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Unkrautbekämpfung im Grünland

Agrar News
01.05.2015

Möglichkeiten der mechanischen und chemischen Unkrautbekämpfung im Grünland

Es gibt viele Gründe für eine zunehmende Verunkrautung im Grünland. So führen sowohl Überbeweidung oder Tritt- und Fahrschäden als auch eine abnehmende Nutzungsintensität, Düngefehler durch einseitige Düngung, ein zu tiefer Schnitt unter 4,5 cm, die spätere Mahd bei Extensivierungsmaßnahmen oder mangelndes Nachmähen, Schleppen, Walzen und andere Pflegemaßnahmen zu Veränderungen im Pflanzenbestand.

Durch Pflegemaßnahmen vorbeugen

Als vorbeugende Maßnahmen zur Grünlandverbesserung gelten der Vorwinterschnitt mit Mulchen oder die Beweidung durch Schafe im Spätherbst, damit die Bestände nicht auswintern, das Lüften und Aufreißen verfilzter Narben durch Striegeln im Frühjahr und die intensive aber angepasste Beweidung, die die Bestockung anregt. Die regelmäßige Nachmahd verhindert dabei das Aussamen von unerwünschten Kräutern mit geringem Futterwert. Bei Flächen mit mehr als 10% Lücken sollte eine flächendeckende Nachsaat erfolgen, da Lücken Lichtkeimern wie Ampfer oder Jakobskreuzkraut ideale Bedingungen bieten.

Giftige und unerwünschte Grünlandpflanzen

Giftig für die Weidetiere sind zum Beispiel Sumpfschachtelhalm, alle Kreuzkraut-Arten, Scharfer Hahnenfuß oder Herbstzeitlose. Mit den wertvollen Gräsern um Platz und Nährstoffe konkurrieren Hirtentäschel, Disteln, Brennnesseln oder Ampfer-Arten. Fakultative Gründlandunkräuter können Vogelmiere, Quecke, Löwenzahn, Spitzwegerich, Wiesenbärenklau oder Wiesenkerbel sein.

Gezielte Herbizidanwendung

Wenn die Unkräuter chemisch bekämpft werden sollen, müssen zunächst die Verunkrautungsstärke und die Verteilung auf der Fläche ermittelt werden. Je nach Unkrautdruck reichen auch Einzelpflanzen-, Horst- oder Teilflächenbehandlungen aus. Während die Einzelpflanzenbehandlung mit der Rückenspritze sehr arbeitsaufwändig ist, lassen sich Horst- und Teilflächenbehandlungen z.B. mit dem Rotowipersystem gut mechanisieren. Für eine nachhaltige chemische Bekämpfung muss der richtige Zeitpunkt gewählt werden. Optimal für den Herbizideinsatz sind wüchsige Witterungsverhältnisse und die optimale Größe der Unkräuter. Ampfer muss beispielsweise die volle Rosette ausgebildet haben und am Blütenstängel schieben, der Hahnenfuß muss sich im Knospenstadium befinden, die Vogelmiere muss dagegen sehr früh bekämpft werden. Pflanzen mit ausdauerndem Wurzelwerk wie Disteln sollten durch mehrmaliges Abmähen vorher geschwächt und können dann bei erneutem Austrieb gespritzt werden. 

Augenmerk bei Wiesen mit Oberflächengewässern oder Saumbiotopen

Besonderes Augenmerk ist bei Wiesen mit Oberflächengewässern oder Saumbiotopen notwendig, hier gelten spezielle Abstandsauflagen. Die Weidetiere dürfen erst nach dem vollständigen Absterben und Verfaulen der Unkräuter wieder aufgetrieben werden, da durch die Herbizide die instinkthafte Abneigung gegen die Pflanzen beeinflusst werden kann. Achtung: Durch die chemische Unkrautbekämpfung können größere Lücken im Bestand entstehen, gegebenenfalls mit einer Grünlandmischung nachsäen. 

Angelika Sontheimer