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Ölsaaten im ruhigen Seitwärtstrend

Markt und Meinungen
29.01.2013

Die Börsenpreise bei Soja und Raps haben sich auf erniedrigtem Niveau „beruhigt“ / Neue Impulse kann in erster Linie das Wetter bringen

Zu Beginn dieser Woche sind die Vorzeichen bei den Agrarcommodities grün. Augenscheinliche Gründe, wie Markttechnik oder die Trockenheit in den USA, die den Winterweizen belasten, gibt es dafür natürlich. Eine Richtung der Preise vermag aber derzeit keiner der Marktteilnehmer zu erkennen. Auf breiter Front herrscht Verunsicherung.

Bei den Ölsaaten, sprich der Sojabohne und den Rapssaaten hat sich, auf erniedrigtem Preisniveau, ein Seitwärtstrend eingestellt. Neue Nachrichten, die den Markt beflügeln könnten, fehlen. Und dass die Bilanzen durch die Bank knapp sind, ist längst eingepreist.

Aus Südamerika sind, obwohl die brasilianische Ernte noch läuft, sehr gute Ernteergebnisse zu erwarten. Auch für die kommende Saison stehen die Aussichten bisher gut. Weil die Preise sehr hoch sind, dürfte die Anbaumenge bei der Bohne und beim Mais weltweit anwachsen. Marktforschungsunternehmen in den USA rechnen schon jetzt mit einer sehr hohen Anbauausdehnung beim Mais (plus 30 %). Frische Zahlen zu den Anbauplänen der Amerikaner gibt es Ende März, wenn die „intended planings“ (geplante Anbauflächen) veröffentlicht werden.

Den Rapsanbau haben die hohen Preise ebenso beflügelt. In einer aktuellen Studie der UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen) wird die Anbaufläche dieser Ölpflanze in Deutschland im Jahr 2013 um über 9 Prozent ausgedehnt (1,4 Mio. ha). In den anderen wichtigen EU-Rapsanbauländern geht die Tendenz in die gleiche Richtung.

Nachdem Ölmühlen sich hierzulande zu Beginn des Jahres noch einmal eingedeckt haben, ist jetzt Ruhe angesagt. Bis März scheinen die Bücher gefüllt und der Verbrauch bis an die Ernte hängt davon ab, ob die Marge der Ölmühlen gegeben ist. Nach Aussagen der Betreiber ist die Rentabilitätsschwelle derzeit erreicht. Das kann in Zukunft mit Kapazitätsstilllegungen und einem Nachfragerückgang verbunden sein. Die Rapspreise haben sich an der Matif für den Frontmonat (Febr. 13) auf 480 €/t berappelt. Zum Folgemonat Mai klafft eine große Lücke von 22 €/t. Wenn der Februar von Bord geht, könnte das Preisniveau sich auf das Niveau vom Mai einschießen.

Bei diesem „mengenmäßigen“ Umfeld machen die Preise vorerst keine Luftsprünge. Nur Wettermärkte könnten neue Impulse verleihen. In Europa bleiben Winterwirkungen und mögliche Frostschäden abzuwarten. In den USA könnte eine anhaltende Trockenheit den Markt beflügeln. Und das Wetter in Südamerika ist immer für Überraschungen gut.

Die Lage an den Finanzmärkten bleibt nach wie vor desaströs. Dieser Einfluss auf die Preisbildung der Agrarcommodities darf nicht vergessen werden. Das ungezügelte „Geld in den Markt pumpen“ wird mittelfristig Folgen zeigen, sind sich Finanzanalysten einig. Sobald sich Anzeichen für eine unerwartete Reaktion am Finanzmarkt abzeichnen, bleiben auch die Preise für Getreide und Ölsaaten nicht verschon, obwohl „immer gegessen wird“.

Bisher haben die Rapserzeuger ihren Raps mehr als kostendeckend verkaufen können. Mancher Erzeuger hofft darauf, dass die Börsenpreise erneut die Marke von 500 €/t erklimmen. So richtig glauben an diese Preisentwicklung will derzeit aber niemand. Nach wie vor sind die Rapspreise kostendeckend. Für den Teilverkauf weiterer Restmengen aus der Ernte 2012 spricht das derzeitige Preisniveau allemal.

Brigitte Braun-Michels