You are here

Share page with AddThis

Braugerstenanbau in Deutschland sinkt weiter

Markt und Meinungen
29.04.2013

Satte Prämien für Ernte 2013

In Deutschland ist die Braugerstenfläche zur Ernte 2013 im mehrjährigen Vergleich weiter zurückgegangen. Als Folge werden für die Ernte 2013 satte Prämien gezahlt. Walter König, von der Braugersten-Gemeinschaft e.V. München, erläutert die aktuelle Situation auf dem Braugerstenmarkt.

Walter König, Braugersten-Gemeinschaft e.V., München

Die Sommer- bzw. Braugerstenaussaat ist in Deutschland so gut wie abgeschlossen. Können wir an den Anbauumfang des letzten Jahres heranreichen?

Walter König: Nein, natürlich nicht. Erinnern wir uns: Im Jahr 2012 hatten Auswinterungsschäden den Anteil des Sommergetreides überdurchschnittlich gefördert. In diesem Jahr hat sich die Situation wieder "normalisiert". 2012 konnten wir in Deutschland eine Sommergerstenfläche von rund 600 000 ha verzeichnen. Der Vergleich hinkt allerdings durch die ungewöhnlichen Witterungsfolgen. Realistischer ist der Bezug zu 2011, wo etwa 414 000 ha Sommergetreide angebaut wurden. Aber selbst diese Zahl können wir 2013 mit etwa 353 000 ha Anbauumfang nicht erreichen. Wir liegen circa 15 Prozent unter dem Jahr 2011.
 

Woran liegt das?

Walter König: 2013 ist im Witterungsverlauf fast das Gegenteil von 2012. Die Herbstbestellung lief sehr gut und der Winter hat so gut wie keine Folgeschäden hinterlassen. Hinzu kommt, dass die Preise für Winterweizen im Herbst 2012 sehr gut waren und Erzeuger deshalb den Winterweizenanbau möglichst weit ausgedehnt haben.

Können wir denn bisher mit guten Erträgen für die Sommergerste rechnen?

Walter König: In Deutschland ist durch den verspäteten Winter der Anbau ungefähr 3 bis 4 Wochen später als üblich erfolgt. In frühen Lagen (Unterfranken, Baden, Baden-Württemberg) wurde Anfang April ausgesät. Spätere Lagen (bis in den Norden) waren erst um den 20. April mit der Aussaat beschäftigt. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass wir keine Spitzenernte mehr erwarten dürfen. Jedoch ist, bei entsprechend guter Folgewitterung, immer noch eine gute Braugerstenernte möglich.
 

Reicht die in Deutschland erzeugte Braugerste für den heimischen Markt aus?

Walter König: Nein, Deutschland ist Nettoimporteur bei der Braugerste. Für dieses Jahr rechne ich, bei einem guten Durchschnittsertrag um 50 dt/ha und zwei Drittel brauchbarer Ware, mit einer Erzeugung von etwa 1,2 Mio. t Qualitätsbraugerste. Bei einem inländischen Bedarf von 2,3 Mio. t fehlen hiesigen Verarbeitern 1 Mio. t braufähige Ware.
Können Sie den Flächenumfang der Braugerste unserer europäischen Nachbarn einschätzen?

Walter König: Die Situation ist unterschiedlich. In England war die Herbstaussaat ungünstig, sodass der Anteil der Flächen für Sommergetreide ausgebaut wurde. Die Anbaufläche hat im Vergleich zu 2011 und 2012 um rund 35 Prozent zugenommen. Frankreich hatte ähnliche Bedingungen wie Deutschland und in diesem Jahr einen entsprechenden Flächenrückgang zu verzeichnen. Bei normaler Ernte bleiben die Franzosen jedoch Nettoexporteur. In Dänemark ist die Situation zum Vorjahr nahezu unverändert. Finnland hat einen Zuwachs von etwa 10 Prozent der Fläche. Unterm Strich, glaube ich, dürfte die europäische Bilanz ziemlich ausgeglichen sein, d.h. Angebot und Nachfrage halten sich in etwa die Waage. Das setzt aber voraus, dass das Wetter keine "Schnippchen" schlägt.

Ist das der Grund für die ansehnliche Prämie, die Braugerste zur neuen Ernte erzielt?

Walter König: Ja, das ist zutreffend. Wir sind in Europa mit der Versorgung auf einem sehr engen Korridor unterwegs. Außerdem wird die Anschlussversorgung an die neue Ernte 2013 knapp. Für Braugerste Ernte 2013 wird vor diesem Hintergrund eine Prämie gezahlt, die 35 bis 50 €/t über dem Preis für Futtergetreide liegt.

Ist das ein Anreiz für die Erzeuger jetzt weitere Mengen zu kontrahieren?

Walter König: Bisher sind schätzungsweise 20 Prozent der Braugerstenproduktion für die kommende Saison gebunden. Das ist im Vergleich zu anderen Jahren relativ wenig. Landwirte hoffen auf eine weitere Preisstabilisierung. Diese ist aber nicht sicher. Wenn wir die Märkte beobachten, bildet sich beim Getreide eine Tendenz zur Schwäche ab. Sollte diese anhalten, werden auch die Braugerstenpreise vom "Leitmarkt mitgezogen". Ich denke zwar, dass wir in diesem Jahr bei der Braugerste relativ stabile Preise sehen werden. Ein Hoffen auf weitere Preissteigerungen ist aber risikoreich. Erzeuger können derzeit ab Hof rund 230 €/t für Braugerste neuer Ernte erzielen. Der Preis ist mehr als kostendeckend. Wer sein Risiko streuen will, sollte dieses Preisniveau für Neukontrakte nicht vorbeiziehen lassen.
 

Der Braugerstenanbau ist wegen des Anbau- und Preisrisikos in Deutschland tendenziell rückläufig. Kann man diesen Trend aufhalten?

Walter König: Ich hoffe schon. Meiner Beobachtung nach gibt es immer mehr regionale Konzepte, die vom Erzeuger über die gesamte Vermarktungskette Preis und Absatz gewährleisten. Wird für die Erzeuger ein Preis sichergestellt, der das Anbaurisiko kompensiert, bleibt die Braugerste im Rennen. Das könnten Konzepte für die Zukunft sein.
 

Herr König, vielen Dank für das Gespräch.

Brigitte Braun-Michels