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Ölsaatenmarkt sehr komfortabel versorgt

Markt und Meinungen
01.05.2015

Rekordhohe Sojabohnenbestände und erweiterte Anbauflächen haben guten Versorgungsgrad zur Folge/ Verminderte Rapsernte in der EU erwartet/ Rapspreisentwicklung wird spannend

Der in der letzten Woche erschienene Bericht aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) hatte wenig Neues zu bieten. Die US-Maisendbestände fielen, im Vergleich zum Vormonat leicht höher aus. Die US-Weizenbestände liegen etwas niedriger. Größere „Bewegungen“ gab es bei den Ölsaaten.

Für die USA hat das Ministerium die Sojabohnenendbestände gesenkt, was infolge der anhaltend hohen Exportrate ins Reich der Mitte zu erwarten war. Jedoch wurden gleichzeitig die hohen südamerikanischen Ernten bestätigt, beziehungsweise nach oben revidiert. In Brasilien bleibt es bei der erwarteten Rekordernte von 94,5 Mio. t. Die argentinische Ernte wurde auf 57 Mio. t (plus 1 Mio. t) heraufgesetzt. Damit kommen jetzt Rekordernten an den Markt. Die weltweite Sojabohnenproduktion steigt auf 315,46 Mio. t um 0,4 Mio. t leicht an. Der weltweite Verbrauch steigt um die gleiche Menge (0,4 Mio. t) auf 288,92 Mio. t. Die globalen Endbestände bleiben mit knapp 90 Mio. t etwa auf dem Niveau des Vormonats. Trotz der insgesamt marginalen Veränderung, hat die Botschaft über Rekorderträge in Südamerika in der letzten Woche ausgereicht, die Sojabohnenpreise in Chicago (CBOT) auf ein sechs Monatstief zu drücken. Zu Beginn dieser Woche setzten die Sojabohnenkurse wieder zu einer technischen Gegenbewegung an und haben grüne Vorzeichen. Jedoch werden die Verluste der vergangenen Woche nicht ausgeglichen. 

Bereits mit der sehr guten Ernte der letzten Saison musste die Leitkultur der Ölsaaten, die Bohne, im Preis kräftig Federn lassen. Die Produktion der sieben wichtigsten Ölsaaten (Sojabohnen, Raps, Sonnenblumen, Erdnüsse, Baumwollsaat, Kopra und Palmkerne) steigt laut US-Bericht für die laufende Saison weiter leicht an auf 532,8 Mio. t. Die Rekordmarke aus dem letzten Jahr wird damit deutlich überholt. Gleichzeitig wächst auch der weltweite Verbrauch. Jedoch werden die Endbestände nicht reduziert, im Gegenteil. Während im Jahr 2012/13 die weltweiten Ölsaatenendbestände noch bei knapp 70 Mio. t lagen, sind diese inzwischen auf 103,4 Mio. t angewachsen. Das Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch befindet sich auf einem noch nie dagewesenen Niveau von rund 20 Prozent. In den USA wächst das Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch auf 20,2 Prozent. Das ist die höchste Rate seit fünf Jahren. Zur kommenden Saison könnten diese Werte, den Wettermarkteinfluss ausgenommen, untermauert werden. 

Anders sieht die Situation am Rapsmarkt aus. Im Jahr 2014/15 sind die Rapserträge in der EU auf ein noch nie dagewesenes Rekordniveau gestiegen (24,1 Mio. t). Auch in den anderen wichtigen Erzeugerländern für Raps (Kanada, Ukraine, Australien) erreichte die Produktion überdurchschnittliche Werte. Für das Jahr 2015/16 zeichnet sich jedoch das Gegenteil ab. In der EU sind die Flächen zurück genommen worden und in der Ukraine werden durch Einsparungen im Dünger- und Pflanzenschutzaufwand ebenso Mindererträge erwartet. Auf der Nachfrageseite muss sich zeigen, wie Rapsöl verwertet wird. Besonders spannend ist die Entwicklung des Biodieselverbrauchs. Italien, Finnland und Frankreich haben die Beimischungsrate für Biodiesel erhöht. Die nicht mehr unbegrenzt einsetzbaren Speisefette in Polen und Italien dürften den daraus erwachsenden Mehrbedarf begrenzen. 

An der Pariser Matif haben sich die Rapspreise in den letzten fünf Tagen um knapp 10 €/t auf 372,50 €/t erholt. Wie weit das Fenster nach oben geöffnet werden kann, bleibt offen. Ohne größere Einschnitte am Leitmarkt Sojabohne dürfte das Preispotential für die Rapsnotierungen begrenzt sein. Sollten jedoch Wettermärkte den Bohnen für die kommende Saison zusetzen, kann die Marke von 400 €/t beim Raps schnell wieder überschritten werden. Derzeit die Entwicklung der Rapspreise abzuwarten macht aus Sicht der Erzeuger durchaus Sinn.

Brigitte Braun-Michels