlagern.

Risikoreich sind Spekulationen auf dem derzeitigen Preisniveau allemal. Und wie die Finanzkrise gezeigt hat, kann sich die Preisrichtung mit Konjunktureinbrüchen schnell ändern.  Das Risiko großer Preiseinbrüche hält sich kurzfristig in Grenzen. Die Hoffnung auf stetig weiter steigende Niveaus aber mindestens ebenso.

Brigitte Braun-Michels