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Getreideschläge sind unterschiedlich für den Winter „gewappnet“

Agrar News
20.12.2013

Interview mit Dr. Schönberger, N.U. Agrar

Auf den ersten Blick ist die Herbstbestellung 2013 für die Winterkulturen in Deutschland und Europa gut verlaufen. Bei „näherem Hinsehen“ zeigt sich ein differenziertes Bild über die Aussaatverhältnisse. Wir haben uns mit Dr. Schönberger, Geschäftsführer der N.U. Agrar, über die Bedingungen für die Winterkulturen im Herbst 2013 und Folgen für die Ernte 2014 unterhalten.

Bei guten Aussaatbedingungen ist der Wintergetreideanbau in Europa in diesem Herbst ausgedehnt worden. Deutet das beim Weizen hierzulande auf eine gute Ernte 2014 hin?

Dr. Schönberger: Die Aussaatbedingungen für den Weizen im Herbst waren sehr unterschiedlich. Kurz gefasst: Früh gesäter Weizen hatte einen guten Start. Ab Oktober haben regelmäßige Regenfälle die Bedingungen wesentlich verschlechtert. Im Norden, in Mecklenburg und Vorpommern sowie in Sachsen-Anhalt waren die Aussaatbedingungen insgesamt für den Weizen gut. In Staulagen um das Mittelgebirge ist zu viel Regen im Herbst gefallen. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent des deutschen Weizens sind deshalb schlecht in den Boden gekommen und dürften Ertragseinbußen haben. Die erwartete Flächenausdehnung kann das vielleicht kompensieren. Bei der Gerste können wir anhand der Nässestellen erkennen, dass auch nicht alles optimal gelaufen ist. Ich vermute, dass 20 bis 25 Prozent der ausgesäten Gerste nicht optimal in den Boden gekommen ist. Nicht zu vergessen: Die Böden sind aus dem Herbst schon gut vom Regen gesättigt. Was jetzt noch kommt, wird eher zu viel des Guten und kann sich weiter ertragsmindernd auswirken.

Der Rapsanbau in Deutschland soll, nach Auswertungen der UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen), für 2014 mit 1,4 Mio. ha etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegen. Können wir von den Aussaatbedingungen her hier mit einer guten Ernte rechnen?

Dr. Schönberger Bisher sehe ich für diese Ölfrucht gutes Potenzial. Ich vermute, dass dreiviertel des Raps gut in die Erde gekommen ist. Von daher können wir bislang mit einer guten Rapsernte rechnen. Aber: Winter und Frühjahr stehen noch bevor.

Weltweit wird für 2013/14,vor allem wegen größerer Produktionsmengen beim Raps in Kanada und der EU, mit einer weiteren Steigerung auf 20,8 Mio. t gerechnet (VJ 19,2 Mio. t). Was halten Sie von derartigen Prognosen?

Dr. Schönberger: Ich tue mich bei solchen Schätzungen, die Trends berücksichtigen und vielfach politisch gefärbt sind, sehr schwer. Alle Schätzungen beruhen auf Modellen und Annahmen. Und diese müssen nicht stimmen. Bisher sind selbst die Ertragszahlen aus der letzten Ernte 2013, z.B. für Weizen noch nicht hieb- und stichfest. Wenn die Getreideernte 2013 tatsächlich so gut ausgefallen wäre, wie die Schätzungen „ansagen“, wieso haben wir dann in der EU aktuell ein knappes Angebot und stabile Preise? Meines Erachtens sind die Getreideerträge 2013 auch in Russland und in der Ukraine überschätzt worden, wie wir jetzt an der „Nachlieferung“ am Exportmarkt realisieren.

Wie schätzen sie die Anbauverhältnisse Mais und Sommergetreide im Frühjahr 2014 ein?

Dr. Schönberger: In der Ukraine und in Russland steht ein Teil des Mais von 2013 noch auf dem Acker. Auch die Bestellung von Weizen nach Zuckerrüben ist nicht abgeschlossen und auch nicht mehr möglich. Von daher besteht für die Frühjahrskulturen ausreichendes Anbaupotenzial. Braugerste und Mais stehen in Anbaukonkurrenz. Ich sehe für die Maispreise, trotz der erwarteten hohen Ernte in Südamerika noch nicht schwarz, im Gegenteil. Auf der Südhalbkugel ist das Ernteergebnis noch völlig offen und in Europa hat nur Frankreich eine normale Maisernte eingefahren. Vor allen Dingen osteuropäischer Mais ist im Ergebnis schlechter ausgefallen als viele erwartet haben. Wenn sich die Hoffnungen in Südamerika die Hoffnungen nicht 100-prozentig erfüllen, dürften sich die Maispreise stabilisieren, wenn nicht nach oben gehen. Sollte das der Fall sein, wird der Braugerstenanbau weiter Federn lassen. Winterauswirkungen und Regenfälle im Frühjahr werden die Weichen zur Ernte 2014 in Europa stellen.

Herr Dr. Schönberger, danke für das Gespräch.