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EU-Markt entwickelt Eigenleben

Markt und Meinungen
26.11.2013

Europäischer Weizen preisstabil / Rapskurse lassen sich von Bohne nicht aufrichten

In der letzten Woche sind die in Chicago (CBOT) notierten Sojabohnen auf ein Acht-Wochenhoch gestiegen. Grund: Die anhaltend hohe Nachfrage nach Bohnen auf dem US-Exportmarkt. Zu Beginn dieser Woche zeichnet sich wieder eine Ernüchterung ab. Weizen bleibt "hüben wie drüben" in grünem Gewand.

Ursachen für stabile Bohnenpreise sind hohe Exportraten, die in erster Linie von der robusten Nachfrage aus China genährt werden. Schon zur Hälfte der Saison haben die US-Bohnenexporte 90 Prozent der Rate erreicht, die das US-Landwirtschaftsministerium für die Gesamtsaison prognostiziert hatte. Auch die heimische Verarbeitungsindustrie bleibt am Ball. Das schließen Analysten aus gestiegenen Sojabohnenexporten. Wie Auswertungen der letzten Woche belegen, setzen die Anleger mit ihrem Ausbau der Netto-Longpositionen für die nächste Zeit auf eine stabile Marktentwicklung. Das könnte sich allerdings zu Beginn 2014 ändern. Sollte sich das vermutete hohe Angebot aus Südamerika bestätigen, dürfte der Markt einen Dämpfer erhalten. Diese Aussichten haben den Marktoptimismus schon jetzt begrenzt.

Der Rapsmarkt in Europa lässt sich ausnahmsweise nicht von Übersee "inspirieren". Zwar bleiben die Notierungen an der Pariser Matif (Nyse, Euronext) in der Range zwischen 370 bis 380 €/t. Erwartete Aufwärtsimpulse von Übersee werden aber nicht mitgenommen. Die gute Versorgung des EU-Rapsmarktes scheint hierfür ausschlaggebend.

EU-Weizen hat sich an der Matif ohnehin schon von den Entwicklungen in Chicago (CBOT) abgekoppelt. Grund: hohe Exporte. Seit Beginn der Saison liegen die Ausfuhren aus der EU bei und 10,6 Mio. t. Das sind knapp 4 Mio. t mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Profitiert hat EU-Weizen davon, dass US-Ware zu teuer und Weizen aus dem Schwarzmeerraum nicht nachgeflossen ist. Mittlerweile liegen die Preise von "Black See" auf einem Niveau mit hiesiger Ware. "Dann bevorzugen europäische Importeure Weizen aus Frankreich und Deutschland, mit sicheren Qualitätsparametern," sagen internationale Händler. Hauptkäufer sind neben Saudi Arabien der Iran.

Die "Preispotenziale" für Ölsaaten und Weizen bleiben begrenzt. Europäische Ölmühlen zeigen kontinuierlichen Bedarf und kaufen aktuell für Termine ab Mai 2014. Sie verfügen aber auch in dieser Saison über ein reichliches EU-Rapsangebot. Die Notierungen in Paris schwanken knapp unter der Marke von 380 €/t. Der Leitmarkt Sojabohne könnte im Januar "zurückgepfiffen" werden. Nur Wettermärkte, wie Frostschäden in Europa, sind im Winter als mögliche Impulsgeber denkbar.

Beim Weizen ziehen jetzt die Amerikaner auf den Exportmärkten nach. Mit gesunkenen Preisen kann US-Weizen wieder auf dem europäischen Markt konkurrieren. Das dürfte das europäische Exportpotenzial dämpfen. Von Seiten der Mischer wird der wachsende Unterschied zwischen Mais und Weizen zu einer veränderten Nachfrage führen. Bisher kommt heimischer Mais der Nachfrage nicht hinterher. Sobald mehr Mais über die Donau aus der Ukraine und Rumänien fließt, sinkt die Weizennachfrage. Franko fko (angeliefert) Hamburg notiert B-Weizen aktuell um 207 €/t. Am Mittellandkanal werden bis zu 198 €/t fko gezahlt, fko Würzburg rund 187 €/t.

Besonders beim Weizen rechtfertigt das aktuelle Preishoch weitere Verkäufe aus der alten Ernte. Im Norden sind die Erzeuger schon weit in Vorleistung gegangen und haben 80 Prozent der Ware aus 2013 verkauft. In Mitteldeutschland wird die Verkaufsrate auf 60 bis 70 Prozent beziffert. Im Süden haben sich Erzeuger geschätzt erst von 50 Prozent ihres Weizens getrennt. Vernünftige Landwirte bleiben mit Kosten deckenden Verkäufen kontinuierlich am Ball.

Brigitte Braun-Michels