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EU-Weizenpreise müssen auch Federn lassen

Markt und Meinungen
21.01.2014

Matifkurse sinken um rund 15 € pro t / Warten auf Wettermärkte ist risikoreich

Der Weizenmarkt bleibt "hüben wie drüben" gedämpft. In Chicago (CBOT) bewegen sich die Notierungen auf einem Drei-Jahres-Tief. EU-Weizen konnte bis vor kurzen noch sein stabiles Niveau von bis zu 215 €/t verteidigen. Diese Marke wurde mittlerweile nach unten geknackt. Gerät Weizen in den Abwärtsstrudel?

Während die europäischen Weizennotierungen (Nyse, Euronext) sich Ende 2013 aufgrund des anhaltenden Exportgeschäftes noch stabil über der Marke von 200 €/t gehalten haben, setzt sich mittlerweile eine anhaltende negative Richtung fort, und die Kurse für B-Weizen marschieren für vordere Termine auf das Niveau von 190 €/t zu.

Ausschlaggebend für den aktuellen Kursrutsch der Pariser Notierungen (Nyse, Euronext) ist der "Auftritt" des US-Weizens am internationalen Markt. Mit dem Exportgeschäft von über 200.000 t US-Weizen Richtung Ägypten, von dem amerikanische Händler Ende letzter Woche berichtet haben, ist eine typische europäische Domäne "angegriffen worden", die den Kursen in Paris einen Dämpfer versetzt hat. Daran hat auch die Nachricht nichts ändern können, dass Deutschland gleichzeitig 250.000 t Weizen an den Iran verkauft hat. Händler vor Ort gehen davon aus, dass das Interesse an europäischem Weizen noch bis April vorhält und die EU das angestrebte Exportziel von 26 Mio. t, das sind rd. 4 Mio. t mehr als im letzten Jahr, erreicht. Bisher wurden bereits 16 Mio. t Weizen "verschifft", was den vergleichbaren Vorjahreszeitraum übertrifft.

Der Getreideleitmarkt Mais liegt schon länger "am Boden". Die Vorhersage von Regenfällen in Argentinien, die eine gute Maisernte auf der Südhalbkugel unterstützen, hat Ende letzter Woche zu einem erneuten Kursrutsch geführt. Marktanalysten gehen mittlerweile davon aus, dass bei den Maispreisen die Talsohle erreicht ist. Das wird daran ersichtlich, dass Netto-Short-Positionen, die für eine negative Markteinschätzung sprechen, zunehmend abgebaut wurden. Außerdem wird der US-Maisanbau in der kommenden Saison im Vergleich zum Vorjahr zurückgefahren, weil die Preise gesunken sind. Das Maisangebot aus den USA dürfte sich damit zur kommenden Saison vermindern.

Am deutschen Kassamarkt haben die Börsenentwicklungen den Handel nahezu zum Erliegen gebracht. Während Käufer ihre Preise immer weiter zurücknehmen, halten Verkäufer an ihrer Lagerware fest. Vermutlich befinden sich im Norden noch 20 %, im Westen und Osten noch bis zu 25 % und im Süden noch 35 % des Weizens in den Lägern der Erzeuger. Franko (angeliefert) Hamburg wird B-Weizen zu Beginn dieser Woche um 195 €/t notiert. In Mitteldeutschland werden für B-Weizen 180 €/t offeriert, A-Weizen liegt je nach Eiweißanteil bis zu 5 €/t (14 % Protein) darüber. Für E-Weizen mit einem Proteinanteil von 14,5 %, konnten in der letzten Woche ab Landwirt noch 192 €/t erzielt werden. Gerste liegt in Mitteldeutschland, wie Triticale, bei 165 €/t ab Station (Landwirt).

Handelsbeteiligte gehen davon aus, dass die Weizenpreise bei anhaltendem Exportgeschäft und Bedarf der Verarbeiter wieder "Luft nach oben" haben. Wie lange dies anhält, wird sich im Frühjahr zeigen, wenn die Ernte 2014 mehr ins Visier rückt. Bisher sind die Kulturen in Deutschland in einem sehr guten Zustand. Die Wasserreserven sind gut gefüllt, und Auswinterungsschäden bleiben bis dato aus. Außerdem sind die Anbauflächen in Deutschland und im Schwarzmeerraum auf einem leicht erhöhten Niveau im Vergleich zu 2013. Ohne Wettereinflüsse dürfte zur kommenden Saison in der EU erneut eine große Weizenernte ins Haus stehen. Wenn Weizen sich nach der Delle erneut aufrichtet, sollte das für einen weiteren Vermarktungsschub seitens der Erzeuger genutzt werden. Der Weg bis zu Ernte ist zwar noch lang. Neue Preisimpulse allein vom Wetter abhängig zu machen, ist jedoch mehr als risikoreich.

Brigitte Braun-Michels