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Ölsaatenpreise laufen in die Talsohle

Markt und Meinungen
08.07.2014

US-Flächenschätzung für die Bohnenanbaufläche unerwartet positiv/ Rapspreise im 4-Jahrestief

In der letzten Woche bekam der Ölsaatenmarkt einen unerwarteten Dämpfer. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat die Flächenschätzung für die Sojabohnen-Anbaufläche 2014 um 11 Prozent auf knapp 34 Mio. ha heraufgesetzt. Damit wird ein neuer US-Anbauflächenrekord erstellt. Analysten hatten im Vorfeld nicht mit dieser Ausdehnung gerechnet. Auch die US-Lagerbestände sind weniger knapp ausgefallen als befürchtet. In Folge ist der Sojabohnenpreis Mitte letzter Woche um knapp 6 Prozent in die Tiefe gestürzt.

Beim Mais lag der Flächenrückgang mit 4 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Auch die US-Sommerweizenfläche wurde um 10 % ausgedehnt. Die unerwartete Anbauausdehnung wird möglich, weil noch ausreichend ungenutzte Flächen in den US-Anbaugebieten zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig deutet sich in der Europäischen Union eine riesige Rapsernte an. Die Franzosen sollen 20 Prozent mehr Raps ernten (5 Mio. t). In Deutschland wird im Vergleich zum vergangenen Jahr mit einem Anstieg der Erntemenge um 2 Prozent auf knapp 6 Mio. t gerechnet. Auch in Großbritannien wird in dieser Saison von einer größeren Rapsernte ausgegangen.

An der Pariser Matif war mit diesen bärischen (negativen) Vorgaben kein Halten mehr für die Rapspreise möglich. Die trotz guter Ernte-erwartungen gebildete charttechnische Unterstützungslinie von 350 €/t wurde letzte Woche durchbrochen. Der Rapspreis ist mit 340 €/t auf ein 4-Jahrestiefgefallen. Der Abwärtstrend hält zu Beginn dieser Woche an.

Hierzulande steht die Rapsernte in den Startlöchern, wird jedoch durch Regenfälle weiter hinausgezögert. Erste Druschpartien sind in Menge und Qualität sehr unterschiedlich ausgefallen. Die Verarbeiter scheinen durch Vorkontrakte versorgt. Das zeigen auch die gezahlten Prämien. Während in Vorjahren meist positive Zuschläge auf die Börsennotierungen frei Ölmühle zu erzielen waren, werden derzeit ex Ernte Abschläge auf die Matif-Notierungen von bis zu 5 €/t vorgenommen. Die Landwirte reagieren auf diese Preisentwicklung mit resoluter Verkaufszurückhaltung. Nicht kontrahierte Erntemengen werden nach Möglichkeit ins Lager verfrachtet.

Analysten sehen durch die Bank keine Signale für eine kurzfristige Erholung der Preise. Die könnte allenfalls beginnen, wenn der internationale Ölsaatenmarkt durch Wetterphänomene wie El Nino erschüttert wird. Bisher gibt es dafür keine Anzeichen.

Ansonsten dürften Impulse nur von einer stetigen Nachfrage ausgehen. Sowohl der Getreide-, wie auch der Ölsaatenmarkt ist strukturell defizitär ausgestattet. Schlechtere Ernteergebnisse in einem wichtigen Erzeugerland sind ausreichend, die Preisrichtung rapide zu ändern. Vorerst bleiben die Preisaussichten aber getrübt.

Brigitte Braun-Michels