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Ölsaatenpreise im Abwärtstrend

08.10.2012

Sojabohnenerträge in den USA fallen höher aus / Korrekturen im Bericht aus dem US-Ministerium (USDA) erwartet.

Seit Mitte September befinden sich die Kurse für die an der US-Börse (CBOT) notierten Sojabohnen in einer Preiserholungsphase. Während Anfang September noch Spitzenwerte von rd. 17 ct/bu (etwa 500 €/t) für die Bohne erzielt wurden, sind die Preise bis Anfang Oktober auf rd. 15 ct/bu (etwa 440 €/t) herab gepurzelt.

Noch zu Beginn der Flaute gingen Analysten von einer technischen Korrektur aus. Mittlerweile zeichnet sich ein klar nach unten gerichteter Trend ab. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Von außen wirkt sich die Rohölpreisentwicklung ungünstig aus. Rohöl der Sorte WTI markiert mit unter 90 US-Dollar je Barrel ein zwei Monatstief. Begründet wird der Preisverfall mit Konjunktursorgen und einem Überangebot auf dem Rohölmarkt. Spekulative Finanzanleger rechnen vorläufig mit weiter fallenden Preisen. Das zeigt auch sich am Abbau der Netto-Long-Positionen. Im Zuge der Korrekturphase haben die Pflanzenöle, wie zum Beispiel das Palmöl, allesamt Federn gelassen. Über die Verwendung von Pflanzenöl im Energiebereich korrelieren die Rohölpreise eng mit dem Grundstoff Sojabohne.

Mit dem Fortgang der Sojabohnenernte zeichnet sich zudem eine veränderte Produktionsmenge ab. Vermutlich sind die durch Trockenheit geschätzten Mindererträge zu hoch ausgefallen. Analystenhäuser, wie Informa Economics, haben schon jetzt die Bohnenerträge gegenüber der letzten herabgesetzten Schätzung um knapp 10 Prozent erhöht. Fachleute gehen davon aus, dass der neue Erntebericht aus dem US-Ministerium (USDA), der in dieser Woche am 11. Oktober erscheint, dies berücksichtigt und die US-Bohnenernte nach oben revidiert. Schon jetzt preisen Anleger die höheren Erträge ein, was den Preisdruck verschärft.

Ohne weitere Impulse dürfte die Luft für weitere Aufwärtsbewegungen bei der Sojabohne dünn werden. Technische Analysten beschreiben die Marke von 15 ct/bu als unterstützende Linie. Wird diese in den nächsten Tagen durchbrochen, könnte die Talfahrt fortgesetzt werden.

Die andere Seite der Medaille darf nicht vergessen werden: Die Sojabohnenvorräte bleiben selbst bei der jetzt höher avisierten US-Ernte dünn. Hohe Exportraten bestätigen zudem den anhaltenden Bedarf. Schon jetzt sind über 80 Prozent der laufenden US-Ernte vermarktet. Das ist doppelt so viel, wie in vergleichbaren Vorjahren. Experten geben zu bedenken, dass die US-Erzeugungsläger, wenn die Exporte in diesem Umfang anhalten, in den nächsten vier Wochen regelrecht ausverkauft sind. Nachschub aus Südamerika gibt es erst ab Januar. Zum Ende des Jahres könnten damit die Preise erneut gestützt werden.

Die Rapspreise werden vorläufig mit in den Abwärtssog gezogen und notieren in einer Preisspanne zwischen 460 bis 480 €/t (Nov. 12).

Dass der Preissog nach unten anhält, bezweifeln die meisten Marktteilnehmer. Analysten der niederländischen Rabobank prognostizieren in einer aktuellen Studie für das erste Quartal 2013 sogar Höchstpreise, weil der Bedarf für Futtermittel anhält. Erst im zweiten Halbjahr gehen die Fachleute, wegen ausgedehnter Futteranbauflächen, von einer Preisberuhigung aus.

Rein versorgungstechnisch bleiben die Preise für Ölsaaten in den nächsten Monaten gestützt. So viel ist sicher. Unsicher bleiben die Auswirkungen, die vom Finanzsektor ausgehen können. Vor unerwarteten Paukenschlägen aus dieser Richtung bleibt kein Markt geschützt.

 

Brigitte Braun-Michels