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Ernte gut, Preise im Keller

Markt und Meinungen
01.07.2014

Weltweite Prognosen für die Getreideernte gehen von wachsenden Beständen für die kommende Saison aus / Lagerbestände sind so gut wie nicht vorhanden

 

Die Märkte bleiben im Schwächetrend. Die kleine Erholung zum Wochenende konnte zu Beginn dieser Woche nicht fortgesetzt werden. Weizen hat sich für die neue Ernte 2014 an der Pariser Börse unter das Niveau von 190 €/t eingependelt. Die europäischen Rapsnotierungen haben für den Augusttermin die Unterstützungslinie von 350 €/t nach unten durchbrochen.

Die roten Zahlen an den Börsen werden durch anhaltend gute Erntemengenschätzungen bestärkt. Auch der Internationale Getreiderat (IGC) hat in der letzten Woche die weltweite Weizenernte um 5 Mio. t auf 699 Mio. t nach oben korrigiert. Sowohl in der EU, China, wie auch Indien wird mit höheren Ernten gerechnet. Der globale Weizenangebotsüberschuss steigt auf 2 Mio. t. Die Lagerbestände in den Exportländern, so auch in der EU, bleiben jedoch unterdurchschnittlich niedrig.

Auch beim Mais wurde die Erntemenge nach oben korrigiert. Der weltweite Angebotsüberschuss steigt auf 13 Mio. t. Die globalen Maisvorräte erhöhen sich das vierte Jahr in Folge auf insgesamt 180 Mio. t. Die Hälfte dieser Ware lagert in China und steht dem Weltmarkt nicht zur Verfügung. Bei Sojabohnen soll die weltweite Ernte die globale Nachfrage um 7 Mio. t übertreffen.

Bei anhaltendem Preisdruck herrscht am Kassamarkt Totenstille. Kurz vor Erntebeginn wurden für Weizen und Gerste aus der alten Ernte 2013 noch Aufpreise erzielt. Jetzt ist der Konsum eingedeckt und wartet gelassen den Erntetermin ab. Auch Landwirte haben vorerst das Verkaufen eingestellt.

Im Norden hat der Regen den Erntebeginn weiter verzögert. Mit dem Start der Gerstenernte rechnen Handelsbeteiligte ab Mitte Juli. Weizen dürfte zwei Wochen später vom Halm kommen. Franko (angeliefert) Hamburg (HH) wird Gerste zwischen 165 bis 166 €/t besprochen. Die Weizenkurse liegen ex Ernte bei 192 €/t (Matif plus 5). Ab August erwarten Exporthändler wieder Geschäft. Dass im Vorfeld die Abschlüsse verhalten bleiben, wird mit nicht berechenbaren Qualitäten begründet. Mit Blick auf die derzeitigen Feldbestände vermuten Händler hohe Erträge und erniedrigte Proteingehalte.

In Mitteldeutschland (Sachsen/Sachsen-Anhalt) hat die Gerstenernte angefangen. Durch den Regen wurde der Drusch jedoch unterbrochen. Kaufangebote für Gerste liegen bei 150 €/t ab Station. Erzeuger wollen rund 5 €/t mehr erzielen, weshalb am Markt kaum Ware zur Verfügung steht. Die Qualität erscheint bisher gut (Hektolitergewicht zwischen 63 bis 65, keine Mykotoxine). Ab Hof wird Gerste zwischen 147 bis 148 €/t besprochen. Für die Termine September/Oktober liegen die Preise bei 160 €/t ab Station. Mit der Weizenernte wird ab der zweiten Julihälfte gerechnet. Franko Mittellandkanal liegt Gerste ex Ernte bei 155 €/t. Für Weizen und Mais aus der alten Ernte konnten noch in der letzten Woche Aufpreise erzielt werden. „Alter“ Mais wurde um 195 €/t franko und „alter“ Weizen um 190 €/t franko verkauft.

Auch in Bayern stehen die Mähdrescher in den Startlöchern und warten darauf, dass der Regen der Sonne weicht. Hier liegen die Preisideen für Gerste ex Ernte bei 150 bis 155 €/t ab Station. Weizen, der hier in drei Wochen reif sein dürfte, wird um 165 €/t ab Station besprochen. Im Rheinland halten Verkäufer und der Konsum die Füße still. In frühen Gebieten wurde rund 10 Prozent und späteren Lagen 2 bis 3 Prozent der Gerste gedroschen. Angeliefert Holland liegen die Kurse ex Ernte bei 167 bis 170 €/t. Richtung Veredlungsregion Westfalen und Oldenburg bei 169 bis 172 €/t. Weizen wird für September/Dezember bei 185 €/t franko besprochen.

Bei den aktuell guten Ernteergebnissen, die Erzeuger in Europa einzufahren scheinen, bleibt für Preisimpulse vorerst wenig Spielraum.