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Ernten liegen über Erwartungen

Markt und Meinungen
19.08.2015

Weltweit fallen die Ergebnisse gut aus/ Frankreich fährt Spitzenernte ein/Deutsche Weizenernte fast beendet

Nach den aktuellen weltweiten Ernteschätzungen für 2015/16 des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA), einer Topweizenernte in Frankreich und unerwartet guter Ergebnisse der Getreideernte aus dem Schwarzmeerraum sind die Preisaussichten für Agrarcommodities getrübt. Trockenschäden der europäischen Maisernte bleiben abzuwarten.

Nach dem USDA-Bericht, der Ende letzter Woche erschienen ist, hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium die weltweiten Ernten und Bestände überraschend nach oben korrigiert.
Die US-Sojabohnenernte wurde mit 106,6 Mio. t im Vergleich zum Vormonat nochmals erhöht. Die verminderte EU-Rapsernte fand danach keine Beachtung mehr. Der gesamte Ölsaatenkomplex musste kräftig Federn lassen.
Auch die weltweite Maisproduktion wurde nach oben korrigiert und die Endbestände wachsen auf insgesamt rd. 195 Mio. t. Sie werden damit nur leicht zum Vorjahr abgebaut (197,4 Mio. t). Schließlich wurden die weltweiten Weizenendbestände um 1,7 Mio. t auf 221,5 Mio. t überraschend nach oben gesetzt. Grund sind die guten Bedingungen in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Allein hier wurde die prognostizierte Weizenernte für diese Saison auf insgesamt 5 Mio. t erhöht.

Seit Donnerstagabend standen die Kurse an der US- Leitbörse (CBOT) durch die Bank unter Druck und haben auch die Notierungen in Paris (Euronext, Matif) mit in die Knie gezwungen.

Frankreich soll mit knapp 39 Mio. t die höchste Weizenernte seit 1988 erzielen. Das französische Analystenhaus Strategie Grains hat infolge die EU-Weizenernte um 3,1 Mio. t auf insgesamt 144 Mio. t erhöht. Für Deutschland schätzt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die Weizenernte auf knapp 26 Mio. t. Nur beim Mais rechnet man in Europa wegen der Trockenheit noch mit stärkeren Einbußen. Der DRV korrigierte die deutsche Maisernte jetzt auf 3,9 Mio. t nach unten. Damit wird das vergangene Jahr um fast 24 Prozent unterschritten.

Die Weizenernte in Deutschland steuert mittlerweile auf ’s Ende zu. In Niedersachsen und Norddeutschland stehen noch 20 bis 40 Prozent Weizen auf dem Halm. Sollten sich die Regenfälle beruhigen, was laut Wetterprognose ab Mittwoch der Fall ist, dürften die letzten Bestände fallen. Qualitativ sind bisher keine großen Einbußen abzusehen. In Paris startet die Börse zu Beginn dieser Woche erneut mit roten Vorzeichen. Mit 175 €/t hat Weizen in der letzten Woche knapp 10 €/t verloren. Raps notiert für November um 372 €/t. Der Verlust gegenüber der Vorwoche liegt bei etwa 15 €/t. Mais kann sich bei knapp 179 €/t stabilisieren und profitiert von den trüben Ernteaussichten.

Am Kassamarkt machen sich die verminderten Ernteaussichten für Mais bemerkbar. In Süddeutschland notiert Mais mit 180 bis 190 €/t franko (angeliefert) rund 30 €/t über Futterweizen. Futterroggen, Gerste und Triticale liegen im Süden bei etwa 150 bis 160 €/t franko. Braugerste wird im Süden um 205 €/t franko notiert. Im Norden wird B-Weizen mit 180 €/t für November franko Hamburg leicht über der Matif notiert. A-Weizen ist rund 5 €/t teurer, E-Weizen erhält gegenüber B-Weizen Aufschläge von 20 €/t. Aktuell fragen hiesige Verarbeiter gute Qualitäten nach und stabilisieren damit den Preis. Am internationalen Markt ist deutsches Qualitätsgetreide zu teuer, weil Anbieter aus dem Schwarzmeerraum bis zu 10 €/t billiger auftreten. Zusätzlich dürfte die gute Ernte in Frankreich den Absatzkanal für deutsches Qualitätsgetreide, zum Beispiel Richtung Algerien, verstopfen.
Positive Marktpreisaussichten fallen bei Ernten, die besser ausfallen, als noch vor wenigen Wochen erwartet, schwer. Jetzt einen Teil des Qualitätsgetreides mit Aufpreisen zu verkaufen kann unter diesen Vorzeichen durchaus Sinn machen.

Brigitte Braun-Michels