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Braugerste ist knapp und teuer

Markt und Meinungen
17.03.2016

Interview mit Dipl. Ing. Walter König, Geschäftsführer der Braugerstengemeinschaft e. V. München über Entwicklungen und Perspektiven am Braugerstenmarkt

Dipl. Ing. Walter König, Geschäftsführer der
Braugerstengemeinschaft e. V. München

Herr König, wie schätzen Sie die aktuelle Versorgungssituation mit Braugerste in Deutschland ein?
Meiner Meinung nach haben wir eine sehr schlechte Anschlussversorgung mit Braugerste an die Ernte 2012. Zwar sind die Bücher der Mälzer bis zur Ernte gefüllt, jedoch sind die Qualitäten schlechter als erwartet. Das reduziert die tatsächlich verfügbare Menge an Braugerste empfindlich.

Woran liegt das?
Bei vielen Partien, die jetzt abgerufen werden, sind die Eiweißgehalte überhöht. Außerdem gibt es häufig Lagerschäden, wegen unsachgemäßer Trocknung und mangelnder Gesunderhaltung. Wo die Feuchtigkeit bei der Einlagerung zu hoch war, wird die Entwicklung von Lagerpilzen gefördert. Es kommen Partien zu den Mälzern, die teilweise nur noch 80 % der Keimenergie aufweisen. Diese Braugerste ist nicht mehr zu vermälzen und wandert in den Futtertrog.

Können die Mälzer bei den europäischen Nachbarn einkaufen?
Innerhalb der EU ist die Ernte in der letzten Saison in Gänze nicht üppig ausgefallen. In den klassischen Braugerstenerzeugerländern Frankreich, Dänemark und Osteuropa sind keine nennenswerten Mengen mehr verfügbar. Aus Drittländern wurde zum Beispiel argentinische Braugerste gekauft. Damit haben deutsche Mälzer versucht, Qualitätsmängel der hiesigen Ware auszugleichen. Insgesamt dürfte es sich um 150 000 bis 180 000 t gehandelt haben. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Mittlerweile ist diese Quelle aber auch verebbt.

Können wir in der kommenden Saison mit einem größeren Braugerstenangebot rechnen?
Unsere aktuelle Anbauauswertung zeigt, dass der Braugerstenanbau in Deutschland mit
knapp 360 000 ha leicht unter dem Vorjahr (370 000 ha) liegt. Eine weitere Anbauausdehnung wurde durch begrenzt verfügbares Saatgut verhindert. Bedenken habe ich auch Umbruchflächen, die mit Sommerbraugerste bestellt wurden, einzuberechnen. Die Vorbehandlung, u.a. hohe Stickstoffgrunddüngung, dürfte den Eiweißgehalt so in die Höhe treiben, dass die Partien nicht mehr als Braugerste verwendet werden können.
Innerhalb der EU läuft die Aussaat noch. Die Zahlen erwarten wir nach Ostern. Ich persönlich glaube, dass die Anbaufläche, wegen des günstigen Preisgefüges, ausgedehnt wird.

Wie ist, ihrer Meinung nach, die verarbeitende Industrie für die kommende Saison mit Ware „versorgt“?
Sobald die Industrie Malzverkäufe tätigt, erfolgt eine Gegendeckung. Das passiert meistens mit Handelshäusern über „Papiergeschäfte“. Die Anzahl der Vorverträge mit echter Ware der Erzeuger hat den Tiefststand erreicht. Ich vermute, dass höchstens 20 Prozent der verfügbaren Ware gebunden ist. Landwirte sind nicht bereit, zu den derzeit angebotenen Vorvertragskonditionen (rd. 190 bis 200 €/t ab Hof) Ware abzugeben. Erwartet werden mindestens 220 €/t. Auf diesem Niveau und darüber sind in der Vergangenheit bereits Vorverträge abgeschlossen worden.

Wie schätzen Sie kurzfristig die Marktlage bei der Braugerste ein?
Die Braugerste hängt als Nischenprodukt in ihrer Preisentwicklung am Tropf des gesamten Getreidekomplexes. Hier zeichnet sich momentan eine feste Marktentwicklung ab. Momentan hinkt der Braugerstenpreis dem Getreidepreis sogar noch hinterher. Normalerweise beträgt die Prämie zur Futtergerste rd. 30 €/t. Bedenkt man, dass Futtergerste für die neue Saison mit 190 bis 200 €/t beboten wird, müsste Braugerste mindestens 230 €/t kosten. Unterm Strich sind das für mich allesamt Vorzeichen für eine kurzfristig feste Preisentwicklung. Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Tendenz bis zur Ernte fortsetzt. Um die Preise wieder zu „beruhigen“ brauchen wir in der EU eine überdurchschnittliche Braugerstenernte. Ob die jetzt angesagten Regenfälle das Feuchtigkeitsdefizit der letzten Wochen wieder wett machen und die Wettermärkte bis zur Ernte optimal verlaufen, bleibt abzuwarten.

Herr König, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Das Gespräch führte Brigitte Braun-Michels