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Angst vor Preisverfall beim Zucker

Markt und Meinungen
24.03.2015

Wegfall der Quote könnte Überproduktion forcieren/ Weniger Produktion zur kommenden Saison vermutet

2017 endet nach 49 Jahren die Ära „Zuckerrübenquote“. „Dieses Ereignis wirft seine Schatten vorraus,“ erklärte Ansgar Vielberg kürzlich im Rahmen der MBI-Agrarmarkttagung in Frankfurt/M. Die Zuckerrübenpreise sind im vergangenen Jahr auf knapp 450 €/t (EU Preis November 2014) um 40 Prozent gefallen. Ursache für den Preisverfall sind hohe Zuckerbestände, die trotz Quote in der EU aufgelaufen sind und ein sehr niedriges Weltmarktpreisniveau.

Dass die in Dollar notierten Zuckerpreise am Weltmarkt gefallen sind, ist auch hier den jahrelangen Überschüssen geschuldet. Weltweit größtes Anbieter- und Exportland von Zucker ist Brasilien. Analysten der Commerzbank vermuten, dass dies bald ein Ende hat. Am Ende der Verarbeitungssaison 2014/15 zeigt sich, dass die brasilianische Zuckerrohrverarbeitung um rund 4,5 Prozent zurückgegangen ist. Wegen eines geringeren Zuckergehaltes und eines höheren Anteils der Verarbeitung zu Ethanol steht vor der Zuckerproduktion sogar ein Minus von 6,7 Prozent.

Weltproduktion soll weiter sinken

Ein verzögerter Start der Verarbeitungsperiode in Thailand und ein niedrigerer Zuckergehalt führten auch hier zu einem Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert. Für die kommende Saison 2015/16 erwarten dies dann fast alle Beobachter. Denn es sieht danach aus, dass die Weltproduktion weiter sinkt – preis- und witterungsbedingt. Dabei richtet sich der Blick sofort wieder auf die nächste brasilianische Ernte ab April.

EU-Außenschutz bleibt erhalten

Wie sich die Preise für die Zuckerrüben mit dem Wegfall der Quote in Europa entwickeln, wird direkt vom Weltmarkt und einer möglichen Produktionssteigerung in Europa abhängig sein. Ab 2017 gibt es keine Quoten mehr für Zucker sowie Isoglucose und keinen Rübenmindestpreis. Der Außenschutz in Form von Exportzöllen bleibt erhalten und die EU sieht für den Fall des Preisverfalls temporäre Maßnahmen in Form von privater Lagerhaltung vor. EU-Politiker fordern zudem aus Angst vor massivem Preisverfall nach der Quotenregelung dazu auf, über alternative Instrumente zur Mengensteuerung der Zuckerproduktion nachzudenken.

Brigitte Braun-Michels