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Für 2014 niedrigste US-Weizenernte seit 2006 vermutet

05.05.2014

Trockene Wettervorhersagen heizen negative Markteinschätzung an/ Weltweite Weizenbilanz könnte negativ werden/ Ukraine Konflikt sorgt weiter für Unsicherheit/ Preise sind spekulativ getrieben

Nachdem die Börsen in der letzten Woche ein wenig Luft geholt haben, zeigt sich zu Beginn dieser Woche wieder durchweg ein positiver Trend. Ende letzter Woche mussten die Rapskurse an der Pariser Matif wegen negativer Vorgaben vom Sojamarkt noch kräftig Federn lassen. Die Weizenkurse werden, nach kleiner Verschnaufpause, wieder kräftig durch Politik und Wetter gestützt.

An der Börse in Chicago (CBOT) stieg der Kurs für die Weizenfutures auf ein 13 Monatshoch. Die vorhergesagte Hitze in wichtigen US-Weizenanbaugebieten schürt die Prognose einer erniedrigten US-Ernte. Das Analysehaus Economics hat in seiner letzten Schätzung die kommende amerikanische Weizenernte als die niedrigste der letzten drei Jahre bewertet. Bei einer Marktumfrage gehen Experten in den USA für 2014 sogar von der niedrigsten Weizenernte seit 2006 aus.

Auch die Krise in der Ukraine bleibt Preis-förderlich. Nach wie vor herrscht Chaos im Land. Inwieweit der Handel mit Weizen und Co sowie die Aussaat von diesem Konflikt beeinträchtigt werden, ist derzeit nicht absehbar. Marktteilnehmer passen das politische Risiko weiter über die Preise an.

Das Verhalten der Anleger an der Börse in Chicago in der letzten Woche zeigt bei Weizen und Mais einen Ausbau der Nettolongpositionen. Das spricht für eine mittelfristig positive Preiserwartung.

An der Pariser Matif ist der Einfluss der Preistreiber von Übersee größer, als der Wettermarkt vor Ort. Nahezu flächendeckende Niederschläge in wichtigen europäischen Weizenanbaugebieten lassen die Aussicht auf eine "normale" Weizenernte wieder aufkeimen.

Nachdem die Teilnehmer am Kassamarkt die Preisimpulse der Börsen noch in der letzten Woche mit „Minusprämien honoriert haben“, ziehen zu Beginn dieser Woche die Kurse wieder leicht an. Norddeutsche Händler berichten, dass ein Tender Richtung Saudi Arabien die Billigpartien von Weizen aus Polen vom Markt genommen hätte, was die Häfen vor Ort wieder frei macht und die Kurse zusätzlich stabilisiert.

Franko (angeliefert) Hamburg wird die alte B-Weizenernte um 212 bis 213 €/t bewertet. Die neue Ernte hat sich mit 210 €/t franko preislich fast angeglichen.

Ex Ernte 2014 werden im Norden 190 bis 195 €/t für B-Weizenpartien ab Hof angeboten. Landwirte wollten jedoch 200 €/t ex Ernte erzielen, war zu hören.

Im mitteldeutschen Raum wird B-Weizen ex Ernte um 180 bis 185 €/t und Gerste bei 170 €/t ab Hof bewertet. Für die alte Ernte ist im Raum Sachsen noch vor 14 Tagen um 200 €/t A-Weizen ab Erzeuger gezahlt worden. Diese Kurse lassen sich mittlerweile nicht mehr realisieren. Jedoch scheint die Ware nicht mehr bei den Landwirten, sondern eher beim Handel zu liegen.

Im Süden wird Weizen aus der Ernte 2013 um 190 €/t für 2014 um 185 €/t ab Station bewertet. Der Handel hält sich insgesamt in Grenzen.

Obwohl die Preise für die neue Ernte Gewinne für Landwirte verspricht, bleiben diese mit weiteren Vorkontrakten weiterhin sehr zurückhaltend. Im Norden wird vermutet, dass 20 Prozent der Ernte 2014 bereits unter Vertrag sind. Für den Rest der Republik scheint die Rate geringer. Ob es für Erzeuger ratsam ist, die aktuelle Preislage ganz vorüber ziehen zu lassen, erscheint fraglich. Die Preise sind aktuell durch Spekulationen getrieben, die sich durch tatsächliche Erntemengen schnell in Luft auflösen können.

Brigitte Braun-Michels