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Agrarmärkte (vorerst) gut gelaunt

Markt und Meinungen
10.12.2014

Wetterrisiken könnten Märkte weiterhin stützen/Südamerika sorgt für reichlichen Nachschub

Zu Beginn dieser Woche bleiben die Agrarmärkte durch die Bank freundlich gestimmt. Vor allem bei den Ölsaaten (Sojabohne) gibt es deutliche Aufschläge. In Paris (Euronext) werden die positiven Vorgaben aus den USA (CBOT) durch regen Getreideexport untermauert.

Ende letzter Woche haben hohe Exportzahlen die Preise für Sojabohnen um 2,5 Prozent in die Höhe getrieben. Das rege Exportgeschehen der Vorwochen setzt sich fort. Größter Kunde bleibt China. Bisher liegen die Sojabohnenexporte 12 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch für den Monat Dezember wird mit Rekordeinfuhren ins Reich der Mitte gerechnet. Das dürfte die Preise für die Bohne vorläufig weiter stützen. Jedoch steht die südamerikanische Bohnenernte vor der Tür. Spätestens zu Beginn 2015 dürfte das wieder für rote Vorzeichen sorgen. In Paris klettern die Kurse vorerst weiter Richtung 350 Euro/t. Am Kassamarkt zeigen die Ölmühlen reges Interesse an kurzfristigen Lieferungen, während Abgeber die Füße still halten. Franko (angeliefert) Ölmühle liegen die Notierungen für Raps zwischen 345 und 350 Euro/t plus Prämie (5 bis 8 €/t).

Auch die Maisnotierungen liegen im positiven Gesamttrend, jedoch können sie beim Aufwärtsstreben des Weizens nicht mithalten. In den USA bleiben die Weizenfutures durch das Wetter(risiko) gestützt. Am internationalen Markt werden die US-Weizenexporte durch den stabilen US-Dollar verteuert. Davon profitiert EU-Getreide bei schwachem Euro. Seit Beginn des Erntejahres summieren sich die Exporte aus der EU auf 12,75 Mio. t. Das sind 1 Mio. t mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Hier wurden bereits rekordhohe Exporte aus der EU getätigt.

Ein Blick über die Grenzen verrät, dass in Kanada, dem weltweit drittgrößten Getreideexporteur, knapp 30 Mio. t Getreide geerntet werden. Das sind 6,5 Prozent mehr als das kanadische Statistikamt noch im Vormonat geschätzt hat. Jedoch wird die sehr hohe Ernte des Vorjahres nicht erreicht. In Argentinien läuft die Weizenernte derzeit und ist zu rund 50 Prozent abgeschlossen. Für die Ernte 2015 steht Russland im Fokus. Analysten schätzen, dass Trockenheit während der Aussaat und die aktuell vorherrschenden niedrigen Temperaturen Ertragseinbußen zur kommenden Ernte nach sich ziehen. Vor Ort taxieren Experten die gesamte russische Getreideernte auf 86 Mio. t für 2015. Das wären 18 Mio. t weniger als in dieser Saison. Ob die Schäden noch größer ausfallen als bisher erwartet, bleibt offen. Derzeit liegen die Temperaturen um minus 15 Grad Celsius und eine schützende Schneedecke ist kaum vorhanden.

Am Kassamarkt nutzen Abgeber die stabilen Preise immer wieder zu Teilverkäufen, um sich dann wieder vom Markt zurückzuziehen. Mühlen und Mischer scheinen für dieses Jahr versorgt. Für 2015 zeichnet sich aber noch reger Bedarf ab. Franko (angeliefert) Hamburg und im Rheinland wird A13-Weizen um 212 €/t für Januar besprochen. Am Oberrhein liegen die franko-Preise bei 195 €/t. B-Weizen ist rund 12 €/t billiger. Braugerste wird auf dem Niveau von A-Weizen gehandelt.

Vorerst zeichnet sich ein stabiler Preistrend ab und der Bericht aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA), der nächste Woche erscheint, dürfte die Preis stützenden Argumente untermauern. Vergessen sollten Marktbeobachter jedoch nicht, dass die südamerikanische Ernte vor der Tür steht, die große Mengen an Bohnen und Mais, den Leitkulturen für die Märkte, verspricht. Ohne Wintereinbußen sind dann erneute Dämpfer am Preishimmel vorprogrammiert.

Brigitte Braun-Michels