You are here

Share page with AddThis

Agrarpreise im Schwächetrend

Markt und Meinungen
19.03.2013

Agrarcommodities zeigen rote Vorzeichen / Gute Ernteerwartungen für 2013

Dass die Agrarpreise in den letzten Wochen durch die Bank Federn lassen mussten, ist in erster Linie auf die Warenseite zurück zu führen. Die bevorstehende Ernte 2013 wird allen bisherigen Schätzungen zufolge größer ausfallen. In den USA dürften durch Flächenausdehnungen sowohl bei der Mais-, wie auch bei der Sojabohne und „normalen“ Ernteerwartungen die Produktionsmengen von 2012 weit überschritten werden. Genauere Daten liefert das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) Ende März.

Für Europa hat der Europäische Getreidehandelsverband (Coceral) jüngst die EU- Weichweizenernte mit knapp 128 Mio. t etwa 2,5 Prozent über dem Vorjahr (124,5 Mio. t) beziffert. Die Gerstenproduktion wird um rund eine Mio. t ausgedehnt. Auch die europäische Kommission geht in ihrem am Wochenende erschienenen Kurzzeitausblick für die EU-Getreideproduktion von größeren Erntemengen aus. Der Grund sind Flächenzuwächse von 2,2 Prozent bei Weizen, 7 Prozent bei Gerste, 4,4 Prozent bei Roggen und 4,6 Prozent bei Weizen. Beim Raps steigt die Produktion, laut Schätzungen von Coceral, 2013 auf rund 20 Mio. t (Vorjahr 19,5 Mio. t). Der Deutsche Raiffeisenverband hat die Winterrapsernte hierzulande für 2013 mit 5,4 Mio. t insgesamt 0,6 Mio. t über dem Vorjahr beziffert.

Auch die Schwarzmeerregion liefert bisher keine Winterwetterdaten, die große Ernteeinbußen erwarten lassen. Korrekturen, die das russische Agrarministerium beim Weizen nach unten vorgenommen hat, dürften durch die riesige Ernteerwartung in der Ukraine kompensiert werden.

Dass die europäischen Getreidevorräte bis zum Anschluss an die neue Ernte fast aufgezehrt sind, gerät beim Blick auf die neue Ernte in Vergessenheit. Bis Ende Juni werden die Getreidebestände der EU von der Kommission auf 31,1 Mio. t vermindert. Das entspricht einem Verhältnis der Bestände zum Verbrauch von 11,6 Prozent. Oder anders ausgedrückt reichen die EU-Bestände aus der alten Saison nur noch für 42 Tage. Nicht umsonst rechnen Makler hierzulande noch mit Preisaufschlägen bis zum Anschluss an die neue Ernte. Ob diese sich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. An der Matif wird B-Weizen für die neue Ernte auf rund 210 €/t beziffert und scheint damit vorläufig einen Seitwärtstrend eingeschlagen zu haben.

Wesentlich stärker sind die Preiseinbußen beim Raps. Allein in den letzten fünf Tagen haben die Rapskurse über 10 €/t an der europäischen Börse nachgelassen (von 472 €/t auf 459 €/t für Mai 2013). Die neue Ernte hat mit 415 €/t für August über 15 €/t in einer Woche verloren. Vor allem die guten Ernteergebnisse der Sojabohne in Südamerika und eine größere Produktionsmengenerwartung zur neuen Saison schlagen sich bei den Rapskursen negativ nieder. Beide Märkte stehen in enger Beziehung zueinander. Der europäische Rapsmarkt leidet zudem unter dem mäßigen Ölgeschäft der Mühlen. Grund ist die Konkurrenz zum Palmöl, mit welchem der Weltmarkt bestens versorgt ist. Die Prämien beim Raps wurden mittlerweile auf Null abgebaut.

Sollten ertragsbeschränkende Wetterdaten in großem Stil zur Saison 2013/14 ausbleiben, ist ein schwächeres Preisniveau absehbar. Vergessen werden dürfen auch nicht die negativen Einflüsse, die sich vom wirtschaftlichen Marktumfeld auf die Agrarcommodities niederschlagen können. Wenn jüngste Diskussionen in Zypern, die eine Verlustbeteiligung der Spareinlagen an der Sanierung der zyprischen Banken vorsehen, durchkommen, steigt die Verunsicherung der Marktteilnehmer. Zieht diese Methode weitere Kreise, sind die Reaktionen in den Ländern nicht mehr berechenbar. Da werden Erinnerungen wach: Mit der Ernte 2008 sind, bei ähnlich gut versorgten Produktmärkten, durch die Finanzmarktkrise die Agrarpreise vollends in die Knie gezwungen worden!

Brigitte Braun-Michels