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Agrarpreise haben Aufwärtspotential

Markt und Meinungen
05.09.2015

Märkte im Überblick / DLG Unternehmertage 2015 / Kurzfristig sitzt Weizen in der Erntedelle / Unterdurchschnittliche EU-Maisernte erwartet / Raps koppelt sich von der Sojabohne ab
Landwirtschaftliche Commoditiemärkte sind in erster Linie von Psychologie geprägt. Diese These vertritt Dr. Christian Bickert. Im Rahmen der Unternehmertage der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) diese Woche in Regensburg erläuterte Bickert, dass die Preise derzeit in erster Linie durch das wirtschaftliche Umfeld gedrückt würden. Die Konjunkturwelle in China, das Land, welches immerhin fast die Hälfte der weltweit gehandelten Rohstoffe importiert, führt zu einer großen Verunsicherung. Gesamtwirtschaftlich stehen wir außerdem, so Bickert, vor einem Platzen der Finanzblase, welche durch Geld drucken in den USA und der EU angeheizt würde. In Folge werten viele andere wichtige Währungen ab und führten damit zu Verzerrungen an den Exportmärkten.

Dass diese Einflüsse von Dauer sind, bezweifelt der Marktexperte. China würde auf keinen Fall eine schlechtere Ernährung akzeptieren und deshalb komme es vermutlich nicht zu einer Verminderung der Importe, so Bickert. Eine Stagnation hält er jedoch für möglich.

Die Bilanz beim Weizen sei außerdem trügerisch. Weltweit fehlen der Welt 2 Mio. t Weizen. Die Vorräte (ohne China ) betragen nur noch 22 Prozent. In den USA und der EU bleiben die Vorräte auf geringem Vorjahresniveau. Indien baut auf ein Rekordtief ab.

Der Reismarkt, der mit dem Getreidemarkt gekoppelt ist, ist sehr schlecht versorgt. Ohne China fehlen 5 Mio. t Reis am Weltmarkt. China kann seine Vorräte halten und Indien baut auf ein Rekordtief ab.

Beim Mais fehlten in dieser Saison, ohne China, 8 Mio. t. Die Vorräte werden um 12 Mio. t abgebaut und liegen noch bei 14 Prozent. Das ist ein relativ normaler Wert. In der EU fehlen, nach bisherigen Prognosen, jedoch 15 Mio. t Mais.

Der Gerstenmarkt ist zwar unterversorgt, hat aber alleine keine Marktkraft. Orientierung geben Mais- und Weizenmarkt.

Beim Sojabohnenmarkt übertrifft das weltweite Angebot die Nachfrage das dritte Jahr in Folge, so Bickert. Die Vorräte steigen auf 32 Prozent (plus 7 Mio. t). Vor allem Brasilien setzt weiterhin auf den Sojabohnenanbau. Der größte Teil der weltweiten Sojaernte wandert Richtung China und ist damit dem Wohl und Wehe dieses Landes ausgesetzt.

Beim Raps ist die Situation umgekehrt. Die Nachfrage übertrifft weltweit das Angebot um 4 Mio. t. Die Vorräte schrumpfen auf 3 Mio. t.

Damit stellt sich die Frage, ob sich der Rapsmarkt dauerhaft von der Sojabohne, die hinlänglich als Leitmarke bei den Ölsaatenpreise fungiert, absetzen kann.

Weiteren Einfluss auf die Marktpreisentwicklung nimmt das Wetter. In Indien werde die Weizenernte überschätzt, meinen Marktbeobachter. Australien hat messbar weniger Wasservorräte. In Indonesien war es extrem trocken, was sich auf die Palmölernte niederschlagen dürfte. In Argentinien gehen die Weizen- und Maisflächen stark zurück, Extremniederschläge gefährden zudem die Saat. El Nino lässt grüßen und soll noch bis 2016 anhalten.

Am Düngermarkt setzen gewaltige Überkapazitäten die Preise für N- und P-Dünger die Preise weltweit unter Druck. Abwertungen in den Schwellenländern tun ein Übriges, schließt Bickert seinen Blick auf den Markt ab.

So schätzen Marktbeteiligte die zukünftige Preisentwicklung ein:

Minnegard Mosel, Geschäftsführerin der Almos Alfons Mosel Handels GmbH, geht davon aus, dass in der EU insgesamt 20 Prozent weniger Mais geerntet wird. Die Hauptproduktionsländer Ungarn und Rumänien reißen ein besonderes Loch in die Tasche. Auf der anderen Seite gibt es noch Überhänge aus dem Jahr 2014. Vorerst geht die Unternehmerin davon aus, dass der Maismarkt auf dem aktuellen Preisniveau verharrt oder durch die gute Weltmarktversorgung noch etwas schwächer wird. Mittelfristig hält sie wieder Preissteigerungen von 20 bis 30 €/t für möglich.

Beim Weizen wird die Situation kurzfristig ähnlich skeptisch beurteilt, mit einem weiteren möglichen Minus von 10 €/t an der Börse. Ab Januar dürfte sich das Preisgefüge wieder noch oben bewegen, so Mosel.

Stefan Heinrich, Geschäftsführer der Bayernhof GmbH, schätzt das Preispotential für Mais auf rund 170 €/t franko Süddeutschland, was immer noch 20 €/t über dem Futterweizenpreisniveau liegt.

Qualitätsweizen erhält kurzfristig eine Delle, könnte sich aber bis Weihnachten wieder auf knapp 180 €/t franko zu bewegen.

Raps koppelt sich, nach Meinung von Heinrich, weiter vom Sojamarkt ab und laufe bis Weihnachten auf 380 €/t zu.

Die Preiseinschätzung vom Christian Bickert ist mittelfristig ähnlich optimistisch.

Die Maispreise zeigen einen stabilen Preisverlauf und ziehen mit B-Weizen gleich. Beim Weizen würde im Herbst deutlich, dass mehr Ware gebraucht wird, als bisher realisiert. Hier dürften bis Dezember wieder Niveaus von 200 €/t an der Matif für B-Weizen möglich sein. Wetterentwicklung außen vor gelassen. Bei Raps sieht der Marktanalyst ab Februar März 2016 ein Marktpreispotential von über 400 €/t an der Pariser Matif.

Brigitte Braun-Michels