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Börsengewinne beim Weizen wieder zerronnen

Markt und Meinungen
02.09.2013

Weizenpreise haben Zuschläge schnell wieder abgebaut / Wetterkapriolen und deren Auswirkung abwarten

Ende letzter Woche hat der Internationale Getreiderat (IGC) die Schätzung der weltweiten Getreide- und Ölsaatenproduktion für 2013/14 aktualisiert. Im Vergleich zum Vormonat wird die Produktion bei Weizen und Mais leicht erhöht. Die weltweite Erzeugung von Sojabohnen sinkt.

Trotz der höheren Weltweizenproduktion auf 691 Mio. t verändert sich die für die Preisbildung entscheidende Rate der Bestände zum Verbrauch mit 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu "Null". Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) geht zwar von einer höheren weltweiten Weizenproduktion aus als der IGC; jedoch bleibt es auch hier bei einer unveränderten Relation. Übersetzt reicht bei einer Relation von 19 Prozent die Versorgung mit Weizen in die neue Kampagne für 69 Tage. Beim Mais liegt das Verhältnis bei 16 Prozent (58 Tage). Das ist eine Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die weltweite Sojabohnenproduktion "erholt" sich bei der Relation Bestände zu Verbrauch von neun auf elf Prozent (40 Tage) zur Ernte 2013/14.

Insgesamt zeigt sich ein unverändertes Bild bei der Versorgung mit Getreide und Co in der laufenden Kampagne. Damit war auch fast vorprogrammiert, dass die Weizennotierungen in Chicago nach den aufwärts gerichteten Trends der letzten Woche wieder in "alte Zustände" zurück gefallen sind.

In Deutschland haben die Experten des Bundeslandwirtschaftsministeriums ihre Zahlen für die Getreide- und Rapsernte ebenfalls zum Wochenende vorgelegt. Die gesamte Getreideernte (einschließlich Mais) beläuft sich mit rund 47 Mio. t noch über dem langjährigen Mittel des Zeitraums 2007 bis 2012. Die Rapsernte hat mit 5,8 Mio. t rund 20 Prozent mehr zu bieten als das Vorjahr. Das liegt nicht nur an besseren Erträgen, sondern vor allem an der ausgedehnten Anbaufläche.

Welche Rückschlüsse sollen Erzeuger angesichts dieser Marktdaten ziehen? Analysten der Commerzbank vermuten in Zukunft bessere Getreidepreise. Die internationalen Exporte bleiben hoch und die ungünstigen Wetterbedingungen in den USA für die gerade anlaufende Maisernte sind alles andere als positiv. Außerdem weisen die Experten darauf hin, dass "weiche Faktoren" wie ein stärkerer US-Dollar, niedrigere Ölpreise und Markttechnik den jüngsten Preisverfall bedingt hätten. Fachexperten der Firma Kiefer sind in ihrer Einschätzung etwas vorsichtiger. Nach wie vor seien die Abwärtstrends beim Getreide in Takt und vorerst sei allenfalls eine Bodenbildung bei den Preisen festzustellen. Der Preisaufschwung der letzten Woche wird hier in erster Linie auf Shorteindeckungen der Fonds zurückgeführt.

Eine Euphorie der Erzeuger, dass der Herbst die Preise schon richten wird, erscheint nach Abwägung dieser Argumente verfrüht. Die Getreidepreise am europäischen Markt dürften in den kommenden Wochen hauptsächlich vom EU-Exportvolumen und der Maisernte in Übersee getrieben werden. Sollte sich das prognostizierte weltweite Marktvolumen an Mais, dem Leitmarkt für Getreide, weiter verflüchtigen, ist das der größte Hebel für zukünftige Preissteigerungen beim Weizen. Werden die bisherigen Ernteerwartungen im Großen und Ganzen bestätigt, bleibt wenig Preisluft nach oben. Lagerhalter sollten in den nächsten Wochen den Markt gut beobachten, um einen möglichen Preisaufschwung rechtzeitig mitzunehmen. Ob die Schwelle von 200 €/t an der Pariser Matif (Nyse/Euronext) in Kürze wieder geknackt wird, bleibt vorerst ein "zugebundener Sack"!

Brigitte Braun-Michels